Lichtenfelser Ringer wird zum Sporthelden

08.09.2010     inFranken.de

Ringen Der Neuzugang des AC Lichtenfels, Hristo Marinov, musste bei der Weltmeisterschaft in Moskau bis zum Titelgewinn im griechisch-römischen Stil (84 kg) etliche harte Brocken aus dem Weg räumen. In seinem Heimatland Bulgarien wird der Modellathlet fortan wohl als Sportheld gelten.


Ein Kerl wie ein Baum: Fünfmal wurde der Neuzugang des AC Lichtenfels Hristo Marinov bei der Ringer-WM in Moskau vom jeweiligen Kampfrichter zum Sieger erklärt. Am Ende dieser Serie stand der Weltmeistertitel in der Klasse bis 84 kg/griechisch-römisch. Foto: sm/cv
von unserem Mitarbeiter Christian Voll

Ein bisschen muss den Verantwortlichen und Fans des AC Lichtenfels schon der Mund offen stehen geblieben sein, als am Dienstagabend eine spektakuläre Nachricht die Runde machte: Neuzugang Hristo Marinov aus Bulgarien wurde in Moskau Ringer-Weltmeister im griechisch-römischen Stil der Gewichtsklasse bis 84 kg (wir berichteten bereits kurz)!

Etwa sieben Jahre ist es her, da feierte man beim ACL einen Vize-Weltmeister der Junioren: Steffen Hartan. Der ist nach wie vor eine zentrale Stütze der heimischen Bundesliga-Mannschaft. Hristo Marinov muss seinen ersten Kampf im Trikot des AC erst noch absolvieren, was am Samstag in acht Tagen gegen den ASV Hof der Fall sein könnte - und doch ist die Freude im Korbstadtverein riesengroß.

"In Bulgarien gibt es drei Sportarten, die die Menschen wirklich interessieren", erklärt Marinovs Manager Stefan Mitov, "das sind Gewichtheben, Boxen und eben Ringen." Kein Wunder also, dass Hristo Marinov kaum zehn Minuten nach seinem Titelgewinn schon für das bulgarische Radio und Fernsehen im Interview zur Verfügung stehen musste und in dem Land fortan wohl als Sportheld gelten wird.

Der 23-jährige mehrfache bulgarische Meister hatte auf dem Weg zu seinem bislang größten sportlichen Erfolg packende Kämpfe hinter sich: Runde 1 bescherte ihm ein Duell, das es in gut einer Woche in der Bundesliga gegen den ASV Hof schon wieder geben könnte, denn sein tschechischer Kontrahent Artur Omarov steht in Diensten der Saalestädter. Nach einem nichttechnisch abgegebenen ersten Kampfabschnitt dominierte Marinov jedoch das Geschehen deutlich und siegte noch sicher mit 3:0 und 2:0. Auch für den Österreicher Amer Hrustanovic, der mit 0:1 und 0:2 den Kürzeren zog, gab es gegen ihn nichts zu holen.


"Mishin war die größte Hürde"


Dann kam es zum Kampf der Kämpfe für Hristo Marinov: Sein nächster Widersacher, Aleksey Mishin aus Russland, war Olympiasieger 2004, Dritter bei Olympia 2008, vierfacher Welt- und dreifacher Europameister. Beim Großen Preis in Dortmund vor gut einem Jahr war Marinov ihm noch unterlegen, diesmal begegneten sich zwei Weltklasse-Athleten auf Augenhöhe. Runde 1 ging an den Neu-ACler durch erfolgreiches Verteidigen der freiwillig eingenommenen Unterlage. Mit einem gewaltigen Wurf über die Schulter und einer Dreier-Wertung schien er in Runde 2 ebenfalls auf der Siegerstraße, ehe der Russe mit einer "Eins" am Mattenrand und einem Dreier vorzüglich konterte und noch mit 4:3 den Kampfabschnitt gewann. Sein aktiverer Standkampf und seine Beton-Verteidigung in der Unterlage bescherten dem Bulgaren jedoch in der entscheidenden dritten Runde den Vorteil und den 2:1-Runden-Erfolg. "Das war die größte Hürde auf dem Weg zum späteren Titel", bekannte Marinov danach. "Als ich Mishin besiegt hatte, spürte ich in mir, dass mich auf dem Weg zum Gold nichts mehr aufhalten kann."

Dementsprechend verliefen die Vorschlussrunde und das Finale: Zunächst fand Damian Janikowski aus Polen kein Rezept gegen die Durchdreher Marinovs, mit denen er Runde 1 und 3 gewann, so dass der Verlust des zweiten Durchgangs nicht ins Gewicht fiel. Mit der gleichen Technik, einem Durchdreher nach vorangegangenem blitzschnellen Seitenwechsel, holte sich Marinov auch die erste Runde im Finale gegen Pablo Enrique Shorey-Hernandez (Kuba) und vollendete das Werk mit dem nichttechnischen Gewinn von Durchgang zwei.

"Ich hatte ihm eine Medaille auf jeden Fall zugetraut", bilanzierte Manager Mitov, "doch es ist so eng an der Weltspitze, da kann eine einzige Unachtsamkeit schon das Aus bedeuten. Beim Blick auf die Auslosung fanden sich in der oberen wie der unteren Hälfte überall Top-Leute aus der Türkei oder Frankreich und so weiter. Daher ist dieser WM-Titel gar nicht hoch genug zu bewerten."



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