Franken-Partei steht kurz vor Gründung
29.10.2009
Ort: Importartikel Von: Klaus Tscharnke, dpa ![]()
Politik Das Parteilogo ist noch in Arbeit, das Parteiprogramm dagegen bereits unter Dach und Fach - mit der "Partei für Franken" wollen sich unzufriedene Franken künftig mehr politisches Gewicht in Bayern verschaffen.
Mit 150 Gründungsmitgliedern rechnet der designierte Landesvorsitzende der künftigen Franken-Partei, Robert Gattenlöhner, aus dem mittelfränkischen Roth. Die künftigen Mitglieder rekrutierten sich aus allen Parteien - er selbst sei bisher Mitglied der SPD gewesen. Aber auch Christsoziale, Liberale und Grüne seien darunter, berichtet Gattenlöhner. Sie alle eine die bittere Erkenntnis, „dass die jetzigen Politiker in München nicht unbedingt fränkische Interessen vertreten“.
Auf der Internetseite findet sich denn auch eine lange Liste angeblicher Benachteiligungen Frankens. So seien gerade mal 22 Prozent der bayerischen Privatisierungserlöse in den nördlichen Teil des Freistaates geflossen, Hightech-Standorte hauptsächlich in Südbayern gefördert worden. Von 20 bayerischen „Hochleistungsinstituten“ gebe es nur drei in Franken. Und dass Nordbayern heute wirtschaftlich schlechter dastehe, liege daran, dass die von Südbayern dominierte Staatsregierung systematisch die Verlegung von Firmensitzen nach Südbayern lanciert habe.
Eines freilich will die Partei nicht, „jedenfalls im Moment noch nicht“, betont Gattenlöhner: Ein Abspaltung von Bayern. Auch versteht sich die Partei keineswegs als folkloristische Veranstaltung. Ebenso wenig will sie ein Sammelbecken für Rechts- oder Linksextreme sein, betont der designierte Landesvorsitzende. Einlasskontrollen beim Gründungsparteitag im Bamberger Klosterbräu sollen daher verhindern, das sich Blut- und Boden-Fanatiker in der Partei einnisten. Auf der Internetseite prangt demonstrativ eine Solidaritätsadresse an die „Allianz gegen Rechtsextremismus“.
An Selbstbewusstsein mangelt es den Initiatoren der jungen Partei jedenfalls nicht. Es sei Zeit, „die fränkischen Interessen zusammenzuführen, zu bündeln und unser Franken auf allen politischen Ebenen kraftvoll zu vertreten“, heißt es auf der Internetseite. Immerhin erwirtschafte Franken ein Drittel des bayerischen Landeshaushalts. Und: Franken sei so groß wie Belgien und habe so viele Einwohner wie Norwegen und Irland.
Erstmals öffentlich aktiv wurde der Vorbereitungskreis für die „Partei für Franken“ im Mai. Beim Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen 1860 München wurden im Franken-Stadion, das jetzt EasyCredit- Stadion heißt, „Rote Karten für Bayern“ verteilt mit dem Text „Pauli ausspioniert, Beckstein demontiert, Seehofer installiert, Hohlmeier rehabilitiert ... und jetzt wird abserviert“. Bei der Landtagswahl 2013 will die neue Partei den Bürgern „eine seriöse fränkische Alternative zur von Lobbyismus, Machtgier, Vetternwirtschaft und Filz durchdrungenen Landespolitik der übrigen Parteien anbieten“.
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