Freak City spielt nach dem Double verrückt

18.06.2010   Von: Klaus Groh  inFranken.de

Basketball Ministerpräsident Horst Seehofer ist stolz auf die Franken. In der Frankenhölle spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Der Bamberger Karsten Tadda meint, die fantastischen Zuschauer "haben uns zum Siegen gezwungen." In der Stadt gingen die Feiern gestern noch weiter.


Mit Siegerzigarre und Goldmedaillen um den Hals stellte sich die Mannschaft den Fotografen in der Frankenhölle. Fotos: sportpress
Freak City im Ausnahmezustand - Bamberg feierte die dritte Meisterschaft und das Double nach dem hauchdünnen 72:70-Erfolg in Spiel fünf der Finalserie gegen eine aufopferungsvoll kämpfende Frankfurter Mannschaft ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden. "Ganz Bayern feiert mit Bamberg diese Meisterschaft. Ich bin stolz auf euch Franken", rief Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der in der Frankenhölle mitfieberte und -feierte, den Freaks zu. Der Landesvater kündigte zugleich an, dass er aufgrund dieser herausragenden Leistung den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten beim Bayerischen Sportpreis 2010 am 17. Juli im Rahmen einer großen TV-Gala den Spitzenbasketballern aus Oberfranken verleihen will.

Mit der Schlusssirene lagen sich die Bamberger Spieler in den Armen, die Begeisterung bei den Fans war grenzenlos, als Kapitän Casey Jacobsen das Meisterschild in die Höhe stemmte. "We are the Champions", "Humba, humba, täterä", "Hey, was geht ab, wir feiern die ganze Nacht" - die einschlägigen Feierlieder erfüllten die Frankenhölle. Von der Decke regnete es goldenes Konfetti, das nach den Bier- und Sektduschen überall klebte.

"Die Jungs haben auch heute hervorragend gekämpft. Nach Spiel vier haben sie die Köpfe nicht hängen lassen und kamen zurück. Wir haben das ganze Spiel über geführt und am Ende verdient gewonnen", freute sich Trainer Chris Fleming, fühlte sich zugleich aber leer und müde. Auch Peja Suput, der zu Beginn und am Ende wichtige Punkte erzielte, war mit den Kräften am Ende: "Dieses Double ist unglaublich. Ich bin tot, aber zufrieden. Im Finale habe ich nicht so gut gespielt, wie ich kann. Aber die anderen, John, Anton, Casey, Brian, einfach alle, zeigten unglaubliche Leistungen."

"Das ist ein Hammergefühl. Wir haben das Double geholt. Die Freaks sind außer Rand und Band, sie haben uns die ganze Zeit gepusht. Dafür müssen wir ihnen einen riesigen Dank aussprechen. Das ist die beste Kulisse in Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa", bedankte sich Spielmacher Anton Gavel, der kurz vor Schluss einen wichtigen Dreier versenkt hatte, für die Unterstützung der Fans.

Karsten Tadda nahm die Zigarre aus dem Mund, musste erst einmal husten, ehe er seine Freude zum Ausdruck bringen konnte: "Das ist ein riesiges Gefühl. Die Stimmung in der Halle ist einfach unfassbar. Die Fans haben uns richtig zum Siegen gezwungen. In einem fünften Spiel hier zu Hause die Meisterschaft zu holen, ist einfach etwas Besonderes. Ich bin natürlich stolz, als Bamberger meinen Teil dazu beigetragen zu haben, die Meisterschaft hierher zu holen."


"Haben immer an uns geglaubt"


Kapitän Casey Jacobsen, der zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt worden war, strahlte über das ganze Gesicht: "Wir haben die ganze Saison so hart gearbeitet. Es gab so viele Trainingseinheiten. Jetzt können wir das genießen, was wir in zehn Monaten gelernt haben. In der Anfangsphase der Saison haben uns viele das nicht zugetraut, doch wir haben immer an uns geglaubt."

Im Anschluss an die Feierlichkeiten in der Halle ging's mit dem "Meister-Shuttle" der Stadtwerke zum Maxplatz, wo Tausende von Fans auf "ihre Jungs" warteten. Gestern standen ein Empfang bei OB Andreas Starke und eine zweite Feier auf dem Rathausplatz an.



Stimmen


Gordon Herbert (Coach der Skyliners): "Gratulation an die Bamberger, sie haben heute eine großartige Leistung gezeigt. Wir konnten uns zweimal zurückkämpfen, aber zweimal war es nicht gut genug. Ich bin stolz, wie meine Jungs sich präsentiert haben, aber auch ein wenig enttäuscht. Warum schickt man zum entscheidenden Finale nicht die besten drei Schiedsrichter? Die Schauspielerei von John Goldsberry, der ein großartiger Spieler ist, haben wir die ganze Serie über moniert, aber Moritz Reiter ist wie schon im zweiten Spiel darauf hereingefallen. Ich möchte betonen, dass diese Aussage unabhängig vom Spielausgang ist, ich will nicht als schlechter Verlierer dastehen."

Wolfgang Heyder (Baskets-Manager): "Ich bin schon unglaublich glücklich. Auch aus der Sicht heraus, dass es nach der Meisterschaft 2007 unglaublich schwer war, ein Programm auf dem Niveau zu halten. Mein Dank gilt der kompletten sportlichen Leitung, dem Trainerstab, die immer den Kopf oben hatten, hart gearbeitet haben. Vor allem dann, als die harte Kritik kam, standen sie zusammen und haben das Ding gedreht. Das ist ein Märchen."

Arne Woltmann (Bamberger Co-Trainer): "Das ist der Oberwahnsinn. So ein Spiel in Freak City zu gewinnen, das ist nicht vergleichbar mit einem Sweep oder sonst etwas. Die Fans hier zu Hause sind komplett aus dem Häuschen, einfach bombastisch."

Volker Stix (Bamberger Co-Trainer): "Genau für diese Momente lebt man als Leistungssportler. Man lebt nicht dafür im Dezember nach Hagen zu fahren, sondern dafür im Juni hier in eigener Halle die Meisterschaft zu gewinnen."

Mark Worthington (Bambergs Power Forward): "Ich bin der glücklichste Mensch auf der Welt. Ich bin erst ein paar Monate hier und habe zwei Titel gewonnen. Das ist einfach unglaublich. Ich danke ganz Bamberg."

Brian Roberts (Bambergs Aufbauspieler): "Die Atmosphäre ist einfach unbeschreiblich. Ich bin so glücklich. Es gab viele Höhen und Tiefen in dieser Saison, aber wir haben jetzt zwei Titel gewonnen, weil jeder in der Mannschaft immer sein Bestes versucht hat."

John Goldsberry (Bamberger Spielmacher): "Ich fühle mich großartig und freue mich für die ganze Mannschaft. Ich war natürlich sehr motiviert, das war das letzte, entscheidende Spiel der Saison, da versucht man natürlich alles."
Elton Brown (Bamberger Center): "Wir haben Bamberger Geschichte geschrieben, den Pokal und die Meisterschaft in einem Jahr geholt. Alle Leute, die an uns gezweifelt haben, seht her, hier sind die Trophäen."

Beckham Wyrick (Bambergs Flügelspieler): "Das ist einfach ein gutes Gefühl nach so harter Arbeit über ein ganzes Jahr am Ende belohnt zu werden. Die Meisterschaft war das Ziel - und wir haben es endlich erreicht. Es war frustrierend in Frankfurt zu verlieren, doch es ist einfach schöner hier in der Frankenhölle mit unseren Fans zu feiern."

Tibor Pleiß (Bambergs Center): "Es ist einfach unbeschreiblich. Ich habe drei Titel dieses Jahr geholt. Wir haben uns als Team unglaublich gesteigert. Das war genau die richtige Entscheidung, dass ich hierher nach Bamberg gekommen bin. Das Publikum ist einfach unglaublich. Die Stimmung ist so krass, das kann man gar nicht in Worte fassen."

Volkmar Zapf (Bambergs Athletiktrainer): "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist jedes Mal wieder schön. Vor allem nach einer so knappen und von unserer Seite fast dummen Geschichte, mit einem perfekten Happy-End, mit aller Dramaturgie - besser geht es eigentlich nicht. Ich war bei allen fünf Titeln dabei, aber - ganz ehrlich - als Spieler ist es doch noch ein bisschen schöner als als Trainer. Solche Situationen hat man nur ganz, ganz wenige im Leben. Dafür bin ich sehr dankbar."

Herbert Lauer (Präsident der Brose Baskets): " Das Gefühl ist fantastisch. Ich bin begeistert und auch erleichtert, dass wir es letztlich doch geschafft haben. Ich denke, es war verdient, weil wir über die ganzen Play-offs die beste Mannschaft waren. Mehr kann man sich gar nicht wünschen, Pokalsieg, deutsche Meisterschaft, Euroleague.

Matthias Drewniok (Geschäftsführer von Brose Hallstadt): "Wir sind einfach überwältigt von dem Sieg, auch wie er zu Stande gekommen ist. Das fünfte Spiel mit zwei Punkten zu gewinnen, das ist nicht mehr zu toppen. Es war aber auch beeindruckend, wie unser Mannschaft den Sieg festgehalten hat. Wir sind unglaublich stolz, dass eine Mannschaft, die unseren Namen trägt, mit dieser unglaublichen Leistung das Double geholt hat.




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