Mit geballter Kraft Sport verbreiten

27.04.2011   Ort: Wiesenbronn  Von: Gerd Ludwig  Die Kitzinger

Behindertensport Berlin, Bamberg, Wiesenbronn - diese Orte haben eines gemeinsam. Hier können Menschen mit Handicaps die Selbstverteidigungs-Sportart Kae- In-Sog-In (auf deutsch Vielfalt) erlernen, die in Kitzingen vor rund 15 Jahren von Horst M. Kohl ins Leben gerufen wurde.


Horst M. Kohl, Gründer des Selbstverteidigungssports für Menschen mit Handicaps, Kae-In-Sog-In. Foto: privat
Was wäre gewesen, wenn Roswitha Kramer, Kitzinger Kreisgeschäftsführerin vom Sozialverband VdK, Horst M. Kohl anno 1994 nicht gebeten hätte, einen Selbstverteidigungskurs für Senioren durchzuführen. Dann wäre aus der losen Gemeinschaft, die sich im kleinen Gymnastikraum der Florian-Geyer-Halle getroffen hatte, am 11. November 1995 wohl nicht Kae-In-Sog-In entstanden.
Mittlerweile können sich Kohl und seine Mitstreiter von der Arbeitsgemeinschaft Kae-In-Sog-In e.V. (2010 als Nachfolger der Bundesvereinigung Kae-In-Sog-In e.V. gegründet) nicht mehr vor Anfragen retten. "Meine Vision ist es, dass wir viele qualifizierte Übungsleiter bundesweit mit dem gleichen System ausbilden und diese dann Anlaufstelle für die gehandicapten Sportler werden", sagt Kohl. Mittlerweile würden in zwölf Städten Deutschlands ehrenamtliche Mitarbeiter Übungsleiter unterweisen, Tendenz steigend. "Ich bin überzeugt, dass beispielsweise in unserem Landkreis viele Menschen mit Behinderung gar nicht wissen, wohin sie sich wenden können, diesen möchte ich eine Anlaufstelle bieten", konstatiert der Gründer. Die Notrufnummer 110 habe jeder im Kopf. Ähnliches solle mit den Ansprechpartnern für die Behinderten geschehen.

Rückzug ins zweite Glied


Kohl, der sich als Begründer von Kae-In-Sog-In mittlerweile offiziell ins zweite Glied zurückgezogen hat, wirkt als graue Eminenz im Hintergrund und hat sich der Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und dem Prüfen der Übungsleiter verschrieben. Mit Helmut Gensler als Vorsitzenden (Sonderschullehrer in Haßfurt) und Bernhard Mehringer (Franziskuswerk Schönbrunn) führen zwei versierte Nachfolger seine Arbeit vor Ort weiter. "Die Anfragen werden immer mehr, wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht übernehmen", sagt Kohl.
Lose Kontakte zum Franziskuswerk Schönbrunn (Landkreis Dachau) - dort werden rund 900 Behinderte lebenslang betreut - haben vor zwei Jahren den Ball ins Rollen gebracht. Kohl und seine Mitstreiter fuhren auf Einladung dorthin, um ihr Sportangebot vorzustellen. Von dort und über das Netzwerk des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (Krautheim) sowie über die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (Marburg) verbreitet sich die Sportart in ganz Deutschland.
So erfreut Horst M. Kohl über das immer größere Interesse an diesem Sport ist, so eindringlicher erhebt er den Zeigefinger. Nicht jeder Teilnehmer an den Lehrgängen sei auch als Übungsleiter geeignet. Gerade bei der Vermittlung der Selbstverteidigung an geistig Behinderte müsse besonders darauf geachtet werden, dass diese sich und andere nicht gefährden. "Ich darf geistig Behinderten nicht jede Technik zeigen", so Kohl. Erst müsse der Übungsleiter die Gruppe kennenlernen - "was habe ich für ein Klientel vor mir" - nach der Analyse könne er das Programm festlegen. Dies vermitteln Helmut Gensler als ausgebildeter Sonderschullehrer und Bernhard Mehringer, der als aktiver Taekwondo-Sportler eine Kampfkunstausbildung genossen hat, den Lehrgangsteilnehmern, die aus verschiedenen Berufsgruppen stammen.
Nach einem erfolgreich absolvierten Lehrgang sollen die Übungsleiter dann Kohls Vision vermitteln, dass sich Gehandicapte (wie der Gründer Behinderte bezeichnet) selbstbewusst in der Öffentlichkeit bewegen und so Übergriffe vermeiden können. Falls sich eine solche Situation nicht verhindern lässt, sollen sie sich gegen Übergriffe verbal und notfalls auf kämpferische Art verteidigen können. Während Horst M. Kohl mittlerweile eine Anfrage von den Rummelsberger Anstalten (Neuendettelsau) vorliegt, will er sich nicht nur auf das Organisatorische zurückzuziehen.
Zum SV Wiesenbronn gewechselt, weitete er sein Projekt für behinderte Sportler aus, zu dem er auch die Rollenden Basketballer Haßfurt ins Boot geholt hat. Ins Kae-In-Sog-In sind nun das Blasrohrschießen, Slow Motion Arts (langsame Bewegungslehre) und neuerdings auch Dart integriert und sollen den Gehandicapten einen Raum bieten, dem Sport nachzugehen.

"Kampfkunst-Show"


Um dies auch der Öffentlichkeit vorzustellen, lädt er bereits jetzt zur "Kampfkunst-Show" nach Wiesenbronn ein. Unter dem Motto "Wir reden nicht von Inklusion (Einbeziehung), wir leben sie", werden am 16. Juli Menschen mit und ohne Behinderung ihr Können zeigen.


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