Ludwig Müller ist zweimal in der Jahrhundertelf

25.08.2011   Ort: Haßfurt  Von: Norbert Felgenhauer  Fränkischer Tag

Fußball Ludwig Müller, der mit dem 1. FC Nürnberg und Borussia Mönchengladbach dreimal deutscher Meister war, sechs Länderspiele absolviert hat und das Haßfurter Fußball-Idol ist, feiert am Donnerstag, 25. August, seinen 70. Geburtstag.


Der doppelte Luggi Müller: Zu seinem 60. Geburtstag hat er eine extra für ihn gestaltete Titelseite des Sportmagazins "Kicker" erhalten, die ihm der damalige Chefredakteur Rainer Holzschuh geschenkt hat. Das großformatige Werk hängt im Büro des Haßfurters. Am Donnerstag, 25. August, feiert der ehemalige Fußball-Nationalspieler, äußerlich kaum verändert, den nächsten "Runden".
Für diese Antwort muss Ludwig Müller nicht lange überlegen. "Ich bin wunschlos glücklich", sagt er auf die Frage, welche Ziele und Träume er sich noch erfüllen möchte. "Ich habe eine tolle Familie, das ist mir das Wichtigste, und dass ich noch ein bisschen gesund bleibe." Seit 44 Jahren ist er verheiratet mit seiner "wunderbaren Frau" Margot, Sohn Martin und dessen Ehefrau führen das Geschäft im Sinne der Eltern weiter, und der ehemalige Fußballprofi ist stolzer Großvater zweier Enkel. "Einerseits ist die 70 nur eine Zahl, andererseits lässt man da schon die sieben Jahrzehnte Revue passieren und fragt sich: Kann ich zufrieden sein", sagte er vor seinem 70. Geburtstag am heutigen Donnerstag. Die Antwort gibt er auch: "Auf jeden Fall."

Ein Straßenfußballer


Ludwig Müller, für seine Fußballerfreunde von Franz Beckenbauer bis Uwe Seeler meist "der Luggi", kam aus seiner Sicht ganz selbstverständlich zum Fußball. "Wir waren ja noch Kriegskinder, ich bin 1941 geboren, und da gab es nichts anderes. Das war die Generation der Straßenfußballer, und ich war einer davon." Familiär vorbelastet war der Jubilar auch, Vater Adam hütete beim 1. FC Haßfurt das Tor. Dort begann seine sportliche Karriere. "Zunächst habe ich vorne gespielt, war Mittelstürmer", erinnert er sich. Trainer Walter Herzog hat ihn dann umfunktioniert zum Verteidiger, nachdem er im Alter von 17 Jahren in der Glanzzeit des Haßfurter Fußballs in die "Erste" aufgerückt war. Auf dieser Position entwickelte er sich zu einem der Besten in Deutschland. "Ich habe sogar einmal im Tor gespielt", erzählt er auf die Frage, ob es ihn nicht gedrängt habe, dem Vater nachzueifern. Bei einem Pokalspiel gegen die SpVgg Fürth, als der FCH-Stammtorhüter nicht in Form war. "Wir haben 2:1 gewonnen", weiß Luggi Müller noch.

Beim Debüt ein 1:0 gegen England


Der Ausflug zwischen die Pfosten blieb eine einmalige Sache, seine Reise in die große Fußballwelt dagegen dauerte über ein Jahrzehnt. Zur Saison 1964/65, der zweiten in der damals noch blutjungen Bundesliga überhaupt, wechselte er zum ruhmreichen 1. FC Nürnberg, absolvierte auf Anhieb 28 Begegnungen. 1968 wurde er Meister mit dem Club. "Dieser Titel und mein erstes Länderspiel gegen England in Hannover (1:0 am 1. Juni 1968, Anm. d. Red.), als zum ersten Mal eine deutsche Nationalmannschaft die Engländer geschlagen hat, das waren meine schönsten Erlebnisse im Fußball", so Ludwig Müller.
Nach dem Abstieg des FCN ein Jahr später folgten zwei weitere Titel mit Borussia Mönchengladbach, wo er von 1969 bis 1972 spielte. "Eine Abwehr wie die mit Klaus-Dieter Sieloff und mir hat es damals in Deutschland nicht noch einmal gegeben", sagt er. Dennoch absolvierte er nach fünf Länderspielen als Cluberer danach nur noch eines. Zur Weltmeisterschaft 1970 fuhren andere. "Das war die Entscheidung von Helmut Schön, das musste man akzeptieren", so der Haßfurter. Geärgert hat er sich trotzdem darüber, das räumt er auch jetzt noch ein. Seine Zeit in Mönchengladbach endete mit einem sportlichen Tiefpunkt. In einem Europacupspiel gegen Inter Mailand brach er sich in der 89. Minute nach einem Foul des Italieners Roberto Boninsegna Schien- und Wadenbein. "Das war ein Betriebsunfall, dass so etwas passieren konnte, damit musste man rechnen", sagt er ohne Bitterkeit im Rückblick. Und überhaupt: Rund 20 Jahre danach sind sich die beiden bei einem internationalen Turnier ehemaliger Größen in Brasilien auf dem Platz wieder begegnet, "und da hat Deutschland gegen Italien mit 2:1 gewonnen", erzählt er augenzwinkernd.

Bundesliga-Abschied mit einem Elfmeter-Tor


Für die Gladbacher hat der Haßfurter nach dieser schweren Verletzung keine Begegnung mehr bestritten. Neun Monate musste er pausieren und wechselte in dieser Zeit zu Hertha BSC. In Berlin endete am 14. Juni 1975 seine Bundesliga-Karriere nach 314 Begegnungen, dort erzielte er das letzte seiner 26 Tore in der Ersten Liga per Elfmeter zum 3:0. Bei seinem Heimatverein 1. FC Haßfurt und beim 1. FC Bamberg war er danach als Spielertrainer und Trainer noch tätig. Als der FCH im Jahr 2009 in finanzielle Schieflage geraten war, half Luggi Müller bei der Sanierung mit, schaffte es durch seine nach wie vor guten Kontakte zum "großen Fußball", den 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt zu Benefizspielen an die Haßfurter Flutbrücke zu locken. Dass sein Sohn Martin nur wenige Wochen später als Trainer der FC-Bezirksligafußballer abgelöst wurde, hat ihn umso mehr geärgert. Bis heute habe ihm niemand diese Entwicklung erklärt, sagt er ein Jahr danach, will aber nicht nachkarten: "Das Thema ist abgehakt."

Nie vom Platz gestellt


Wesentlich lieber erinnert sich Ludwig Müller, der trotz seines Rufes als eisenharter Zweikämpfer von sich sagen kann, nie vom Platz gestellt worden zu sein, daran, dass "ich bei zwei der Bundesligavereine, bei denen ich gespielt habe, nämlich in Nürnberg und Berlin, in die Jahrhundertelf gewählt worden bin." Das macht ihn stolz, wie auch die Tatsache, 1975 nach Ende seiner Profikarriere "als dritter Fußballer überhaupt und als damals jüngster" das Bundesverdienstkreuz erhalten zu haben.
Auch mit 70 wird er nach wie vor in seinem Büro im familieneigenen Modehaus anzutreffen sein, "aber keine Entscheidungen mehr treffen. Das machen jetzt die Jungen, aber ich denke, sie fragen schon, wenn es etwas Wichtiges gibt." Sportlich muss er sich aufs Golfen beschränken, "da kann ich mit einem Wagen fahren", denn die Knie zeigen deutlich den Verschleiß aus elf Jahren Profifußball. "Die vielen Schläge bleiben halt nicht im Trikot stecken", so Ludwig Müller.
Seinen 70. Geburtstag feiert das Haßfurter Fußball-Idol im engsten Familienkreis.


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