Chef der Rummelsberger Anstalten tritt zurück
08.12.09 Von: Stephan Maurer, dpa
Soziales Bei den Rummelsberger Anstalten ist Feuer unterm Dach: Nach nur einem Jahr im Amt hat der Vorstandsvorsitzende des evangelischen Sozialkonzerns, Wolfgang Bub, am Dienstag seinen Rücktritt erklärt.
Er zog damit die Konsequenzen aus den anhaltenden Affären bei der kirchlichen Einrichtung in Rummelsberg (Landkreis Nürnberger Land). In den vergangenen Wochen sei „einiges geschehen, was für mich jenseits der Grenze des Zumutbaren lag“, teilte der 51- Jährige, der zugleich Rektor der Rummelsberger Brüderschaft ist, in einer persönlichen Erklärung mit.
Dies betreffe „manches, was in der Presse zu lesen war, manche Äußerungen von einzelnen Brüdern und ein unterschiedliches Verständnis von Leitung zwischen Teilen der Brüderschaft und mir“, erklärte Bub. Direkt sprach er die schwelenden Affären und Streitereien in seiner Erklärung nicht an. Missbrauchsvorwürfe, Einschüchterungsversuche, umstrittene Abfindungen und Bonuszahlungen - das Sozialwerk, das sich mit etwa 6400 Mitarbeitern in ganz Bayern um alte, kranke und behinderte Menschen kümmert, hat zuletzt vor allem durch negative Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht.
Bub erklärte, die zurückliegenden Monate hätten viel Energie gekostet. „Aus gesundheitlichen Gründen und aus Rücksicht auf meine Familie habe ich mich deshalb entschlossen, die zuständigen Gremien zu bitten, meinen Vertrag mit den Rummelsbergern aufzulösen.“ Bis zur Wahl eines Nachfolgers stehe er noch zur Verfügung, dann wolle er in den Dienst der Landeskirche zurückkehren. Vorstand und Geschäftsführung bedauerten den Schritt. Brüdersenior Martin Neukamm sprach von einem herben Verlust. Vorstandsmitglied Andrea Heußner erklärte, Bub habe an der Aufarbeitung und Neuorientierung maßgeblich mitgewirkt.
In Rummelsberg, einem kleinen Ort 18 Kilometer südöstlich von Nürnberg, wirkt noch immer der Skandal um den früheren Rektor Karl Heinz Bierlein nach. Er musste im Dezember 2007 zurücktreten, nachdem zweifelhafte Psycho-Experimente mit jungen Diakonen bekannt geworden waren. Im Rahmen eines Buchprojekts über „Autorität“, „Körper“ und „Schmerzgrenzen“ soll er sich von den Probanden die Einwilligung zu körperlichen Misshandlungen erschlichen haben. Das Amtsgericht Hersbruck erließ später wegen schwerer Körperverletzung einen Strafbefehl über eine Bewährungsstrafe von elf Monaten und eine Geldauflage von 10 000 Euro.
Doch damit kehrte keine Ruhe ein. Bub, der sein Amt im November 2008 antrat, fand sich nach eigenen Worten in einem „intensiven Prozess der Aufarbeitung“ wieder. Die Affäre schwelte weiter. Erst vor wenigen Wochen warf die Spitze der Diakonie-Einrichtung Bierlein „Verharmlosung“ und „weitere Verletzung der Opfer“ vor, nachdem der Ex-Rektor Vorwürfe aus der Brüderschaft gegen sich als „bitteres Unrecht“ bezeichnet hatte.
Zugleich gerieten die Rummelsberger und mit ihnen Bub durch eine Finanzaffäre massiv unter Druck: Ein früherer Geschäftsführer soll für sein Ausscheiden eine Abfindung von 450 000 Euro bekommen haben; eben dieser Manager soll zuvor einer Bonuszahlung von 2000 Euro monatlich an Bierlein zugestimmt haben. Die Leitung des Sozialkonzerns gab dies nur scheibchenweise zu. Bub selbst ließ einen „Offenen Brief“ verteilen, in dem Medienberichten zufolge Diakone und Diakoninnen eingeschüchtert werden sollten. Wer mit Informationen an die Öffentlichkeit gehe, schade den Rummelsbergern, hieß es darin. In kirchlichen Kreisen machte sich daraufhin Empörung breit.
Die Rummelsberger wollen nun möglichst schnell zum Alltag zurückkehren. Der Geschäftsführer der Rummelsberger Dienste für Menschen (RDM), Harald Frei, erklärte, die Arbeit in den Einrichtungen und Diensten laufe wie gewohnt weiter. Alle Gesellschaften der Unternehmensgruppe seien voll handlungsfähig. Nach Angaben des Sozialunternehmens soll bereits in wenigen Tagen ein Ausschuss zusammentreten, um Bubs Nachfolge vorzubereiten. Der scheidende Chef wünschte dem Unternehmen, „dass verloren gegangenes Vertrauen neu wachsen kann - gerade um der Menschen willen, für die wir Rummelsberger da sind“.
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