BMW feiert 50 Jahre "Wiedergeburt"
08.12.09 Von: Michael Friedrich, dpa
Automarke Daimler übernimmt BMW: Vor 50 Jahren wäre es fast so gekommen. Das heute stolze Schiff aus München hatte 1959 erheblich Schlagseite. Als rettenden Hafen bot sich die damalige Daimler-Benz AG an.
Auf einer Hauptversammlung auf der Münchner Theresienhöhe sollten am 9. Dezember die Weichen in Richtung Übernahme gestellt werden. Doch die Aktionäre meuterten gegen den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat und wollten BMW die Eigenständigkeit erhalten. In die Bresche sprang schließlich der Mann, dessen Erben noch heute den Ton bei BMW angeben: Herbert Quandt.
In den Jahren zuvor waren die Verkaufszahlen von BMW im Keller, das Unternehmen arbeitete defizitär. Problem war vor allem die Modellpalette. BMW hatte Kleinwagen, darunter die legendäre „Isetta“, und große Limousinen. Dazwischen herrschte allerdings Ebbe. Bis Ende Oktober war bereits ein Verlust von neun Millionen DM aufgelaufen. „Es war nichts mehr in der Kasse. Es wäre nichts mehr dagewesen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln“, sagt Sprecher Manfred Grunert, zuständig für die BMW-Geschichte.
Der Konzern machte sich also auf die Suche nach einem Partner. Und dies war damals Daimler-Benz. Die Stuttgarter erklärten sich nicht nur bereit, 50 Millionen DM zuzuschießen, sondern auch künftig mit Aufträgen zu versorgen. Diese Lösung hatte jedoch einen Haken. Zufließen sollte das Geld über eine Kapitalerhöhung, bei der die Altaktionäre vom Bezug neuer Aktien ausgeschlossen worden wären. Daimler-Benz hätte die Mehrheit bei BMW übernommen. Vorstand und Aufsichtsrat befürworteten jedoch diese Lösung. Sie sahen keine anderen Ausweg.
Doch die Aktionäre liefen Sturm. „Das kommt mir so vor, als ob man einer Weihnachtsgans vor dem Schlachten erzählt, dass sie von einer feinen Familie gegessen wird“, spottete der Rechtsanwalt Friedrich Mathern, Vertreter der BMW-Händler. Er argumentiert, BMW habe durchaus Chancen, aus eigener Kraft zu überleben. So war damals gerade die Produktion des neuen BMW 700 angelaufen, für den bereits 30.000 Bestellungen vorlagen. Die Aktionäre folgten ihm und beschlossen, die Hauptversammlung zu vertagen. Das Angebot von Daimler war somit hinfällig.
Mit dieser Entscheidung kam Herbert Quandt ins Spiel. Er hielt damals rund fünf Prozent an BMW und hatte ursprünglich für die Lösung mit Daimler votiert, besann sich aber und schlug sich auf die Seite der Aktionäre. „Damals machten Aktionäre und Händler deutlich, wie sehr sie trotz der finanziell desaströsen Lage des Unternehmens von der Stärke der Marke BMW überzeugt waren“, sagt Herbert Quandts Sohn Stefan in einem hauseigenen Interview. „Vertreter der Händlerschaft argumentierten mit Überzeugung und Herzblut, dass sie dem neuen Modell BMW 700 zutrauten, die im Produktprogramm klaffende Lücke zu schließen.“
Quandt votierte nun für eine Kapitalerhöhung, bei der auch die Altaktionäre zum Zug kommen sollten und erklärte sich bereit, übrige Aktien zu übernehmen. Außerdem wollte er seine Kontakte zu den Banken für die anstehende Finanzierung des Unternehmens nutzen. „Quandt hat den Platz von Mercedes eingenommen. Er war derjenige, der die Türen zu den Banken und Geldgebern geöffnet hat“, sagt Grunert. Die Kapitalerhöhung kam dann auch tatsächlich am 30. November 1960. Die Altaktionäre zeichneten 99,7 Prozent der Aktien. Herbert Quandt baute seinen Aktienanteil bis Mitte der 60er Jahre auf mehr als 40 Prozent aus. Seine Erben halten ihn noch heute. Susanne Klatten kontrolliert zusammen mit ihrem Bruder Stefan und ihrer Mutter Johanna 46,7 Prozent der Anteile an BMW
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