Bamberg glänzt in rassigem Derby gegen Bayern
08.01.2012
Ort: Bamberg Von: Klaus Groh und Peter Seidel ![]()
Basketball-Bundesliga Die Brose Baskets drehen im zweiten Viertel auf und feiern einen ungefährdeten 89:77-Sieg gegen den FC Bayern.
"Es war klar, wenn wir als FC Bayern zum deutschen Meister kommen, dass da die Hütte brennt. Das tut der Liga tut, das war eine tolle Werbung für den Basketball. Ich fand, es war eine sensationell gute Stimmung, und vor allem war es eine unglaublich faire Stimmung. Insofern war's schön wieder hier zu sein, das waren sieben tolle Jahre. Weniger schön war die Tatsache, dass wir nicht gewonnen haben", freute sich Bayern-Coach Bauermann über die gute Leistung seiner Mannschaft, auch wenn im achten BBL-Auswärtsspiel am Ende die siebte Niederlage zu Buche stand.
Steffen Hamann Bayerns Bester
Ein weiterer Rückkehrer wollte diese mit aller Gewalt verhindern. Steffen Hamann, der Bamberger im Bayern-Dress, spielte an alter Wirkungsstätte groß auf, war mit 18 Punkten und 8 Assists der überragende Akteur der Münchner. "Ich weiß ja, wie es ist, in dieser Halle zu spielen, und heute hat Bamberg alles gezeigt, was sie haben. Die vier, fünf Minuten im zweiten Viertel, in denen wir nicht scoren konnten, haben uns weh getan. Bamberg hatte einen Lauf, wir konnten das Blatt nicht mehr wenden", analysierte der Spielmacher die Partie.
Bauermanns Plan, die Bamberger im Stil von Zalgiris Kaunas zu bezwingen, ging im ersten Viertel auf. Erst traf mit Demond Greene ein weiterer Ex-Bamberger zwei Dreier, dann ließ Routinier Aleksandar Nadjfeji die Hausherren einige Male schlecht aussehen (8:16). Zu Beginn des zweiten Viertels machte dann allerdings Marcus Slaughter mit einem wuchtigen Dunking deutlich, dass Bamberg auch das 41. Heimspiel in Folge unbedingt gewinnen wollte. Mit einem Drei-Punkte-Spiel glich Tibor Pleiß aus und Bambergs Bester an diesem Tag, Anton Gavel, sorgte per Dreier für die 32:29-Führung.
Dem ungemein aktiven P.J. Tucker war es dann vorbehalten, den 19:2-Lauf zum 45:31 abzuschließen. Freak City machte seinem Namen alle Ehre, die Brose Baskets diktierten jetzt eindeutig das Geschehen und gestatteten den Gästen im zweiten Abschnitt nur neun Punkte.
"Als wir im zweiten Viertel besser verteidigt haben, hatten wir die Möglichkeit ein bisschen schneller zu spielen. Das war der Unterschied. Tucker, Gavel und Jacobsen haben bei uns den Ton angegeben", freute sich Bambergs Erfolgstrainer Chris Fleming über die gute Leistung seiner Mannschaft.
Nach der Pause (47:34) versuchten die Münchner in Person von Hamann und und den Centern Jared Homan und Chevon Troutman zwar, das Blatt zu wenden - aber vergeblich. Dreimal kam der Aufsteiger auf acht Punkte ran (53:61/29. Minute; 63:71/34.; 75:83/39.), doch die Hausherren hatten immer die richtige Antwort parat und sicherten sich so einen ungefährdeten und verdienten Sieg.
Nach den Strapazen der letzten Wochen und Monate kann der Spitzenreiter nun erst einmal ein wenig durchschnaufen, denn in den nächsten drei Wochen stehen lediglich zwei Spiele in Ludwigsburg am nächsten Samstag und eine nach dem Allstar-Day (21. Januar) in Braunschweig auf dem Programm.
Der "Stern des Südens" geht nicht auf
27 der 277 Mitglieder des FC-Bayern-Fanclubs "Seßlach 91" gingen am Samstag fremd. Der Bus brachte die Fußball-Fans aus dem Coburger Land diesmal nicht in die Münchner Allianz-Arena, sondern nach Bamberg - zum Basketball! Dort standen die fränkischen Fans im Gästeblock der Stechert-Arena zusammen mit rund 400 Gleichgesinnten aus Oberbayern und wollten die Bayern zum Sieg schreien. Es klappte nicht.
Wolfgang Rößner war vor dem Derby ohnehin skeptisch gewesen. " Ich denke nicht, dass hier für uns etwas drin ist", sagte der Vorsitzende der Seßlacher Bayern-Fans - stilecht gekleidet im Bayern-Trikot und mit Fanschal um den Hals.
Es war von Beginn an nicht der Abend für die Bayern-Fans. Erst mussten sie mitansehen, wie die Cheerleader der Brose Baskets dem Maskottchen Freaky vor dem Sprungball im Mittelkreis die Lederhose auszogen. Und dann reckten ihnen von der anderen Hallenseite aus die Bamberger Fans jede Menge Plakate entgegen. "München = Landeshauptstadt - na und. Bamberg ist Basketball-Hauptstadt", "Die Provinz hat Erfolg, München nur Geld", "Beim Basketball hat Bamberg die Lederhosen an" war unter anderem zu lesen. Der finanzstarke Emporkömmling mit dem großen Namen "FC Bayern" polarisierte wie in den anderen Bundesliga-Hallen auch in der Frankenhölle die Fans, was für entsprechende Stimmung auf den Rängen sorgte. Zu der trugen auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Alt-Ministerpräsident Günther Beckstein ihren Teil bei, als sie vor dem letzten Viertel in den Bamberger Block gingen und sich Brose-Baskets-Fanschals um den Hals legen ließen. Auch die zwei Politiker hatten zu diesem Zeitpunkt begriffen, dass der "Stern des Südens" an diesem Abend nicht mehr über der Stechert-Arena aufgehen würde.
Die Statistik
Brose Baskets Bamberg — FC Bayern München 89:77
(19:25, 28:9, 20:21, 22:22)
Bamberg Tucker (23 Punkte/1 Dreier), Jacobsen (18/2), Gavel (14/2), Pleiß (13), Slaughter (8), Roberts (5), Jenkins (4), Suput (4), Tadda
München Hamann (18), Homan (17), Troutman (14), Nadjfeji (10), Greene (6/2), Benzing (4), Wallace (3/1), Schwethelm (3/1), Jagla (2)
SR Matip, Krause, Kovacevic
Zuschauer 6800 (ausverkauft)
Gesamtwurfquote Bamberg 49 Prozent (28 Treffer/57 Versuche), München 52 (31/60)
Dreierquote Bamberg 25 Prozent (5/20), München 29 (4/14)
Freiwurfquote Bamberg 78 Prozent (28/36), München 73 (11/15)
Rebounds Bamberg 36 (24 defensiv/ 12 offensiv), München 27 (20/7)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 5/14, München 1/14
Assists Bamberg 18 / München 12
Fouls Bamberg 20 / München 30
Stimmen zum Spiel
Anton Gavel (Brose-Matchwinner): "Es war wichtig, dass wir nach dem ersten Viertel zurückgekommen sind, uns einen Vorsprung herausgearbeitet haben, den wir dann bis zum Ende des Spiels verteidigen konnten. Es ist für jede Mannschaft schwierig, hier zurückzukommen, wenn wir einen Vorsprung haben. Das wissen wir. Darauf bauen wir auf, und so war das auch heute wieder."
Dirk Bauermann (Bayern-Trainer): "Bamberg hat neun Spieler, die alle höchstes Niveau haben. Sie rotieren diese wie eine Drehtür, immer dann, wenn einer eine Pause braucht. Da tut uns es besonders weh, dass Foster verletzt ist. Hinten raus hast du dann auch nicht die Kraft, es wirklich zu drehen. Wir sind aber mit unserer Leistung zufrieden. Es ist erst die zweite Stufe der Rakete. Es wird sicher weiter nach oben gehen, und irgendwann werden wir hier auch gewinnen."
Demond Greene (Bayern-Scharfschütze): "Wir sind auf Augenhöhe mit Bamberg, mit Berlin, auch mit den anderen Mannschaften, die uns geschlagen haben. Der einzige Unterschied zu Bamberg ist derzeit, dass die einen deutlich besseren Rhythmus haben und vielleicht auch auf dem Feld noch ein besseres Zusammensein."
Wolfgang Heyder (Bambergs Manager): "Ich denke, es war wichtig, dass wir nach der Nervosität am Anfang, wo nicht so richtig viel in den Korb gegangen ist, wir dann die Nerven in den Griff bekommen und das Spiel dominiert haben. Wir siegten auf Grund unserer individuellen Qualität verdient. Im zweiten und auch im dritten Viertel stand unsere Verteidigung sehr gut, im letzten Viertel haben wir ein bisschen nachgelassen."
Casey Jacobsen (Bambergs Kapitän): "München ist eine sehr gute Mannschaft. Sie haben uns eine Menge Probleme bereitet. Wenn wir zurückschauen auf unsere Fehler, können wir sicher davon profitieren und noch besser werden. Im zweiten Viertel kamen bei uns einige Leute von der Bank und haben mit Energie und starker Verteidigung ihre Klasse bewiesen. Wir haben gezeigt, dass wir ein Team mit viel Charakter sind."
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