"Made in Germany" gilt wieder mehr
08.02.10 Von: Christian Broßmann
Bilanz Viele Aussteller ziehen nach der Nürnberger Spielwarenmesse ein positives Resümee. Das Fachpublikum schätzt zunehmend Produkte aus heimischer Fertigung, weil deutsche Hersteller schneller liefern können als ihre ausländische Konkurrenz.

Rund 2700 Aussteller aus 59 Ländern präsentieren auf der Internationalen Spielwarenmesse noch heute dem Fachpublikum ihre Neuheiten, mit dabei sind 26 Firmen aus der Region Coburg. Haba aus Bad Rodach ist mit rund 1500 Beschäftigten größter Arbeitgeber in der Spielwarenbranche im Landkreis Coburg.
„Die Stimmung der Händler ist positiv.“ Dieses Fazit zog Haba-Gesamtverkaufsleiter Michael Hopf. Produkttrends seien kurzlebiger als früher, die Auftragsvolumina gingen zurück. „Die Händler bestellen nicht mehr Mengen, die von heute bis Weihnachten reichen.“ Für den Hersteller von Holzspielzeug heißt das: Lagerbestände aufbauen.
Der Trend geht zum Onlinehandel
Weitere Trends: Kunden achten mehr auf „Made in Germany“, weil sie so von Flexibilität und Lieferschnelligkeit profitieren. Außerdem ändert sich die Vertriebsstruktur hin zum Internethandel, eine Bedrohung für den mittelständischen Einzelhandel.
„Sehr gute Resonanz“ bei den Besuchern registrierte das Standpersonal der Zapf Creation AG. Das Unternehmen aus Rödental war mit zahlreichen Neuheiten vor Ort. Vielfach geht es um elektronische Finessen: So lassen sich Puppen durch Streicheln aktivieren und geben verschiedene Geräusche von sich. Josef Lukas, Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sagte, er hoffe, dass 2010 ein besseres Jahr werde als 2009. Er zeigte sich optimistisch: „Im Puppenbereich ist Deutschland Zapf-Land.“
„Etwas mehr Kontakte und Bestellungen“, registrierte Barbara Fehn-Dransfeld, die Geschäftsführerin von Heunec aus Neustadt bei Coburg. Sie stellte neben der neuen Serie „H2Oh!“ auch verschiedene Produkte rund um Tigerente und Atze Schröder vor, für die Lizenzen erworben wurden. Statt einer reinen Fachmesse würde es die Heunec-Chefin begrüßen, wenn es auch Publikumstage gibt.
Neuheiten quer durchs Sortiment an Traktoren, Schaufelbaggern, Rutscherfahrzeugen und Anhängern präsentierte Rolly Toys, ebenfalls aus Neustadt. „Auf der Messe fängt man Meinungen und Stimmungen ein – und die waren sehr positiv“, berichtete Geschäftsführer Frank Schneider. Auch er hat festgestellt: „Die Kunden setzen wieder auf made in Germany.“
Roba aus Ebersdorf war eher aus repräsentativen Gründen vor Ort. „Allein für den deutschen Markt wäre die Messeteilnahme nicht so wichtig, weil immer weniger Einzelhändler kommen“, so Geschäftsführer Horst-Peter Thimm. Der Hersteller von Kindermöbeln, Spielwaren und Babyausstattung präsentierte unter anderem eine neue Linie als Lizenzproduktion der Lifestyle-Marke Esprit.
Über „stapelweise Aufträge wie noch nie zuvor“ freute sich Knut Heilmann von Hornby Deutschland. Mit Modellbahn-Neuheiten in allen Spurweiten waren die Rödentaler nach Nürnberg gereist. Trotzdem leide die gesamte Modellbahn-Branche unter den Problemen bei Märklin, Fleischmann und anderen Großen.
Von interessanten Perspektiven für die Firma Eduplay aus Meeder berichtete ihr Geschäftsführer Jürgen Weißleder: Der Importeur von edukativen Spielwaren will künftig nicht mehr allein auf die Zielgruppe der Kinder setzen, sondern mit seinen Lernspielen auch ältere Kunden erreichen.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Seite 1 von 1 1
Wer einmal echte Endzeitstimmung spüren will, hat noch bis morgen Gelegenheit dazu in der Halle 4a der Nürnberger Spielwarenmesse: Auf diese vergleichsweise winzige Fläche ist die gesamte Modelleisenbahn-Branche zusammengeschrumpft. Und wenn nicht der insolvente Marktführer Märklin samt seinen ebenfalls aus Insolvenzen zugekauften Beutemarken Trix und LGB die Hälfte der Halle belegte, sähe es noch trüber aus. Die Stimmung auf den Ständen spiegelt sich in deren Gestaltung wider und reicht vom „Pfeifen im Wald“ bis „na ja, diesmal sind wir nochmal da …“ Das Standpersonal ist in allzuvielen Fällen noch dasselbe wie vor 30 Jahren, und bis auf zwei Plakate am Piko-Stand, welche mit Modelleisenbahn spielende(!) Kinder(!!) zeigen, findet sich nirgends (in Worten: Nirgends) auch nur die leiseste Andeutung, daß man sich hier im Bereich Spielwaren bewegt. Die „ernsthafte“ Modellbahn war von jeher ein Besserverdienenden-Hobby. Das ist sie nach wie vor, und die Kunden sind mit den Anbietern gealtert.
Nachwuchsgenerierung findet nicht statt – die allvorweihnachtlich bei Aldilidl auftauchenden Alibi-Anfangspackungen zählen nicht. Das Jammern ist institutionalisiert und findet, anders als noch vor 30 Jahren, nicht mehr auf hohem Niveau, sondern ziemlich am Boden statt – und keiner weiß, wie man potentiellen Nachwuchs vom Bildschirm weg hin zum wirklich dreidimensionalen „Train Simulator“ locken könnte. Und um ehrlich zu sein: Es macht sich auch kaum einer ernsthaft Gedanken darum, denn das Lamentieren ist a) schon in Fleisch und Blut übergegangen und macht b) viel weniger Arbeit.
So proliferieren die zweidimensionalen Neuheiten (aufgezogene Fotoretuschen geplanter neuer Modelle) und der Elektronik-Overkill: Digitale Steuerungen konkurrieren in einem Maße, das kein Verhältnis mehr zum geschrumpften Markt bietet. Die fortschreitende Miniaturisierung führt zu immer mehr „Funktionen“ in den kleinen Lokomotiven, was sich auf deren Komplexität ebenso verhängnisvoll auswirkt wie auf ihr Preisniveau. Alles im Sinne von noch mehr Vorbildtreue, aber – es wirkt nicht sher „echt“, wenn eine 25 Zentimeter lange Dampflok Geräusche von sich gibt wie das 25 Meter lange und 100 Tonnen schwere Original. Es wirkt nur manieriert. Und ist zumeist überflüssig, denn „spielen“ tut damit nur ein verschwindend kleiner Teil der verbliebenen Kundschaft. Daß sich deren Zahl proportional zur Hallenfläche entwickelt, ist an der Auflage einer der führenden Monatszeitschriften zu diesem Thema abzulesen, welche im „Wende-Qartal“ (Ende 1989) in West-Deutschland stolze 75000 verkaufte Exemplare betrug, und gesamtdeutsch 20 Jahre später bei einem schwachen Drittel davon herumdümpelte – Tendenz nicht unbedingt steigend …
Übrigens ist in diesem Jahr ein Neuling in der Modellbahn-Halle eingezogen: Audi zeigte eine Kollektion schöner Modellautos in unterschiedlichen Maßstäben, Plüsch-Flitzer und -Tiere, Kunststoff-Rutscher und ein auf 999 Exemplare limitiertes 1:2-Modell des Auto Union Silberpfeils Typ C von 1936 für schlappe 9700 EUR. Fragt sich nur, welchen Zweck der in Sachen Modellautos online selbst und ansonsten über den Vertragshandel vermarktende Automobilhersteller mit dieser Präsenz auf einer Messe für Spielwarenhändler verfolgt.
Seite 1 von 1 1
Registrierte Nutzer können zu diesem Artikel Kommentare verfassen. Hier können Sie sich einfach registrieren!







close


















