Meisterliche Machtdemonstration

12.02.2012   Ort: Ulm  Von: Klaus Groh  Fränkischer Tag

Basketball-Bundesliga Die Bamberger setzten sich im Topspiel beim Tabellenzweiten deutlich mit 102:74 durch und untermauern die Spitzenposition.


Casey Jacobsen (mit Ball), der hier von Keaton Nankivil verteidigt wird, hatte einen Traumtag erwischt. Bei seinen sieben Würfen aus dem Feld traf er zu 100 Prozent - darunter fünf Dreier. Fotos: Hans-Martin Issler

Die Brose Baskets erteilten den zu Hause noch ungeschlagenen Ulmern eine Lektion und schossen den Tabellenzweiten regelrecht aus der nagelneuen Ratiopharm-Arena. Vor dem Schlagerspiel des 21. Spieltages hatte der Hallensprecher noch vollmundig angekündigt, dass das Überraschungsteam wild entschlossen ist, den Spitzenreiter aus Bamberg vom Thron zu stoßen. Knapp zwei Stunden später feierten die gut 100 Fans aus Freak City ihr Team und den 102:74-Paukenschlag - mit dem die Brose Baskets eindrucksvoll klar machten, wer die Nummer eins in Deutschland ist. Das war eine bittere Pille für den Zweiten, der auf den verletzten Power Forward Dane Watts verzichten musste. Aber vielleicht hat ja der Hauptsponsor Ratiopharm das richtige Medikament, den Kater zu lindern.

Der Ball lief richtig gut


Die Bamberger beeindruckten auf der einen Seite mit einer knallharten Verteidigung, die den Gastgebern kaum einmal einen freien Wurf gestattete, und auf der anderen Seite mit Team-Basketball vom Feinsten: 22 Assists unterstreichen, dass der Ball hervorragend lief und immer der freie Mitspieler gefunden wurde. Herausragende 18 Dreier versenkten die Gäste, wobei vor allem Brian Roberts (6) und Casey Jacobsen (5) glänzten und sich keinen Fehlwurf aus der Distanz leisteten. Die Trefferquote von jenseits der 6,75-Meter-Linie des zweimaligen Double-Gewinners betrug insgesamt 67 Prozent.
Die Ulmer hatten es dem Scharfschützen Isaiah Swann (27 Punkte/6 Dreier) zu verdanken, dass sie unter dem Jubel ihrer 5900 Fans immer wieder verkürzen konnten. Doch die Euroleague-erfahrenen Brose Baskets hatten auf die Zwischenspurts des Herausforderers immer die passende Antwort.
"So ein klarer Sieg war nicht vorauszusehen. Wir haben aber auf die Artland-Partie und das Spitzenspiel hier in Ulm schon seit zwei, drei Wochen hingearbeitet. Wir waren alle heiß, auch ich. Das hat einfach Spaß gemacht", strahlte Casey Jacobsen, der bei einer 100-prozentigen Trefferquote 21 Punkte erzielte und zum besten Spieler der Partie gekürt wurde. Dem Ex-NBA-Profi in nichts nach stand Brian Roberts, der es auf 20 Zähler brachte. "Es wurde ein großer Hype um dieses Spiel gemacht. Wir hatten einen Chip in der Schulter, wollten beweisen, dass wir zu Recht die Nummer eins sind. Heute haben wir ein Zeichen gesetzt", freute sich der Ausnahmeschütze.
Mit diesem eindrucksvollen Erfolg im Spitzenspiel schüttelten die Bamberger ihren schärfsten Konkurrenten ab und sind auf dem besten Weg, erneut als Hauptrunden-Erster in die Play-offs zu starten. Das sieht auch Manager Wolfgang Heyder so: "Mit diesem Sieg sind wir ganz weit, den ersten Platz zu bekommen. Jetzt wird es schwer sein, uns von der Spitzenposition zu verdrängen. Das ist einfach eine gute Truppe, die miteinander spielen will. Dadurch funktioniert auch vieles."
Trainer Chris Fleming schrieb vor allem den in Bamberg lange etablierten Akteuren den Erfolg zu: "Jacobsen, Suput, Gavel und Roberts haben die Wichtigkeit des Spiels richtig eingeschätzt, das hat den Unterschied ausgemacht. Ich war heute sehr zufrieden. Das ist Anfang Februar aber nur eine Momentaufnahme. Wir müssen uns weiter verbessern, denn die anderen Teams werden sich auch noch steigern."
Allerdings hat die Mannschaft in dieser Woche erneut bewiesen, dass sie dann, wenn es darauf ankommt, ihren besten Basketball spielt. "Wir mögen diese Spiele. Auch in der Vorrunde in Bonn gab es die Partie Erster gegen Zweiten. Heute haben wir erneut ein Signal gesetzt", betonte Bambergs Anführer Anton Gavel. Nach den letzten Kraftakten darf sich das Team jetzt etwas ausruhen, denn die für Mittwoch geplante Partie gegen Trier wurde auf den 29. Februar verlegt. Im Einsatz ist der Spitzenreiter erst wieder nächsten Samstag beim Schlusslicht in Göttingen.

Die Statistik


ratiopharm Ulm - Brose Baskets 74:102
(16:21, 23:25, 18:26, 17:30)
Ulm Swann (27 Punkte/6 Dreier), Trice (12), Bryant (12/9 Rebounds), Nankivil (10/1), Mason-Griffin (4), Günther (4), Betz (3/1), Esterkamp (2), Wenzl
Bamberg Jacobsen (21 Punkte/5 Dreier/6 Rebounds), Roberts (20/6/7 Assists), Slaughter (18/8 Rebounds), Suput (13/3), Gavel (12/2/5 Assists), Tucker (8), Pleiß (7/1/8 Rebounds), Tadda (3/1), Stuckey
SR Lottermoser, Schmidt, Groll
Zuschauer 6000 ausverkauft
Gesamtwurfquote Ulm 37 Prozent (25 Treffer/68 Versuche), Bamberg 57 (38/67)
Dreierquote Ulm 31 Prozent (8/26), Bamberg 67 (18/27)
Freiwurfquote Ulm 94 Prozent (16/17), Bamberg 89 (8/9)
Rebounds Ulm 33 (24 defensiv/9 offensiv), Bamberg 34 (29/5)
Ballgewinne/-verluste Ulm 4/11, Bamberg 4/9
Assists Ulm 12 / Bamberg 22
Fouls Ulm 17 / Bamberg 20



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Kommentare

 
1  Kommentare  
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Companion - 12.02.2012 09:12    (0)   
 

Galavorstellung...
..es war einfach nur schöööön, dieses Spiel zu sehen!
Die Scharfschützen von jenseits der Dreierlinie hatten ihr Visier hervorragend eingestellt, am Brett holten Slaugther und Pleiß die Abpraller und in der gegenerischen Zone wurden die Mitspieler gesucht und klasse angepasst.. Da fielen die fast schon im Überschwang einer spielerischen Glanzvorstellung geleisteten Ballverluste gar nicht groß auf.
Es war ein Spiel wie ein Menü in einem Viersternerestaurant - einfach zum Zungeschnalzen.. An solch ein Menü möchte man sich bis zum Saisonende - und es dann heißt: Triple erreicht, gewöhnen..

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