Energisch zum Marathon-Rekord
08.02.2012
Ort: Kitzingen Von: Jürgen Sterzbach ![]()
Laufsport Anfangs fürchtete Conny Stänicke, dass sie das Ziel erst erreichen würde, wenn die Veranstalter schon abgebaut hätten. Ein Irrtum: Nun stellte sie den Vereinsrekord der TG Kitzingen im Marathon der Frauen auf und wurde vom Laufteam als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet.

Conny Stänicke vom TGK-Laufteam erkämpft sich einen neuen Vereinsrekord im Marathon. Repro: Sterzbach
"Das hatte ich eigentlich nicht geplant. Dass es in München so gut lief, kam für mich überraschend", sagt die 48-Jährige bescheiden, "ich wusste ja nicht, dass ich eine solche Zeit überhaupt erreichen kann, weshalb ich auch völlig ohne eine Erwartung in den Lauf ging."
Sie gesteht sich zwar ein, immer so gut laufen zu wollen, wie es irgendwie gehe, doch sieht sie sich selbst trotz zahlreicher Siege in den regionalen und lokalen Läufen auf dem Höhepunkt: "Diese Bestzeit kann ich wahrscheinlich nicht mehr übertreffen." Vor einem Marathon laufe sie normal fünf bis sechs Mal in der Woche zwischen zehn und 20 Kilometern, ausgerechnet aber vor dem Event in München absolvierte Stänicke für die 42,195 Kilometer lange Strecke keine besondere Vorbereitung: "Speziell ausgerichtet hatte ich mich auf diesen Lauf eigentlich gar nicht. Ich laufe die ganze Zeit über und hatte schon an mehreren Marathon-Läufen teilgenommen, allerdings am letzten vor vier Jahren", berichtet sie. Damals habe sie ihr Training gezielt auf den Lauf ausgerichtet. München sei aber "eine Hauruckaktion" gewesen. "Umso überraschter war ich von meiner Leistung", gibt sie rückblickend zu. Obwohl die TGK-lerin an vielen Rennen über unterschiedliche Distanzen teilnimmt, hatte sie vor allem die Königsdisziplin der Läuferinnen und Läufern nach einer langen Pause wieder besonders gereizt: "Nach fünf Marathons in zwei Jahren wollte ich zunächst nur eine Pause einlegen, dann kamen aber diverse Verletzungen hinzu, so dass jedes Jahr etwas anderes gegen eine erneute Teilnahme sprach. Allerdings hatte ich die ganze Zeit über große Lust, wieder einmal bei einem Marathon zu laufen."
Beim Lauf durch die Landeshauptstadt bis ins Olympiastadion dämmerte es Stänicke schnell, dass ihre Zeit diesmal herausragend sein könnte: "Als ich mit dem Schrittmacher der 3:30-Stunden-Zeit gut mithalten konnte, begann ich mir zu wünschen, dass ich mein Tempo auch bis zum Ende durchhalten kann." Schließlich wurde es ihre persönliche Bestzeit und ein neuer Vereinsrekord, was ihr neben ihren seit Jahren erlaufenen Siegen die Auszeichnung als "Sportlerin des Jahres" einbrachte.
"Ich fühle mich dadurch geehrt und freue mich sehr über die Anerkennung", sagt Stänicke zur Ehrung. Dass die Jahreshauptversammlung in der Vereinsgaststätte an der Kaltensondheimer Straße für sie ein ganz besonderer Abend werden könnte, fiel ihr bereits im Vorfeld auf: "Die Kollegen der Turngemeinde fragten mich einfach zu oft, ob ich auch ganz sicher zu der Versammlung kommen würde. Deshalb konnte ich bereits vorher erste Vermutungen anstellen."
Stänicke, die beruflich als medizinisch-technische Assistentin arbeitet, entdeckte frühzeitig den Sport für sich: "Schon als Teenager fing ich mit dem Laufen an. Aber anfangs war ich ein ziemlicher Schönwetterläufer. Im Winter wollte ich nicht einfach laufen, da ich weder den Ehrgeiz hatte noch somit das Ziel verfolgte, Wettkämpfe zu laufen", erinnert sie sich an ihre Anfangsjahre im Laufschuh zurück. Sie hegte da die Befürchtung, dass sie bei einem organisierten Lauf das Ziel erst dann erreichen würde, wenn die Veranstalter schon längst abgebaut hätten.
Im Nachhinein ein großer Irrtum: Mit dem Beitritt zum Laufteam der Turngemeinde Kitzingen kam für die gebürtige Niederbayerin, die es mit 18 Jahren ins Unterfränkische verschlug, schließlich die große Wende: "2004 lernte ich ein paar Leute der TGK kennen und trat daraufhin selbst in den Verein ein. Ich nahm an Läufen teil und stellte dabei schnell fest, dass das eigentlich ganz gut funktionierte." Der Zielbereich war folglich meistens noch vorhanden, als sie diesen erreichte.
Für 2012 stehen bei Conny Stänicke nun keine großen Vorsätze mehr an: "Auch aufgrund meines Alters erwarte ich keine Steigerungen mehr. Ich möchte es bewusst aus meinem Kopf streichen, dass ich bei jedem Lauf ganz vorne dabei sein muss. Denn auch in zehn Jahren will ich noch mit Spaß, aber ohne den Druck laufen, gewinnen zu müssen."
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