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Bayern

Rechtsmediziner: Brunner war herzkrank

29.07.10  

Prozess Im Mordprozess um den Tod des Managers Dominik Brunner war am Donnerstag der Tag der Sachverständigen. Nach ihren Aussagen war Brunner seit langem herzkrank. Zudem ergaben Sohlenvergleiche, dass beide Täter ihn an den Kopf getreten haben müssen.

Laut Rechtsmedizin soll Dominik Brunner seit langem herzkrank gewesen sein.
Laut Rechtsmedizin soll Dominik Brunner seit langem herzkrank gewesen sein.

Der nach einer Schlägerei mit zwei Jugendlichen gestorbene Manager Dominik Brunner war seit langem herzkrank. Er habe ein krankhaft vergrößertes Herz gehabt, sagte der Rechtsmediziner Wolfgang Keil hat am Donnerstag vor dem Landgericht München I. Durch den Stress der Schläge am Münchner S-Bahnhof Solln sei Sauerstoffmangel und in der Folge das schließlich tödliche Kammerflimmern ausgelöst worden.

Markus S. (19) und Sebastian L. (18) müssen sich in dem Prozess wegen Mordes an Brunner verantworten. Der 50-Jährige war im September vergangenen Jahres nach ihren Schlägen und Tritten gestorben, als er vier Schüler vor den Angeklagten schützen wollte. Ohne diese Erkrankung hätte Brunner laut dem Rechtsmediziner zwar den Angriff überlebt, allerdings nur, weil überraschend ein Fußtritt gegen den Kopf und ein weiterer gegen den Bauch keine so schweren Verletzungen verursachten wie zu erwarten gewesen wäre. "Es ist ein Wunder, dass ein so massiver Kopftritt nicht zu schwersten Kopfverletzungen geführt hat", sagte Keil.

Wie massiv die Angeklagten ihn attackierten, bewies eine weitere Aussage am Donnerstag im Prozess. An seiner Schläfe waren die Sohlenabdrucke beider Beschuldigten. Das berichtete eine Expertin für Form- und Werkzeugspuren mit Blick auf Fotos von der Obduktion. Sie wurden mit den Abdrücken der Schuhe beider Tatverdächtigen verglichen und die Muster der Sohlen an der Schläfe Brunners gefunden. Das Opfer dürfte also von beiden Angeklagten ins Gesicht getreten worden sein.

Der Angriff sei daher lebensgefährlich gewesen, betonte Keil. "Fußtritte gegen den Kopf führen normalerweise zu einem Schädelbruch." Zwei weitere Fußtritte habe es mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen den Bauch und gegen den Arm gegeben. Zudem zählten die Mediziner 19 massive Faustschläge im Bereich von Kopf, Schultern und Armen. "Da hat größte Kraft gewirkt."

Beide Angeklagte waren zur Tatzeit aus der Sicht des Rechtsmediziners voll schuldfähig. Der Ältere habe zwar bei dem Gewaltexzess am Sollner Bahnhof einen Alkoholspiegel von maximal 2,09 Promille gehabt. Er sei aber wie der vollkommen nüchterne Jüngere "situativ voll orientiert" gewesen. Auch bei Markus S. stellten die Mediziner nach der Schlägerei Verletzungen fest, er gehe von fünf bis acht Fausthieben aus. Leichte Verletzungen hatten auch die beiden Schüler erlitten, die Brunner vor den Angeklagten schützen wollte.

Brunner selbst hat aber offenbar von seinem kranken Herzen nichts gewusst. Bei seinen jährlichen Vorsorgeuntersuchungen sei "nichts rausgekommen", sagte seine Lebensgefährtin. "Er war definitiv nicht krank, er hat definitiv keine Medikamente genommen". Brunner sei regelmäßig gelaufen und geschwommen und habe mit ihr gemeinsam einmal in der Woche im Fitness-Studio trainiert.

Ursache eines vergrößerten Herzens sei in den meisten Fällen unerkannter Bluthochdruck, erläuterte Rechtsmediziner Keil weiter. Brunners Herz wog 538 Gramm - normal seien bei einem Mann 300 bis 350 Gramm. Todesfälle bei körperlichem oder psychischem Stress seien bei dieser Erkrankung keine Seltenheit.

Beim Eintreffen der Helfer zwölf Minuten nach seinem Zusammenbruch hatte Brunner kaum noch eine Überlebenschance. "Zu diesem Zeitpunkt bestanden de facto kaum noch Chancen, das Herz in Gang zu bringen", sagte Keil. Außerdem hätte er zu diesem Zeitpunkt schon so große Schäden am Gehirn erlitten, dass er wahrscheinlich nie mehr zu Bewusstsein gekommen wäre. dpa



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#4 BruchpilotQuax schrieb am 30.07.10 07:55   

Das alles kann sein, wie es will. Aber wer einen am Boden liegenden mit so vielen Tritten auf den Kopf malträtiert, der hat den Vorsatz, ihn umzubringen - und so muss er auch bestraft werden! Aus und basta!

#2 Richard schrieb am 29.07.10 16:53   

Den Prizessverlauf möchte ich nicht kommentieren, bei der heutige Rechtssprechung eh sinnlos.

Was mich interessieren würde:

Es wurde das aufgezeichnete Telefonat im Gericht abgespielt. Laut Presse -ganze 22 Minuten- hat die Leitstelle zugehört, nachdem Brunner schon aus der S-Bahn angerufen hatte.

Wo war die Polizei - haben wir nicht eine Hilfsfrist von 10 Minuten, oder gilt diese nur für Feuerwehr und Hilfsdienste?

#1 Meckerer schrieb am 29.07.10 16:36   

Wer am 12. September 2009 auf dem S-Bahnsteig in München-Solln zuerst geschlagen hat, und ob Brunner vorsätzlich ermordet, nach einem Handgemenge zusammengeschlagen worden ist, oder ein im medizinischen Sinne schwaches Herz hatte, ändert für mich nichts an der Tatsache, dass dieser Dominik Brunner das einzige Opfer ist.

Er wollte helfen und hat dafür sein Leben eingesetzt, das ist die Tat eines Helden, die kein Gericht der Welt wegurteilen kann.

Die Schläger haben seinen Tod in Kauf genommen, er wurde erschlagen, als er am Boden lag. Alle anderen schauten zu oder gingen weiter – das ist der Skandal.

Wenn jetzt auch noch vor Gericht um Mord oder Totschlag gefeilscht wird und Argumente gesammelt werden, wie die Täter möglichst milde wegkommen, widerspricht das meinem Rechtsempfinden.

Es darf nicht sein, dass es bald überhaupt keine Zivilcourage mehr gibt, weil im Nachhinein Täter zu Opfern gemacht werden.

Hätte Brunner wie alle anderen weggeschaut, würde er noch leben, und es gäbe dieses unwürdige Gerichtsschauspiel nicht.

Unsere Gesellschaft gibt ein weiteres Stück ihrer Identität preis, wenn Helden posthum zu Deppen gemacht werden.

#3 Melvin schrieb am 30.07.10 01:29   

Zwischen Mut und Aberwitz ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

Wie er zwischen die Jugendlichen und die Schüler gegangen ist war mutig. Als er die Polizei alarmiert hat und mit den Schülern die U-Bahn verlassen hat war er ein Held.

Wenn er aber die Jugendlichen noch angegangen ist, als diese im Weggehen waren, wenn er gar als erster handgreiflich geworden ist, dann wäre das aberwitzig und dumm gewesen.

Man muss doch nicht aus jedem herzkranken, 50jährigen Manager einen Helden machen. Einschreiten um das schlimmste zu vermeiden - ja. Polizei benachrichtigen, Zeugen sammeln, Beweise sichern - ja unbedingt! Aber um himmelswillen nicht den selbsternannten Rächer spielen, wenn man es nicht drauf hat. Und ein normaler Mensch hat's nicht drauf.


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