"Land unter" sogar im Schwimmbad
27.07.10
Bilanz Der Wolkenbruch hat im nördlichen Landkreis gewaltigen Schaden angerichtet. Am schlimmsten betroffen waren das Neustadter Feuerwehrgerätehaus sowie das Märchenbad. Zwei Aquaplaning-Unfälle gab es außerdem auf der Autobahn.
Er kam schnell, war schon nach kurzer Zeit wieder vorbei und hinterließ noch nicht bezifferbaren Schaden: Der "große Regen" am Dienstagabend. Während große Teile des Coburger Landes trotz Regenmengen von bis zu 20 Litern binnen weniger Minuten gut davon kamen, erwischte es den nördlichsten Landkreis am schlimmsten: In Neustadt meldete sogar die Feuerwehr selbst: "Land unter!"
Neustadts Stadtbrandinspektor Rolf Höfner hatte gestern Vormittag noch Mühe, für das Tageblatt das Ausmaß des Hochwassers im Gerätehaus an der Mühlenstraße zu erfassen: "Wir hatten 35 Zentimeter Wasser im Keller - und wir müssen erst noch herausfinden, wo es hergekommen ist." Als wäre das nicht schlimm genug - etliche technische Geräte standen tief in der braunen Brühe. Telefone, Kompressoren und weitere Ausrüstungsgegenstände konnten nur noch nass aus dem Keller geholt werden. "Ob sie noch funktionieren, wissen wir erst, wenn sie wieder trocken sind", berichtete Höfner auf Nachfrage.Die Menge, die wohl über den rasant steigenden Grundwasserspiegel und einen Kanalschacht ins Gerätehaus drückte, war auf jeden Fall enorm. Selbst starke Hochleistungspumpen mit einem Fördervolumen von 5000 Litern pro Minute waren nicht in der Lage, die Wassermassen zu stoppen. Der Pegel stieg und stieg. Zwischendurch war sogar zu befürchten, dass die Feuerwehr das Gerätehaus aus Sicherheitsgründen verlassen muss. "Unser Einsatzleitfahrzeug stand schon bereit", sagte Höfner. Dieses ist mit Telefonanschluss und sogar Internet ausgerüstet und hilft der Feuerwehr-Führung im Notfall, auch ohne die Infrastruktur des Gerätehauses auszukommen. "Insofern waren und sind wir da immer auf der sicheren Seite", versicherte Höfner, dass schon sehr, sehr viel passieren muss, um die Feuerwehr entscheidend zu lähmen.Bis 2.30 Uhr war zum Beispiel der Neustadter Stadtbrandmeister Stefan Köhler im Einsatz. Zwar habe sich die akute Gefahr schon wenige Minuten nach dem Wolkenbruch wieder gelegt, doch mussten Köhlers Angaben zufolge noch etliche Keller ausgepumpt werden. Unfälle habe es zum Glück keine gegeben, obwohl zahlreiche Gullydeckel aus ihren Fassungen gedrückt wurden.Bis Donnerstag geschlossen
Schwer erwischt hat die Neustadter "Sintflut" auch den Technikbereich des "Märchenbades" in Neustadt Wasser gelaufen. Die Technik, die in dem Freibad "Am Moos" unterirdisch untergebracht ist, stand circa 60 Zentimeter unter Wasser. Nach dem bereits unmittelbar nach dem Regen mit dem Auspumpen begonnen wurde, wurde am Dienstagmorgen die Technik in Augenschein genommen. Mehrere Pumpen und Steuerungskomponenten sind in Mittleidenschaft geraten. Diese wurden zwischenzeitlich zur Trocknung und Überholung ausgebaut und können voraussichtlich am Donnerstagvormittag wieder eingebaut werden.Aus diesem Grund bleibt das Märchenbad bis voraussichtlich Donnerstagnachmittag geschlossen. Armin Münzenberger (Geschäftsführer der Bäder GmbH) geht davon aus, dass der Schaden nur vorübergehend ist: "Im Laufe des Donnerstagnachmittages werden wir das Freibad wieder öffnen können."
Weitere Einsätze
Weißenbrunn vorm Wald Kreisbrandmeister Manfred Lorenz teilte dem Tageblatt auf Anfrage mit, dass die Feuerwehr zur Absicherung eines Erdrutsches im Rödentaler Stadtgebiet gerufen wurde. Durch Kräfte der Stadt Rödental und der Straßenmeister musste die Staatsstraße 2205 vom Schmutz gereinigt werden.
Neustadt bei Coburg Im ganzen Stadtgebiet liefen Keller voll. Im Einsatz waren die Feuerwehren Neustadt, Ebersdorf bei Coburg, Fürth am Berg, Wildenheid und Haarbrücken. "Die Staatsstraße bei Haarbrücken war einige Zeit eher eine Wasserstraße", sagte Stadtbrandinspektor Rolf Höfner.
Bad Staffelstein Auf der A 73 fuhr ein 48-jähriger Kaufmann mit seinem "Fünfer" BMW so schnell, dass sein Fahrzeug ins Schleudern geriet und an die Mittelschutzplanke prallte. Dabei wurden elf Leitplankenfelder demoliert. Die Fahrbahn wurde über eine Länge von rund 150 Metern so mit Splitt und Erde verschmutzt, dass sie von der Straßenmeisterei wieder gereinigt werden musste. Der Fahrer wurde nicht verletzt.
Meeder Ebenfalls auf der Autobahn A 73 geriet ein 43-jähriger Bankkaufmann mit seinem Mercedes in einer lang gezogenen Linkskurve ebenfalls ins Schleudern und nach rechts von der Fahrbahn ab. Er schleuderte die Böschung hinauf und kam unmittelbar neben einem Betonteil einer Brücke zum Stehen. Der Pkw wurde total beschädigt, der Fahrer nach eigenen Angaben nicht verletzt. Hier musste die Polizei feststellen, dass die Bereifung gerade noch den Mindestanforderungen von 1,6 Millimeter Profiltiefe entsprach.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Registrierte Nutzer können zu diesem Artikel Kommentare verfassen. Hier können Sie sich einfach registrieren!
Login
Anmelden zur Kommentarfunktion
Bitte geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein:








close

















