Bob-WM: Die schrägen Typen im deutschen Team

20.02.2012   Ort: Lake Placid  Von: Von Frank Kastner, dpa  

Bob- und Skeletonfahrer müssen schon von Haus aus etwas verrückt sein, wenn sie sich in hauchdünnen Rennanzügen bei Minusgraden teilweise sogar bäuchlings die Eisrinne hinunterstürzen. Auch abseits des Eiskanals lieben sie den Adrenalin-Kick oder suchen das Extreme.

Blitzschnell
Kevin Kuske läuft beim Anschieben auf den ersten Metern schneller als Usain Bolt. Foto: Tobias Hase

Nur wenige Experten wissen, dass Kraftprotz Kevin Kuske auf den ersten 30 Metern schneller ist als der dreimalige Olympiasieger Usain Bolt. Der Superstar aus Jamaika benötigte bei seinem Olympiasieg im 100-Meter-Finale von Peking 3,78 Sekunden, Kuske läuft die 30 Meter in nur 3,69 Sekunden und ist zudem mit 117 Kilogramm auch noch 23 Kilogramm schwerer. «Für den Bobsport sind diese Werte ideal», betonte der WM-Dritte im Zweierbob von Maximilian Arndt.

In Marko Hübenbecker ist in dieser Saison ein neuer Stern in der Anschieber-Szene aufgegangen. Der ehemalige Diskuswerfer und Kugelstoßer aus Neubrandenburg katapultierte den WM-Vierten Francesco Friedrich im kleinen Schlitten sogar zu Start- und Laufbestzeiten. «Das ist mein Job, dafür trainiere ich hart», meinte Hübenbecker, der einen ganz besonderen Rekord hält. Der Hüne schleuderte 2008 in Hoyerswerda ein Handy 83,32 Meter weit und holte sich den Weltrekord nach «finnischer Version», sprich Handys ohne Akku.

Nicht ganz so einen verrückten Ausgleichssport, aber einen mit dem nötigen Adrenalin-Kick betreibt Viererbob-Weltmeister Manuel Machata. Statt vier Kufen wechselt er im Sommer auf vier Räder und geht im ADAC-Cruze-Cup an der Seite von Playmate Doreen Seidel an den Start. «Der sogenannte Popometer - das Gefühl mit dem Hintern zu steuern - ist wichtig im Bobsport, im Sommer kann ich dieses Gefühl wunderbar im Motorsport trainieren», betonte Machata. Der gebürtige Berchtesgadener fährt auch auf Motorräder ab: «Derzeit aber zu gefährlich, da ich immer nur einen Gang kenne.»

Skeletonpilotin Anja Huber kann auf ihr Zweirad nicht verzichten. Von ihrer Olympia-Prämie holte sich die Berchtesgadenerin eine Ducati 848 - die Einstiegsdroge in die Welt der Superbikes. «Das war Liebe auf den ersten Blick», sagte «Speed-Junkie» Huber und betonte: «Alle wissen, dass ich mich auf der Straße nicht auslebe. Abends bei schönem Wetter eine Runde in den Bergen drehen, das ist ein Traum», meinte die Olympia-Dritte von Vancouver.

Ihr Skeleton-Kollege Alexander Kröckel aus Oberhof begann seine Leistungssportkarriere als Skispringer. «Ich bin zweimal relativ hart gestürzt, dann habe ich das Projekt beendet. Weil ich im Sprint ganz gut war, bin ich die Startstrecke auf dem Eis mal lang gerannt und dann kopfüber die Bahn runtergerutscht. Es hatte Spaß gemacht», meinte der Junioren-Weltmeister. «Beim ersten richtigen Lauf hatte ich voll Schiss, mittlerweile gehört die schwierige Piste in Whistler aber sogar zu meinen Lieblingsbahnen»,

Etwas ruhiger lässt es die WM-Zweite Petra Lammert angehen. Die neue Anschieberin von Bobpilotin Sandra Kiriasis spielt in ihrer Freizeit Cello. «Ich bin halt eine Frau der Extreme. Man muss schon ein wenig verrückt sein, wenn man sich mit über 100 Stundenkilometer in die Eisrinne stürzt. Da ist das doch ein schöner Ausgleich», sagte die Psychologie-Studentin aus Potsdam.



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