Berggruen - der Retter auf der Rolltreppe
03.09.2010
Von: Florian Lütticke und Sascha Meyer, dpa ![]()
Karstadt Zum Antrittsbesuch gibt es Applaus: Milliardär Berggruen präsentiert sich als Karstadt-Eigentümer und trifft auf erleichterte Mitarbeiter. Mit einem prominenten Gesprächspartner sorgt er gleich für Umsatz.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Nicolas Bergguen, der Investor für den insolventen Warenhauskonzern Karstadt, kommen am Freitag (03.09.2010) in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm in Berlin zur gemeinsamen Pressekonferenz an. Foto: dpa
Karstadt ist eine "Herausforderung"
Trotz Dreitagebart, lässig aufgeknöpftem weißen Hemd und Sonnenbrille in der Hand wirkt Berggruen hingegen leicht angespannt. Nur für kurze Momente strahlt er, wenn er über das "New beginning" der insolventen Warenhauskette spricht. Warum es für den Deutsch- Amerikaner gerade Karstadt sein sollte? "Challenge", sagt er: Herausforderung. "Ein Unternehmen, das mit Konsumenten zu tun hat, muss sich erneuern, erfrischen, und man muss den Kunden etwas geben, das richtig ein Erlebnis ist." Bereits die Rettung wird zum Event. Erst gut eine Stunde zuvor, um 11.20 Uhr trudeln die letzten benötigten Dokumente ein, wie Görg berichtet. Am Vorabend hatten er und Berggruen bis in die Nacht im Untergeschoss des Hauses vor der Lebensmittelabteilung gewartet, doch die ersehnten Unterschriften ließen vorerst auf sich warten. Auch von der Leyen stieß dazu, begleitet von Ex-Werbemanager Thomas Heilmann, der als Vermittler zwischen den Parteien hin- und hertelefonierte. Am Freitag kommen die Beteiligten wieder, fahren diesmal ganz nach oben und verkünden den Erfolg. Auch einige Schaulustige blicken für die Bekanntgabe der Rettung im Kundenrestaurant (Angebot: Pfeffersteak vom Grill für 8,95 Euro) kurz von ihrem Essen auf. Im Alltagsgeschäft will sich der neue Eigentümer demnächst nicht in den Vordergrund drängen, auch wenn ihm gleich ein dunkelblaues Mitarbeiter-Schild mit dem Namen "N. Berggruen" angeheftet wird. "Ich bin nicht involviert im Management. Das habe ich nie gemacht, mein ganzes Leben. Ich habe Gesellschaften gekauft und aufgebaut. Das Management und die Mitarbeiter machen das, und sie machen es viel besser als ich."
"Menschlich und verständnisvoll"
Mit seinem Auftritt hat Berggruen die Angestellten rasch für sich eingenommen. "Er ist menschlich, verständnisvoll", schwärmt Birgit Höhne-Nashmi, die aus der ersten Etage - Abteilung Herrenmode - heraufgekommen ist. Nach seinen Antrittsworten hat es Berggruen dann plötzlich eilig. Und macht gleich am ersten Tag zusätzlichen Gastronomieumsatz. In einem abgetrennten Bereich trifft er sich zum Plausch mit Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), der eigentlich an anderer Stelle geplant war. Für seine kürzlich gegründete Denkfabrik sucht Berggruen den Austausch mit früheren Regierungschefs. Eine zweitägige Konferenz in Berlin sollte dem Karstadt-Krimi da nicht zum Opfer fallen.
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