Krapfen lügen nicht

10.02.2012   Von: Sarah Bernhard  Fränkischer Tag

Frankenblog Kennen Sie das: Man will intelligent wirken und überführt sich nur selbst der völligen Unwissenheit? So ging es mir diese Woche beim Abendessen. Was das alles mit Franken zu tun hat, lesen Sie in meinem Blog.


Gebt mir Erdbeermarmelade! Fotos: Michael Gründel
Also wie gesagt, wir saßen beim Abendessen. "Was ist Hiffenmark?", fragte mich mein Freund ziemlich unvermittelt. Ich antwortete: "Das ist eine Stadt in Brandenburg. Da sind wir doch letzten Sommer mal durchgefahren, erinnerst du dich nicht?!" (Ich war mir wirklich sicher, dass wir da letzten Sommer durchgefahren sind!) Er guckte mich erst komisch an. Dann zeigte er auf die Brötchentüte und sagte: "Und wie kann man eine Stadt in Krapfen füllen?"

Gut, da war dann ziemlich schnell klar, dass ich keine Ahnung hatte. Aber mal ernsthaft, wie kann man auf die Idee kommen, in eine Süßigkeit, die es zu Fasching gibt, etwas zu füllen, das einen so trockenen Namen hat wie "Hiffenmark"?! Und - noch viel wichtiger - wie kann man auf die Idee kommen, in Krapfen NICHT Erdbeermarmelade zu füllen?! Das ist nicht schön, da muss ich weinen! Aber irgendwie ist es auch interessant: Sogar an den Krapfen erkennt man, ich welcher Region man lebt.

Hiffenmark heißt auf schwäbisch übrigens "Hägenmark" (sagt Wikipedia). Habe ich aber auch noch nie gehört. Abgesehen von "Ein Männlein steht im Walde" gab's in meiner Umgebung keine Hagebutten. Oder ging's in diesem Lied um einen Fliegenpilz? Ist ja auch egal. Jedenfalls hat bei uns niemand Marmelade aus Hagebutten gemacht. Und nachdem ich diesen Krapfen probiert habe, muss ich sagen: Das ist auch gut so! Der schmeckte, gelinde gesagt, fürchterlich! (Ich hätte Ihnen ja gerne ein Bild gezeigt, würden Sie dann nicht wieder über meine Frisur lästern.) Aber regen Sie sich nicht auf, bei mir daheim würde man sagen: "Was der Gaul ned kennd, frisst er ned" - und gut wäre es.

Zu Marmelade im Generellen sagen die Schwaben ja "Gsälz". Das wusste ich aber lange nicht, weil meine Familie nämlich gar nicht aus Schwaben kommt, sondern aus Böhmen. Ich war also immer sehr zurückhaltend, wenn die Mutter meiner besten Freundin mir ein Gsälz-Brod andrehen wollte. Leider wollte sie mir ständig ein Gsälz-Brod andrehen, und zwar meistens ein Bredschlingsgsälz-Brod. Was das heißt, habe ich erst herausgefunden, als ich mal all meinen Mut zusammengenommen und ein Ebbieragsälz-Brod gefordert habe (da wusste ich schon, dass "Gsälz" Marmelade heißt). Ich lernte also: Ebbiera sind keine Erdbeeren, sondern Kartoffeln. Dafür heißen Erdbeeren Breschdling. Vielleicht überzeugt mich Hiffenmark ja doch noch, das hört sich nicht ganz so dämlich an!

Am 21. Februar ist übrigens der Internationale Tag der Muttersprache. Als wir es vor kurzem in der Redaktion davon hatten, sagte eine Kollegin, ihr fränkisches Lieblings(schimpf)wort sei "Oasch". Ich schließe mich an, das ist großartig! Mein schwäbisches Lieblings(schimpf)wort ist "Halbdaggl" - für jemanden, der es nicht mal zu einem ganzen Dackel geschafft hat.

Aber hier geht's ja nicht um Schwaben, sondern um Franken und ich habe gedacht, um mal ein bisschen mein Fränkisch zu trainieren, machen wir Folgendes: Sie schicken mir bis nächsten Mittwoch ihr fränkisches Lieblingswort an leserreporter@infranken.de und ich schreibe Ihnen mit allen gesammelten Worten zum Internationalen Tag der Muttersprache eine nette fränkische Geschichte. Sie dürfen sogar abstimmen, ob es ein Krimi oder eine Liebesgeschichte werden soll. Das Genre mit den meisten Stimmen gewinnt. Ich bitte um Vorschläge!

P.S.: Von mir aus nehme ich auch fränkische Schimpfwörter. Aber nur, solange vor dem Schimpfwort nicht "schwäbisch" steht - nur, dass Sie's wissen!

P.P.S.: Nächste Woche lesen Sie hier: Rosi - die ganze Geschichte. Die halbe Geschichte finden Sie solange hier.



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Kommentare

 
18  Kommentare  
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Beutebayer - 14.02.2012 23:39    (0)   
 

So isch no au widdr mit selle "aliens",
die subjektive Wahrnehmungen auf recht bescheidener intellektueller Basis als Wahrheiten verkaufen wollen.
Außer wolwei und Shagrath fällt darauf kaum jemand rein...

Shagrath - 14.02.2012 10:26    (0)   
 

Frau Bernhards inneres Lächeln
Man hat es als "Neigschmäggde" schon wirklich nicht leicht unter uns Franken. Aber, Frau Bernhard, seien Sie uns nicht böse. Wir können nichts dafür. Ewig unterdrückt von den bayerischen Regenten. Nicht mal Tennis aus Franken wollen die bei ihrem Haussender übertragen (warum hat TVO das nicht ausgestrahlt?). Da müssen Sie schon verzeihen, dass wir uns ein dickes Fell zugelegt haben und allem Neuen erst einmal/für immer skeptisch gegenübertreten.

Würden sie für ihren Frankenblog den Pulitzer-Preis gewinnen, käme hier trotzdem größtenteils nur Häme und Spott. Wir sind da einfach etwas eingefahren.

Mich beruhigt nur die Gewissheit, dass sicherlich jeder neue hohntriefende Kommentar mit einem Lächeln Ihrerseits quittiert wird. Zumindest kann ich mir dieses nicht verkneifen.

Domreiter - 14.02.2012 07:05    (0)   
 

Kommt Frau Bernhard an?
Ich habe mir heute den Spaß gegönnt und diesen kleinen Ausflug redaktioneller Freiheit zu gönnen. Und auch wenn nicht alles im Leben Sinn machen muss, so frage ich mich doch, was das soll. Bzw. reiche ich die Frage weiter, ob und wie Frau Bernhard bei "der Zielgruppe" ankommt. Die meisten Franken sind ohnehin (und Gott sei Dank) sehr patriotisch und vor allem NICHT dumm. Ich denke, wir alle wissen, was Hiffenmark ist und wo es vorkommt. Und für alle, die es nicht wissen und wenn man/frau wirklich die Absicht hätte Weiterbildung "unters gemeine Volk" zu bringen hätte es dieser Link auch getan: http://de.wikipedia.org/wiki/Hiffenmark
Beste Grüße DR - bekennender und wissender (gschaider) Franke

Dr_Pflichtfeld - 14.02.2012 09:41    (1)   
 

Lieb's Herrgöttle von Biberach, ...
... hol den Bellhafa schnell wieder hoim! Oder schick ihr zwoi Kindermädle, oine aus Schwoba ond oine aus Böhma, die wo ihr Maultascha ond Buchteln kochet, damit se z'fieda isch. Ond die wo uffpasset, dess se sich von jeder Taschtatur fernhalt' ... Nacher hent mir unser Ruh. Ond sie au' ...

Auweia - 14.02.2012 20:46    (0)   
 

Über diesen Beitrag
habe ich mich köstlich amüsiert(...und die von Ihnen verwendete nicht-fränkische Mundart(!) war gewissermaßen das Sahnehäubchen!) grinsen

wolwei - 14.02.2012 09:31    (0)   
 

Ach Domreiter
Sarah Bernhard kommt bestimmt besser an, als ihre bescheidenen Kommentare hier.
Sie ist Volontärin und da darf, soll und muss man manches ausprobieren und es gibt manche, denen es nicht gefällt, wie ihnen z. B. und manchen, denen es gefällt, wie mir z. B. Ich finde es gut, was und wie sie schreibt.
Und ich als "Zugereister" hier in Franken, kann Frau Bernhard sehr gut verstehen und freue mich auf neue Beiträge. Also bitte weitermachen, Frau Bernhard.
Auch ich habe in meiner Anfangszeit hier in Franken überlegt, was Hiffenmark überhaupt ist und habe diese Krapfen, die sonst überall in Deutschland als Berliner verkauft werden nur mit diversen anderen Füllungen gekauft und verzehrt, bis ich dann wusste, was Hiffenmark ist.

Normalo - 14.02.2012 22:48    (0)   
 

Volunteer - Voluntär - Volontariat
Volontär heisst doch ursprünglich Freiwilliger.

Sie schreibt aber, als wäre sie nach Franken als das Sibirien Deutschlands verbannt.

Auweia - 14.02.2012 11:35    (0)   
 

Wolwei - unser "Rosenkavalier" ???
Ich gehe mal davon aus,lieber "wolwei",dass Ihr "Augenstern" zum heutigen Valentinstag bestimmt einen wunderschönen Strauß Rosen in Empfang nehmen durfte und vielleicht als Zugabe noch ein paar "Berliner" -naja, halt Krapfen ohne dieses fränkische Hiffenmarkszeug .-
Bevor Sie mir nun evtl."Fremdenfeindlichkeit"( grinsenvorwerfen,sollten Sie wissen:"Auweia" ist einer,der Frau Bernhard im Grunde genommen ganz gern ha(r)t .Dies wird in seinen "postings" nur nicht so evident. Sie glauben mir nicht?- Ein Sprichwort gibt mir Recht:
"Was sich 'liebt', das 'neckt' sich." grinsen

Domreiter - 14.02.2012 08:03    (0)   
 

Nachtrag ....
Habe soeben gesehen, dass die Rubrik doch tatsächlich "Verloren in Franken" heißt. Also ist doch Nomen Omen. In diesem Sinne: Amen grinsen

ciao - 14.02.2012 10:13    (0)   
 

@ #7 °Domreiter°: Ah, LATEIN : „Nomen Omen“ und … „Amen“ (hebr....
´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´´

Domreiter - 14.02.2012 12:03    (0)   
 

@ ciao ...mei, was sind wir alle gescheid
.. in diesem Sinne: merci zwinkern

Euch allen einen schönen Valentinstag ... und immer schön locker bleiben. Ist es nicht wundervoll, dass wir alle anders sind.

Wie wäre es denn, wenn sich alle Kommentatoren mal "in echt" treffen? Vorschlag an die Runde ! Ich fänd´s spannend.

Volltreffer - 14.02.2012 14:22    (0)   
 

Uuuuaaaahh
"Wie wäre es denn, wenn sich alle Kommentatoren mal "in echt" treffen?"

Alle???

Das gäbe Mord und Totschlag, fürchte ich zwinkern

Auweia - 14.02.2012 18:15    (0)   
 

Also,ich wäre da wohl eher guter Dinge,
heißt doch ein Sprichwort "Bellende Hunde beißen nicht"
Ausnahmen bestätigen die Regel grinsen

MalmDelta - 11.02.2012 18:31    (0)   
 

Das heißt nicht ...
... Oasch, sondern Oäsch. Aber ein speziell fränkisches Schimpfwort ist das nicht, wenn auch ein schönes.

Auweia - 11.02.2012 13:32    (0)   
 

Ja mei, ihr macht macht mer des Moiderl noch schier krank...
würde der "Eghalander" sich sorgen und weitersinnieren:
's Moiderl(Maderl) will krank sein,
schmiert den Bauch mit /:Branntewein:/,
und den A... mit Pfefferkern -
s'wird scho wieder besser wer'n. grinsen

Normalo - 11.02.2012 13:24    (0)   
 

Sie sähen nicht, sie ernten nicht...
Wer zahlt eigentlich für so ein Gesülze?

Ich ganz, ganz sicher nicht.

operculum - 11.02.2012 13:16    (0)   
 

Krapfen lügen nicht...
Karpfen auch nicht, besonders Grasdaggl-Karpfen nicht, liebe böhmische(?) Schwäbin(?)

Volltreffer - 11.02.2012 12:43    (0)   
 

Bla bla bla
Das einzig Sinnvolle in dem Geschreibsel ist, dass Sie dazu auffordern, Sie mit fränkischen Schimpfworten zu belegen.
Aber den Gefallen tue ich Ihnen hier nicht.

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