"Alex" nimmt genau Maß

17.09.2011   Ort: Hetzles  Von: Gernot Wildt  Fränkischer Tag

Sportler der Woche Alexandra Bitter vom Schützenverein Schwabachtal Hetzles ist Deutsche Luftpistolen-Meisterin in der Juniorenklasse B. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr hatte sie mit dem Schützenwesen überhaupt nichts am Hut.


Alexandra Bitter Foto: Gernot Wildt
Und das, obwohl ihr Vater Reinhard in Pinzberg den Schießsport geradezu mit der Muttermilch aufgesogen hatte und mit seinem Gewehr nach Langensendelbach ausweichen muss, da in seinem heimatlichen Hetzles nur Luftpistolenschießen möglich ist. Anfang dieses Jahres feierte Alex, wie sie alle nennen, ihren 17. Geburtstag und wurde im August Deutsche Luftpistolen-Meisterin in der Juniorenklasse B.
In der Rangliste für Juniorinnen im Deutschen Schützenbund ist sie zudem Zweite - vor ihr liegt nur noch eine drei Jahre ältere Schützin aus dem südlichen Bayern.
Hätte sich Vater Reinhard Bitter anders verhalten, wenn er die Konsequenzen vorausgeahnt hätte, als er seine Tochter bei einem Besuch zum "Vogelschießen" im Hetzleser Schützenheim aufforderte, es doch auch einmal zu versuchen? Dieser Wettbewerb ist eine reine Volksbelustigung und nichts, was man ernst nehmen sollte. Alex aber nahm es ernst, wenn auch nicht tierisch ernst. "Gleich bei den ersten 40 Schuss hatte sie so viele Treffer, wie sie andere in etlichen Jahren nicht zusammenbringen", wunderte sich Reinhard Bitter.

Ein "Naturtalent"


"Ein Naturtalent", raunte man hinter vorgehaltener Hand - das Attribut "Wunderkind" hört Alex selbst nicht so gern, wahrscheinlich deswegen, weil sie ja kein Kind mehr ist. Binnen eines Jahres gehörte Alex dem Bezirkskader an. Im Dezember letzten Jahres wurde sie in den Bayernkader berufen. Jetzt steht sie vor dem Sprung in den Nationalkader, und das lässt Papa von Olympia träumen: "Für London 2012 ist es noch zu früh. Aber es werden später ja noch andere Möglichkeiten zur Olympiateilnahme kommen." Man weiß nicht so recht, ob Alexandra Bitter von ihren besonderen Stärken lebt oder von einer Kombination aus allen: Nervenstärke, Treffsicherheit, Konzentration, Ruhe, Unbekümmertheit. Alex war gerade dabei, die Prüfungen zum Realschulabschluss hinter sich zu bringen. Ihre Mutter Marianne beschreibt, wie es zu dieser Deutschen Meisterschaft kam: "Donnerstag und Freitag hat sie noch Klausur geschrieben, am Samstag ging es auf die olympische Schießanlage nach Garching-Hochbrück, wo sie die Deutsche Meisterschaft gewann, und am Montag saß sie wieder in der nächsten Abschlussklausur."
Nerven wie Drahtseile, ein eiserner Wille gehören auch zu den Qualitäten von Alexandra Bitter. Denn der Gewinn der Deutschen Meisterschaft wurde gewissermaßen eingerahmt von einer schulischen Leistung, die mit einer Durchschnittsnote von 1,45 endete. Ihren ersten Tag auf der Forchheimer Fachoberschule hat sie nun auch hinter sich, und auch ihre weiteren Absichten hat sie fest im Blick: Die Fachoberschulreife soll es sein und als nächstes Ziel das "richtige" Abitur.
Es scheint, dass Alexandra Bitter stressresistent ist und völlig unbeeindruckt von äußeren Einflüssen. "Man darf aber nicht

anfangen nachzudenken", vermutet sie. Denn wer zuviel denkt, verliert möglicherweise seine Unbekümmertheit. Auch ohne den Deutschen Meistertitel liest sich ihre Erfolgsbilanz des Jahres 2011 beeindruckend: Gau- und Bezirksmeisterin in der Luft- und Sportpistole, bestes Einzelergebnis bei den Rundenwettkämpfen Luftpistole-A-Klasse, Bayerische Meisterin Luftpistole mit 378 Ringen (der Rekord liegt bei 379), in der Sportpistole Bayerische Meisterin mit überragenden 571 Ringen.
Bei einem internationalen Wettkampf in Berlin wurde sie in der Luftpistole Erste mit dem besten Finalergebnis und liegt mit ihren 378 Ringen auf Platz 2 der deutschen Rangliste für Juniorinnen. Bei der Deutschen Meisterschaft mit der Sportpistole belegte sie den fünften Platz und gewann schließlich als Krönung der Saison mit 375 Ringen in der Luftpistole die Deutsche Meisterschaft.

Training in Langensendelbach


Auf seine Meisterin kann nicht nur der Schützenverein Hetzles stolz sein, sondern auch Bavaria Langensendelbach. Denn um mit der Sportpistole zu trainieren, muss Alexandra Bitter nach Langensendelbach ausweichen, wo man über eine professionell verwendbare Schießanlage verfügt.
Die oberfränkische Bezirkstrainerin Kerstin Schmidt hat das Talent von Alexandra Bitter erkannt und gefördert. Auch beim Landestrainer Jan-Erik Aeply steht sie unter Beobachtung. Bevor sie die Bodenhaftung verliert, sollte Alex jedoch weiterhin ihre Unbekümmertheit als ein Geschenk sehen. Vater Reinhard Bitter hat da bisher keine Bedenken. Denn die Zielstrebigkeit, mit der sie an ihrer schulischen Ausbildung arbeitet, stellt sie auch auf dem Schießstand unter Beweis.


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