Führungsrolle für Manuel Pecho

01.10.2011   Ort: Drügendorf     Fränkischer Tag

Sportler der Woche Der 22-jährige Mittelfeldspieler Manuel Pecho steht für die Zukunft des Fußball-A-Klassisten TSV Drügendorf/Tiefenstürmig.


Manuel Pecho Foto: Gernot Wildt
In Drügendorf denkt man ein wenig wie die alten Chinesen - nämlich über längere Zeiträume hinweg. Jahrelang war der TSV auf die unteren Tabellenregionen abonniert, wobei mehrere Abteilungs- und Spielleiter frustriert das Handtuch warfen und Vereinsvorsitzende sich entnervt in Fatalismus flüchteten. Das Obere Eggerbachtal ist nun mal das Ende der Welt, suchte man nach Erklärungen. Und wer spielt schon gern Fußball am Ende der Welt?
Trainer litten unter der Trainingsbeteiligung. Aber Drügendorf ist alles andere als eine jugendfreie Zone - warum war also die Drügendorfer Jugend nicht bereit, beim TSV Fußball zu spielen, sondern heuerte stattdessen bei anderen Vereinen an? Das hat sich inzwischen geändert. Einer von denen, auf die Vereinsführung und Trainer große Hoffnungen setzen, ist Manuel Pecho. Trotz seiner erst 22 Jahre ist er binnen kürzester Zeit zum Führungsspieler des A-Klassisten gereift, dem man aber dennoch anmerkt, dass er sich noch in der Lernphase befindet. Manuel schießt auch nicht reihenweise spektakuläre Tore, sondern sieht seine Aufgabe vornehmlich darin, "die Defensive zusammenzuhalten".

Wendung zum Besseren


Die Wendung beim TSV kann man an zwei Personen festmachen. Zum einen ist das Werner Trescher, der seit relativ kurzer Zeit als Vereinsvorsitzender die Zügel in der Hand hält. Zum anderen ist der beginnende Höhenflug mit dem Namen des Trainers verbunden, den Trescher zum TSV holte: Holger Feinermann aus Ebermannstadt kennt sich im Aufstiegsgeschäft aus und hatte keinerlei Scheu, bei einem "Underdog" anzuheuern. Er brachte Struktur ins Training, und plötzlich kamen die Drügendorfer Jugendlichen. Trainingseinheiten mit um die 20 Beteiligten gehören mittlerweile zur Regel, nicht zur Ausnahme, und eine Reservemannschaft beim TSV Drügendorf/Tiefenstürmig wäre vor kurzem noch undenkbar gewesen. Auf jeden Fall sieht man, worin der Unterschied zwischen einem normalen Training und einem Training besteht, das allen Spaß macht.
Den Zusammenhalt in der Drügendorfer Fußballjugend hat diese Entwicklung nachhaltig gefördert. In der Ersten Mannschaft stehen nun überwiegend sehr junge Leute von 20 bis 24 Jahren, die darauf gewartet zu haben scheinen, dass jemand die Initialzündung auslöst. "Manus Qualitäten sind sehr hoch einzuschätzen", urteilt sein Trainer Holger Feinermann, "bis auf Torwart hat er schon auf allen Positionen gespielt, aber wirklich wohl fühlt er sich im defensiven Mittelfeld". Wobei man das Gefühl hat, dass Feinermann und Werner Trescher den TSV Drügendorf als Projekt sehen - den Beweis, dass man aus einem kleinen Dorfverein etwas Großes werden lassen kann.
Seine Fußballkünste hat Manuel Pecho zunächst im benachbarten Gunzendorf gelernt, wo er in dem Ort, der hauptsächlich wegen seiner Disco bekannt ist, die F- und D-Jugend durchlief. Danach ging er für zwei Jahre zum TSV Drügendorf, von dort zum SV/DJK Eggolsheim - "weil da alle meine Schulkameraden spielten". In Eggolsheim war er bis zur A-Jugend und danach in der Ersten Mannschaft des TSV Drügendorf.

Utopisch für einen Dorfverein?


Sein Trainer in dieser Zeit war für kurze Zeit Erhard "Hartl" Probst, für den Detlef Kügel das Traineramt übernahm. Dann folgte bereits Holger Feinermann, was eine Überraschung war: Denn ein solcher Trainer bei einem Dorfverein wäre eigentlich utopisch gewesen. "Die Leute behaupten, da hätte ich was gedreht", meint Werner Trescher schmunzelnd, "aber das stimmt nicht".
"Mit seinen 22 Jahren ist er schon einer, der Verantwortung übernimmt", sagt Trescher über Manuel Pecho. Dem TSV fehlten, nicht erst seit "Hartl" Probst seine aktive Laufbahn beendet habe, die etwas älteren Mitspieler. "Damit wächst ein Junger wie Manu in eine Führungsrolle hinein", erklärt der Vorsitzende, "die er aber nur deswegen wahrnehmen kann, weil seine Mitspieler das, ohne zu fragen, akzeptieren."
Holger Feinermann sieht den Verein in der Pflicht: "Der TSV Drügendorf hat da eine große Verantwortung übernommen, denn da wächst etwas heran, das er beisammen halten muss." Der Trainer, so Trescher, habe diese Jugendlichen gefördert, und wenn es einmal nicht so gut laufe wie erst kürzlich, als man drei Spiele am Stück verloren hat, finde er die richtigen Worte, um die Jungs aus der Lethargie zu wecken. Die Folge habe man am Spieltag nach dem "großen Donnerwetter" gesehen, denn da wurde mit dem TSV Neuhaus einer der Ligafavoriten mit 2:0 auf die Heimfahrt geschickt. Manuel Pecho, der auf dem Fußballplatz auch zum "Lautsprecher" werden kann, bleibt zurückhaltend - so, als könne er es selbst nicht glauben, dass er ein Teil dieses Höhenflugs sein soll. "Ich hoffe, dass jeder bei der Stange bleibt", sagt er, "dass sich jeder gewissenhaft auf seine Spiele vorbereitet und immer auf dem Teppich bleibt. Wenn die Mannschaft beisammen bleibt, ist noch Luft nach oben."

Aufstieg nicht sofort


In der abgelaufenen Saison wurde der TSV Drügendorf in seiner A-Klasse Zweiter und nahm an der Aufstiegsrelegation teil - in der er mit 0:2 scheiterte. Es zeigte aber, dass der Verein mit seinen jungen, noch "hungrigen" Spielern auf dem richtigen Weg zu sein scheint. "Ein Aufstieg liegt im Bereich des Möglichen", schätzt Holger Feinermann, "nicht sofort, denn Ligafavoriten sind heuer andere. Aber in zwei oder drei Jahren könnte es soweit sein."


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