"Ich bin in Bonn, um Meister zu werden"

05.05.2010   Von: Klaus Groh  inFranken.de

Basketball-Bundesliga Nach sieben Jahren in Bamberg wird Chris Ensminger mit den Telekom Baskets alles versuchen, die Brose Baskets im Play-off-Viertelfinale aus dem Rennen zu werfen. Einen absoluten Favoriten auf den Titel sieht er nicht.


Chris Ensminger feierte in dieser Saison schon einen Sieg mit den Telekom Baskets Bonn in der Jako-Arena. Foto: sportpress
Sieben Jahre trug Chris Ensminger das Bamberger Trikot, zwei Meisterschaften feierte "Mr. Rebound" in Freak City - doch jetzt steht er auf der anderen Seite und will den Telekom Baskets Bonn helfen, nach fünf Vizemeisterschaften endlich einen Titel zu gewinnen. Der 35-Jährige erlebt in dieser Saison seinen dritten Frühling, wurde beim Allstar-Day zum wertvollsten Spieler gewählt und ist nach der Hauptrunde hinter Jeff Gibbs (Bremerhaven) der zweiteffektivste Spieler der BBL. Vor dem Play-off-Start am Samstag (20 Uhr) in Bonn stellte sich der 2,09-Meter-Riese den Fragen unserer Zeitung.

Wie sehen Sie das Duell gegen ihren Ex-Klub?
Chris Ensminger: Ich denke, das wird eine interessante Serie, die mindestens vier, wenn nicht fünf Spiele dauern wird. Bamberg in Bonn, das hat historischen Charakter - nicht nur bei den Fans.

Sind Sie gegen Bamberg besonders motiviert?
Ich habe sieben Jahre in Bamberg gespielt. Da ist das schon etwas Besonderes, dort zu spielen, vor den ganzen Fans. Jetzt hat für mich hier in Bonn aber eine neue Ära begonnen. Uns gefällt es sehr gut hier. Das ist ein tolles Umfeld. Ich werde mich auf die Serie gegen Bamberg genauso vorbereiten, wie auf jedes andere Spiel in der regulären Saison oder in den Play-offs.

Was spricht für Bonn, wo könnte Bamberg Vorteile besitzen?
Wir müssen unseren besten Basketball spielen. Wir haben die ganze Saison schon sehr ordentlich gespielt. Aber in den Play-offs sind die Partien vor allem in der Verteidigung noch einmal heißer. Jeder kennt die Systeme des anderen und das Personal genau. Oft gehen die Ergebnisse nicht über 60, höchstens 70 Punkte hinaus. Du spielst vielleicht fünf Spiele in zehn Tagen und bereitest dich viel intensiver vor als in der normalen Saison. Bamberg kennt uns, wir kennen sie. Wer defensiv und offensiv die besseren Entscheidungen trifft, wird die Serie gewinnen. Auf jeden Fall werden wir versuchen, den Heimvorteil, für den wir die ganze Saison gekämpft haben, zu verteidigen. Aber in einer best-of-five-Serie kann alles passieren.

Gibt es Positionen, wo eine Mannschaft besonders gefährlich ist?
Dem Team, dem es gelingt, zum richtigen Zeitpunkt seine beste Leistung abzurufen, das wird weiterkommen. Ich sehe keine Position, wo wir einen Vor- oder Nachteil gegenüber den Bambergern hätten. Beide Mannschaften sind sehr gut besetzt.

Ist es ein Handicap für Bonn, dass Bryce Taylor und Patrick Flomo verletzt ausfallen?
Beim knappen Sieg gegen Oldenburg zuletzt war das kein Problem. Jeder in der Mannschaft hat sich noch einmal gesteigert und hat versucht, die Ausfälle zu kompensieren. Taylor ist einer der besten Werfer im Team, Flomo ist ein sehr guter Verteidiger. Das ist natürlich hart, wenn du so kurz vor den Play-offs ausfällst, aber jetzt müssen die anderen das eben auffangen. Gegen Oldenburg ist uns das gelungen, und ich hoffe, es gelingt uns auch gegen Bamberg.

Dafür steht Vincent Yarbrough wieder zur Verfügung.
Ja, Vince ist nach sechsmonatiger Verletzungspause zurück. Er braucht zwar noch Zeit, aber er ist ein Teamplayer und wird alles geben, damit die Mannschaft gewinnt. Er kann vom Aufbauspieler bis zum Power Forward alle Positionen verteidigen. Ich bin sicher, dass er schnell seine Form wiederfindet. Er hat auch in Bamberg schon eine Meisterschaft gewonnen.

Bonn ist im letzten Jahr im Finale an Oldenburg gescheitert, hat fünf zweite Plätze gesammelt. Kann die Mannschaft endlich die erste Meisterschaft feiern?
Ich hoffe doch. Das ist der Grund, warum ich hierher gekommen bin. Ich werde versuchen, dem Team zu helfen, eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber das ist ein weiter Weg. Es gibt kein absolut dominierendes Team in der Liga. Jede Mannschaft hat ihren eigenen Stil. Es wird sicher interessant, wer sich diesmal durchsetzt. Göttingen hat den Europapokal gewonnen, Oldenburg ist der Titelverteidiger, Berlin ist immer sehr stark, Bamberg hat sich den Cup geholt, das sind alles starke Teams. Aber ich hoffe, wir behalten am Ende die Oberhand.

Wie geht die Serie aus?
Es ist egal, ob 3:0, 3:1 oder 3:2, jeder wird versuchen, drei Spiele zu gewinnen - und ich hoffe, dass wir das sind.



Chris Ensminger


Geboren 8. Dezember 1973 in Cincinnati/US-Bundesstaat Ohio

Stationen 1994 - 1996 Valparaiso University
1996 - 1997 Tours (Frankreich)
1997 - 1998 FC Porto (Portugal)
1998 - 1999 North Harbour Kings (Neuseeland)
1999 - 2001 Mitteldeutscher BC
2001 - 2008 Brose Baskets
2008-2009 Paderborn Baskets
seit 2009 Telekom Baskets Bonn

Erfolge 2x deutscher Meister mit Bamberg, 7x Allstar in der BBL, 5x bester Rebounder in der BBL, je 1x bester Rebounder im Uleb-Cup bzw. im Fiba-Eurocup


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