175 Jahre Oratorienchor
07.02.10 Von: Marion Krüger-Hundrup
Festakt Geschichte und Geschichten rund um den Klangkörper lebten auf: Der Bamberger Oratorienchor feierte im Harmoniesaal seinen 175. Geburtstag. Und zu diesem Anlass würdigten Festredner sein stimmgewaltiges Können.

Die geladenen Fans des Bamberger Oratorienchors wussten schon bei der musikalischen Begrüßung, warum diese 90-köpfige Truppe zum führenden Konzertchor in der Stadt avanciert ist: Fein nuancierte Stimmen brachten Lieder von Antonin Dvorák zu Gehör, und das in der Originalsprache Tschechisch.
Der Harmoniesaal gab dem Festakt zum 175. Geburtstag des Oratorienchors am Samstagabend den würdigen Rahmen. Schon das 75. Jubiläum sei an diesem Ort gefeiert worden, blickte Vorsitzender Markus Raupach zurück. Dass dieser Chor seit seiner Gründung im Jahr 1835 aus dem Bamberger Kulturleben nicht mehr wegzudenken ist, machte Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius klar: „Der Oratorienchor hat die musikalische Landschaft in Bamberg geprägt.“ Der Chor setze sich aus Könnern zusammen und sei die Idealform eines Gemeinwesens: „Der Einzelne stellt sich in den Dienst des Ganzen“, erklärte Hipelius. Er würdigte besonders Chorleiter Christoph Dartsch, der jeden Auftritt zu etwas Besonderem werden lasse. Es sei Dartschs Verdienst, dass der Chor in den letzten zehn Jahren ein immer höheres Niveau erreicht habe, und seine Zuhörer mit „stimmgewaltigen und musikalischen Leckerbissen“, mit „wahren Meilensteinen klassischer Musik“ verwöhne.
„Aushängeschild für unsere Stadt“
Staatssekretärin Melanie Huml nannte den Oratorienchor ein „wertvolles Aushängeschild für unsere Stadt“, das das kulturelle Leben mit ihren Werken wie die Matthäus-Passion oder die Johannes-Passion präge. Peter Jacobi, Präsident des Fränkischen Sängerbundes, freute sich über das „unverdrossen lebendig gebliebene Singen“ dieses altehrwürdigen Chores. Er wünschte ihm für die nächsten 25 Jahre weiter „Motivation und aufrüttelnde Begeisterung“.
Im Zeitraffer
Festredner Professor Dr. Wolfgang Spindler, allen bestens bekannt durch seine „Capella Antiqua Bambergensis“, fasste die 175-jährige Chorgeschichte zusammen. Mit Bamberger Histörchen gespickt, brachte Spindler eine pfiffige Rückschau auf eine „Kulturleistung aller ersten Ranges für diese Stadt Bamberg“. Seit der Gründung des „Liederkranzes“, wie der Oratorienchor ursprünglich hieß, habe es kein lokales Ereignis ohne ihn gegeben: „1839 – König Ludwig besichtigt die Schleusen des Ludwig-Donau-Main-Kanals unter Absingen von Liedern. Erzbischof stirbt: Requiem im Dom. Alle folgenden Denkmale, Brücken, Hochwasserdämme, Turnfeste, die Einweihung der Bamberger Rettungsanstalt für verwahrloste Mädchen – Gesang.“ Schließlich habe das Vereinsziel alle Chormitglieder geeint: „Feierlichkeiten durch Absingen mehrstimmiger Gesänge zu erhöhen“.
Professor Spindler führte Höhepunkte in der Lebens- und Schaffenszeit des Liederkranzes respektive Oratorienchores an. Dazu zählte er zum Beispiel „das Musikereignis des Jahres 1960“, als unter der Leitung von Fritz Braun zum 125-jährigen Jubiläum des Liederkranzes Orffs Carmina Burana aufgeführt wurde. Spindler zählte weitere „großartige Aufführungen“ wie 2001 Haydns „Schöpfung“ oder 2004 Brahms „Deutsches Requiem“ sowie die Zusammenarbeit mit Dirigenten der Orchester wie die Bamberger Symphoniker an: „Jochum, Keilberth, Heger, Wallberg, Hollreiser, Moshe Atzmon, Horst Stein gehören zur Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts.“
Mit Urkunden geehrt
Mit weiteren Liedern von Dvorák und Johannes Brahms schrieb der Oratorienchor in dem Festakt diese Geschichte fort. Die Protagonisten der vergangenen Jahrzehnte wurden mit Urkunde, Blumen und Wein eigens geehrt: Für ihre 60-jährige Mitgliedschaft erhielten Fritz Benl, Georg Hartmann, Georg Klecha und Andreas Reges auch noch einen Sonderapplaus.
Weitere Artikel zum Thema suchen
Registrierte Nutzer können zu diesem Artikel Kommentare verfassen. Hier können Sie sich einfach registrieren!







close



















