Das eigene Startup
14.06.2010
Von: Sebastian Martin ![]()
Existenzgründung Das Portal Verkehrsmittelvergleich.de ist ein Startup der RWTH Aachen. Am Dienstag sprechen die Gründer an der Uni Bamberg über Möglichkeiten von Existenzgründungen.

Veit Blumschein mit Technikleiter Daniel Nolte und Johannes Graßmann (von links) Foto: Verkehrsmittelvergleich.de
Wissen besser vermarkten
Im November 2008 wurde die Verkehrsmittelvergleich.de GmbH als Spin-off der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule (RWTH) Aachen gegründet. Hochschul-Spin-offs sind Startup Unternehmen mit Verbindung zur Forschung. Dabei soll Wissen direkt für den Markt nutzbar gemacht werden. Das funktioniert in der Praxis allerdings nur teilweise, sagt Blumschein, der zusammen mit Graßmann am Gründerzentrum der RWTH promoviert: "Viele Forscher verlassen sich zu sehr auf die Innovationskraft der entwickelten Technologie." Allein die Innovation oder ein Business-Plan genügen nach Ansicht des Diplom Kaufmanns nicht. Der frühe Kundenkontakt ist wichtig: "Man muss auch etwas wagen, wenn man ein Unternehmen gründet", sagt der 28-Jährige. Das bedeutet im Falle eines Online-Unternehmens, dass man "nicht mit dem perfekten Produkt online geht, sondern eine Beta-Version anbietet - 80 Prozent der geplanten Funktionen reichen dabei aus". Denn das Feedback der User hilft, das Produkt weiter zu entwickeln. Das kann Jahre dauern. Auch Blumscheins Portal steckt noch in der Beta-Phase.Die größte Hürde für Existenzgründungen stellt das Startkapital dar. Hochschulen können zwar Forschungs-Know-how bieten, finanziell sind ihnen jedoch die Hände gebunden. Um Investoren zu gewinnen, sind Spin-offs aber von Vorteil. "Was fehlt, ist am Anfang das Vertrauen in die Geschäftsidee", sagt Blumschein, "mit der Marke ,Hochschule‘ geht das einfacher". Das Portal hat finanziell zunächst von "Exist", einem Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, profitiert, bevor zahlungskräftige Business Angels, also Geldgeber, aus dem Web 2.0 in die Geschäftsidee investiert haben. Seinem Unternehmen hat die Marke "RWTH Aachen" auch geholfen, die Bahn mit ins Boot zu holen, denn "ohne die Bahn wäre ein Verkehrsmittelvergleich sinnlos." Inzwischen hat das Unternehmen zwölf Mitarbeiter. Ende des Jahres soll die Beta-Phase abgeschlossen werden. "Unsere Vision ist, die Suche zu internationalisieren", sagt Blumschein. Wenn dann jemand von Madrid nach Paris reisen will, soll der Verkehrsmittelvergleich ebenso möglich sein..Auch in der Region Oberfranken gibt es Existenzgründer-Projekte. "4 hoch 2 für Oberfranken" ist ein Projekt der Hochschulen Coburg und Hof sowie der Universitäten Bayreuth und Bamberg. Angehörige und ehemalige Mitglieder der Hochschulen werden hier bei der Suche nach wirtschaftsnahen Partnern und beim Erstellen von Business-Plänen unterstützt. Der Vortrag findet am Dienstag, 15.06.2010, ab 20.00 Uhr in F137 in der Feldkirchenstraße 21 statt.Zehn Tipps von den Verkehrsmittelvergleich.de-Gründern:
1.) Man muss heute nicht mehr programmieren können um Blogs, Online-Shops oder Foren aufzubauen und zu vermarkten. Hierzu gibt es fertige System nach dem Baukastenprinzip
2.) Kein einziges Online-Business kommt heute noch ohne Google aus, daher ist es wichtig die Mechanismen von Google zu verstehen
3.) Ich muss kein physisches Produkt haben um es zu vertreiben, nicht einmal wenn ich einen Online-Shop habe. Denn auch hier kann ich mir die Lieferanten virtuell zusammenstellen, die die Ware direkt an meinen Kunden liefern, ohne dass ich das physische Produkt jemals in der Hand halten musste.
4.) Die Zeiten, wo das Geld im Internet sprichwörtlich auf der Straße lag sind vorbei! E-Business hat sich zu einer etablierten und professionellen Branche entwickelt, die aber nicht zuletzt wegen ihren hohen Wachstumsraten trotzdem neuen Spielern Chancen in Nischen eröffnet.
5.) Vorsicht vor unseriösen Agenturen, die einem in Bereichen Programmierung und Online-Marketing das Blaue vom Himmel versprechen. Dafür ist das Internet leider auch berühmt berüchtigt.
6.) "Do the math". Nirgendwo lassen sich Marketingausgaben und Einnahmen in Echtzeit so exakt messen wie im Internet, daher sollte man die Mathematik hinter seinem Geschäftsmodell genau verstehen.
7.) Über Nacht geht gar nichts; Auch im Internetgeschäft muss erst eine Durstrecke durchschritten werden bis der Profit kommt.
8.) Trotzdem ist die Formel hinter erfolgreichem E-Business trivial einfach: Die Kundenakquisitionskosten müssen geringer als der Kundenwert sein. Diese Formel lässt sich wie folgt in einfache Maßnahmen aufgliedern:
a. Besucher günstig einkaufen, d.h. auf die eigene Webseite bringen
b. Die sog. Conversion optimieren, d.h. die Webseite so optimieren, dass das Verhältnis von Kaufabschluss pro Besucher möglichst hoch ist.
c. Die Margen pro Kauf/Transaktion maximieren
9.) 80/20: Die erste "Beta-Version" einer jeden Webseite ist immer fehlerbehaftet, das liegt in der Natur der Dinge. D.h. schnell eine Version online Stellen die max. bis zu 80% der anvisierten Funktionalitäten abbildet und dann die Internet-Community Nutzen um sich wertvolles Feedback für die neue Version einzuholen. Sonst kommt man nie zu Potte, denn darauf aufbauende zweite Lektion heißt: die restlichen 20% brauchen so lange wie die ersten 80.
10.) Trotzdem bietet das Internet noch einen riesen Vorteil; Die Möglichkeit mit geringen Investitionen einen Riesenmarkt adressieren zu können!
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