"Ich setze mich nicht unter Druck"

28.08.2010   Von: Peter Seidel  inFranken.de

Basketball-Interview Tibor Pleiß, Center der Brose Baskets Bamberg, freut sich auf seine erste Weltmeisterschaft.


Tibor Pleiß beim Freiwurf im Supercup-Spiel gegen die Türkei in Bamberg. Foto: David Ebener/dpa
Bei der Europameisterschaft in Polen im vergangenen Jahr trug Tibor Pleiß erstmals das Trikot der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. In drei Spielen stand das Center-Talent damals aber insgesamt nur vier Minuten auf dem Feld. Bei der WM in der Türkei wird der 20-Jährige wesentlich mehr Einsatzzeit bekommen. Nachfolgend ein Interview mit dem Bamberger Center, der mit den Brose Baskets heuer deutscher Meister und Pokalsieger geworden ist.

Bei der EM in Polen waren Sie nur Ergänzungsspieler, bei der WM stehen Sie jetzt in der ersten Fünf. Fühlen Sie mehr Druck auf Ihren Schultern als vor einem Jahr?
Tibor Pleiß: Das ist jetzt für mich das erste Turnier, bei dem ich eine wichtige Rolle im Team spiele. Daher wird das richtig abenteuerlich werden. Ich habe im letzten Jahr viel gelernt, gerade im Eurocup, in dem ich mich an das europäische Niveau gewöhnen konnte. Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich bin ein junger Spieler und darf noch Fehler machen. Ich freue mich einfach auf das Turnier und setze mich selbst nicht unter Druck.

Gibt es in der Vorrunde einen Gegner, auf den Sie sich besonders freuen?
Eigentlich nicht. Ich kenne bei unseren Gegnern nur die Spieler, gegen die ich schon einmal gespielt habe. Von den großen Stars wie Luis Scola (NBA-Spieler des ersten Vorrundengegners Argentinien, Anm. d. Red.) habe ich natürlich gehört, aber ich kann das nicht richtig zuordnen. Ich lasse das alles locker auf mich zukommen und werde in jedem Spiel mein Bestes geben. Für mich ist nicht wichtig, gegen wen ich spiele, sondern dass ich immer 100 Prozent gebe.

Wie wollen Sie als junger Spieler die mangelnde Erfahrung wettmachen?
Durch die Spielfreude. Wir haben so viele junge, talentierte Spieler in unserem Team, die aber noch nicht lange bei der Nationalmannschaft dabei sind. Daher ist bei allen die Motivation natürlich riesig. Man versucht einfach immer, alles zu geben und sich zu präsentieren. Das macht so viel Spaß, das kann man gar nicht beschreiben. Und es ist eine Ehre, für dieses Land zu spielen.

Was muss passieren, damit Sie nach der WM sagen können: Das war für uns und für mich ein gutes Turnier?
Das wird auf jeden Fall ein gutes Turnier, egal wie es läuft. Vor allem wir junge Spieler werden so viel dazu lernen, das ist extrem wichtig für die Zukunft, denn wir werden ja noch einige Jahre zusammenspielen. Viele in unserem Team sind 20, 21, 22 Jahre alt, mit den meisten habe ich schon in den Jugend-Auswahlmannschaften zusammen gespielt. Wir kennen uns gut, wissen, wie der andere spielt, und wir hoffen, dass das Zusammenspiel in der Zukunft noch besser wird. Wir haben uns jetzt schon in der WM-Vorbereitung von Spiel zu Spiel gesteigert, und es ist einfach klasse, in diesem Team zu spielen. Unser großes Ziel bei der WM ist das Achtelfinale. Ich hoffe, dass wir das erreichen, und dann muss man sehen, wie es weitergeht.

Bundestrainer Dirk Bauermann ist der Ansicht, dass diese Nationalmannschaft ihren Leistungshöhepunkt erst 2016 oder 2018 erreichen wird. Stimmen Sie dem zu?
Das weiß ich nicht. Es kann auch sein, dass es schneller geht. Aber Dirk ist in diesem Geschäft schon viele Jahre dabei, ich erst das zweite. Das kann er sicherlich besser einschätzen. Wir haben aber jetzt schon ein starkes Team. Wir haben Russland und die Türkei geschlagen, Puerto Rico gleich zweimal - und das mit einer ganz jungen Mannschaft. Damit kann man zufrieden sein.

Wie weit ist Bamberg gegenwärtig von Ihnen entfernt - nicht räumlich gesehen, sondern geistig?
Ich muss sagen, dass ich mich schon richtig auf die neue Saison in Bamberg freue. Es macht soviel Spaß, auf diesem Niveau zu spielen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es den Brose Baskets gelingen wird, alle Leistungsträger zu halten, weil ja viele Verträge ausgelaufen sind. Gewünscht habe ich es mir aber schon. Wann ich bei den Brose Baskets ins Training einsteigen werde, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich nach der Weltmeisterschaft noch ein paar Erholungstage einlegen, weil ich auch in diesem Jahr wieder keine Sommerpause hatte. Meine letzten Ferien liegen, glaube ich, fünf Jahre zurück."


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