Neuer Bildungsweg für behinderte Kinder
25.01.10
Integration Der Landkreis Forchheim erprobt eine neue Schulphilosophie: Noch heuer werden in Unterleinleiter oder in Dormitz Kinder der Forchheimer Lebenshilfe in der Regelschule unterrichtet.

Der Versuch, Schüler der Lebenshilfe in die Grundschule zu integrieren, schien gescheitert. In Buckenhofen hatten Pädagogen und Eltern im vergangenen Jahr zwar Bereitschaft signalisiert; aber letztlich hatte sich kein Lehrer gefunden, der sich der Aufgabe gewachsen fühlte.
Doch noch heuer soll es im Landkreis Forchheim mit der Integration behinderter Kinder in die Regelschule klappen. Wie Schulrat Wolfgang Blos sagt, sind mittlerweile vier Schulen im Landkreis bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen. Dazu zählen die Schulen in Unterleinleiter und in Dormitz. Eine von beiden wird ab Herbst fünf bis sieben Kinder der Hainbrunnenschule Forchheim unterrichten.
Damit wird auch im Kreis Forchheim eine neue Schulphilosophie erprobt. Es geht darum, den in der Charta der Vereinten Nationen festgeschriebenen Begriff der „Inklusion“ mit Leben zu füllen. Behinderte und Nicht-Behinderte sollen gemeinsam lernen. Gerade Bayern pflege ja ein Schulsystem, sagt Wolfgang Blos, das dem Vorwurf ausgesetzt sei, „auszusortieren“.
Die Alternative wird nun also erstmals in Unterleinleiter oder Dormitz getestet. Die Hainbrunnenschüler der Lebenshilfe werden ihren Unterrichtsraum direkt neben einer ersten Klasse haben. Die gemeinsamen Unterrichtszeiten in der Regelklasse werden dann immer von einem Grundschullehrer und einer Förderschullehrerin gestaltet.
Wichtig war, sagt Wolfgang Blos, dass Lehrer gefunden wurden, „die sich nicht opfern nach dem Motto: dann mach ich es halt…“ Sondern Lehrer, die mit einer „emotional positiven Grundeinstellung“ an das Thema herangehen.
Für Michael Bauer (Rektor der Martinschule) ist die Integration behinderter Menschen in das Schulsystem eine Grundsatzentscheidung. Wer keine Gesellschaft wolle, „die in Kasten lebt“, der dürfe sein Schulsystem auch nicht „von Anfang an differenzieren“. Bauer plädiert für eine „Systemänderung“. Das sei nicht von einem Schuljahr auf das nächste möglich, aber mit dem entsprechenden pädagogischen Personal sei es machbar, sagt Michael Bauer mit Hinweis auf Südtirol. Bis zur achten Klasse lernen dort alle Kinder gemeinsam: Da haben die Kinder mit Down-Syndrom ihre Betten im Kassenzimmer stehen – „und Behinderte und Nichtbehinderte lesen gemeinsam Heinrich Heine“.
„Includieren“ (einschließen) statt „aussortieren“, so lautet die Forderung einer integrierenden Schulphilosophie. Wollte man diese Forderung konsequent zu Ende denken, würden in zwei Jahrzehnten Fördereinrichtungen wie etwa die Forchheimer Pestalozzischule nicht mehr benötigt, meint Wolfgang Blos. Der Chef des Schulamtes vermutet aber, dass es immer auch gezielte Förderung für schwer Behinderte geben wird. Schon deshalb, weil sich das „Recht auf Inklusion“ nicht immer mit dem „Recht der Eltern“ decken werde.
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