Seelische Leiden häufigste Ursache für Frühverrentung
09.02.2012 Ort: Salzgitter
Seelische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Frühverrentungen. Deshalb wollen Arbeitgeber und Betriebsärzte sich stärker auf psychische Probleme im Arbeitsalltag konzentrieren.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) setzen sich vor allem für eine bessere Vernetzung aller Beteiligten ein. «Früherkennung, eine zeitnahe Behandlung und die Wiedereingliederung sind in hohem Maß erfolgsrelevant», sagte VDBW-Präsident Wolfgang Panter am Donnerstag bei einer großen Fachtagung in Salzgitter.
Dort trafen sich mehr als 100 Vertreter von großen Unternehmen, Krankenkassen, Gewerkschaften, der Rentenversicherung sowie Betriebsärzte und Wissenschaftler zu einer Fachtagung. Den Begriff «Burnout» sahen alle problematisch. «Es ist kein medizinischer Begriff», betonte BDA-Geschäftsführer Alexander Gunkel. Einerseits stelle er eine Chance dar, Aufmerksamkeit zu gewinnen, andererseits würde er psychische Probleme auf Überforderung reduzieren.
Viele Experten sehen «Burnout», die völlige seelische Erschöpfung, als eine Unterform der Depression an. Schlagzeilen über «ausgebrannte» Prominente wie Profifußballer Sebastian Deisler, Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel oder jüngst auch Ex-Schalke-Trainer Ralf Rangnick ließen den Eindruck entstehen, es handele sich um eine Promi-Krankheit.
Die Stars bilden aber allenfalls die Spitze des Eisbergs. Arbeitslose weisen nach Krankenkassen-Erkenntnissen durchschnittlich die meisten psychischen Krankheitstage auf. Gewerkschaften halten auch Leiharbeiter wegen häufig prekärer Arbeitsbedingungen und Entlohnung für höchst gefährdet und dringen auf Änderung.
«Die Probleme mit den wachsenden Fehlzeiten und Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen lassen sich nur im Zusammenwirken aller Beteiligten lösen», betonte Gunkel. 2010 seien bundesweit 70 000 Arbeitnehmer wegen einer seelischen Erkrankung frühzeitig aus dem Beruf ausgeschieden. Damit seien psychische und psychosomatische Probleme der häufigste Grund für Frühverrentungen.
Ein Kernproblem sind bei der Behandlung die langen Wartezeiten auf eine ambulante Therapie. «Sind die Betroffenen erstmal Wochen oder gar Monate aus dem Arbeitsprozess, wird eine Wiedereingliederung immer schwieriger», sagte Gunkel.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit verbundenen Fachkräftemangel wird das Thema immer wichtiger. «Das sollte allen Unternehmen bewusst sein», sagte Gunkel. Er appellierte an alle Arbeitgeber, die Betriebsärzte auch im Bereich der seelischen Erkrankungen verstärkt zu nutzen.
«Durch Koordination und Vermittlung können sie einen wichtigen Beitrag zur richtigen und ausreichenden Behandlung leisten», sagte Panter. Die Ärzte sollten in den Betrieben kompetent informieren, Risiken erkennen, frühzeitig beraten und bei Lösungen mitwirken. Das Thema müsse insgesamt enttabuisiert werden.
Der Tagungsort wurde nicht zufällig gewählt, die Salzgitter AG hat gemeinsam mit der TU Braunschweig ein Betreuungsmodell entwickelt, das bereits alle Beteiligten vernetzt und eine nahtlose Therapiekette gewährleisten soll.
«Wir haben rund 12 000 Untersuchungen an 6000 Beschäftigten pro Jahr», sagte Betriebsarzt Bernhard Koch. Durch eine Kooperation mit der TU-Braunschweig können betroffene Mitarbeiter unter anderem mit einer schnellen ambulanten Therapie rechnen.
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Kommentare
Mobbing u. Bossing oft die Ursache
Erwähnenswert wäre in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach das Thema "Mobbing".
Ein erheblicher Anteil der seelischen Leiden ist nämlich auf Psychoterror am Arbeitsplatz zurückzuführen. Treffen kann es uns alle, besonders betroffen sind jedoch Arbeitnehmer(innen) im sozialen Bereich, ältere Mitarbeiter, Bankengewerbe, sowie Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst. Die Gründe für Mobbing & Bossing sind sehr vielfältig, nicht selten dienen sie aber als geeignetes Werkzeug zum Personalabbau.
Octopus kannt sich aus, ....
... und tatsächlich gibt es heute kaum noch "väterliche" Führungskräfte mit natürlicher Kompetenz, sondern oft sind es Karrieremenschen ohne eigene Kinder, die die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben. Oft bilden sich die Chefs auch nicht weiter und drücken ihre "Untergebenen". Als Kleingetier betrachten sie jeden Mitarbeiter und der braucht Druck und hat immer mehr zu leisten. Auscheidendes Personal wird nicht ersetzt und die Aufgaben der Gegangenen werden auf die Verbliebenen verteilt. So kann man mit stagnierender Lohnsumme trotz tariflicher Lohnerhöhung angeben und daran messen sich Füührungskräfte heute.
"Burnout" gibt es in der Medizin tatsächlich nicht. Es handelt sich um eine berufsbedingte Depression!!!
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