Schlecker-Familie: Firmengründer zieht sich zurück

08.02.2012   Ort: Wien/Ehingen     

Gründer Anton Schlecker will bereits in einem halben Jahr aus der Führung seiner insolventen Drogeriekette ausscheiden. Wenn «alles positiv» verlaufe, werde sich sein Vater im August oder September komplett aus dem Unternehmen zurückziehen, sagte Lars Schlecker in Wien.

Schlecker
Die Familie Schlecker will mit der Modernisierung der Filialen in die Gewinnzone zurückzukehren und neu durchzustarten. Foto: Emily Wabitsch

«Es wird eine Veränderung der Firmenstruktur geben.» Gleichzeitig sucht das Unternehmen intensiv nach finanzkräftiger Unterstützung. «Ein Investor ist wahrscheinlich und notwendig», sagte Lars Schlecker. Über die Höhe einer möglichen Beteiligung und die Zahl der Verhandlungspartner wollte er sich nicht äußern. Ähnliche Andeutungen hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz vergangene Woche gemacht - der aktuell die maßgeblichen Entscheidungen trifft.

Bis Ende März bekommen die Schlecker-Angestellten in Deutschland noch ihre Gehälter als Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit bezahlt. Die Firmenerben hoffen, mit einem Sanierungskonzept aus der Insolvenz zu kommen, um den Familienkonzern aus Ehingen bei Ulm erhalten zu können. Wichtiger Teil ist die noch laufende Schließung unrentabler und die Eröffnung großzügiger neuer Filialen. Lars Schlecker kündigte an: «Auch das Management bleibt bestehen.»

Die Familie könne aber kein Geld mehr in die insolvente Muttergesellschaft stecken. «Wenn noch ein signifikantes Vermögen da wäre, würden wir nicht hier sitzen», sagte Lars Schlecker. Fast wortgleich hatte sich seine Schwester Meike am 30. Januar in Ehingen geäußert. Sein Vater Anton Schlecker habe dreistellige Millionenbeträge in die Drogeriekette investiert, um die Verluste aufzufangen. «Meine Schwester und ich haben auch einen Großteil unseres Vermögens ins Unternehmen gesteckt. Wir werden nicht jammern und wir kommen zurecht.»

Die Auslandstöchter seien nicht insolvent und sollten auch nicht in Insolvenz geschickt werden. Im Ausland lägen die größten Wachstumschancen des Unternehmens, sagte Schlecker und fügte in Wien hinzu: «Österreich ist und bleibt eigenständig.» Der Schlecker-Manager Thorsten Rusch betonte, die Österreich-Tochter sei «definitiv nicht vom deutschen Insolvenzverfahren betroffen». Schlecker-Österreich sei «sehr gut unterwegs», 2011 sei ein «eindeutig siebenstelliges positives Betriebsergebnis» erzielt worden. Auch die Länder, die an Österreich hängen - Luxemburg, Belgien, Polen und Italien - erwirtschafteten positive Beiträge, so Rusch.

In Österreich als erstem Auslandsmarkt eröffnete Schlecker von 1987 an Geschäfte. Heute gibt es etwa 970 Filialen und 3000 Angestellte. Am 23. Januar hatte die Firma in Deutschland ihre Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Betroffen sind deutschlandweit rund 32 000 Beschäftigte in mehr als 6000 Filialen. Dazu gehört auch die Tochter IhrPlatz.



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Kommentare

 
1  Kommentare  
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rick.sander - 08.02.2012 16:36    (0)   
 

Mir kommen die Tränen
ach Gott, die arme , arme Familie Schlecker. Fast so wie die arme Frau Schickedanz.
Sie sollen doch damit aufhören uns für dumm verkaufen zu wollen.
Meine persönliche Überzeugung ist:
Ich habe Herrn Anton Schlecker schon immer als Leutschinder eingeschätzt, dem seine Firma längst über den Kopf gewachsen ist.
Mit dem Investitionsmärchen von 2 Mrd. wollte er nur Stimmung machen. jetzt liest sich das ganz ander.
Ich gehe davon aus, daß der die Firma, als er sah, wie es aussieht mit voller Wucht hat an die Wand fahren lassen. Jetzt bereitet er seinen Ausstieg in die Südsee vor. Betrogen sind die Mitarbeiter und die Vermieter, sowie die Lieferanten.
Ich sage noch mal: Dr Mann gehört in Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr, bis der Verbleib der Geld und das Entstehen der Insolvenz geklärt ist. Ich denke da eher an einen betrügerischen Bankrott.

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