Pretzfelder Libero-Routine im Doppelpack

30.07.2010   Von: Gernot Wildt  inFranken.de

Sportler der Woche In der Vorrunde spielte der 47-jährige Reimund Krippner, in der Rückrunde der 50-jährige Klaus Hopfengärtner - und am Saisonende stiegen die beiden Fußball-"Oldies" mit dem SV Pretzfeld in die Kreisklasse auf. Sie standen nie gemeinsam auf dem Platz.


Reimund Krippner (l.) und Klaus Hopfengärtner in den Pretzfelder Aufstiegshemden Foto: Gernot Wildt
Sie stehen beide in einem Alter, in dem sich die meisten allenfalls auf den Fußballplatz begeben, wenn Sohnemann kickt oder um sich als Funktionär in den Dienst ihres Vereins zu stellen. Beide gemeinsam bringen fast 100 Lebensjahre zusammen: Reimund Krippner wird im Oktober 48, Klaus Hopfengärtner wurde im März bereits 50. Trotzdem hatten beide am Aufstieg des SV Pretzfeld aus der Fußball-A-Klasse 3 Erlangen/Pegnitzgrund in die Kreisklasse einen hohen Anteil als Spieler - und haben dennoch nie miteinander auf dem Platz gestanden.

Als Reimund Krippner vor einiger Zeit seinen 40. Geburtstag feierte, hatte er geäußert, dass er ab sofort nur noch einspringen werde, wenn Not am Mann sei. Seitdem ist allerdings keine Saison vergangen, in der er nicht gerufen wurde. Auch in der Saison 2009/2010 wollte der neue Trainer Christian Kress nicht auf das Pretzfelder Urgestein verzichten: Denn er brauchte in dem jungen Team als Libero einen umsichtigen, erfahrenen Mann. Und den hatte er in Reimund Krippner, der seine Ehrung für 1000 Spiele im SVP-Trikot längst hinter sich hat, gefunden. Vor der jetzt zu Ende gegangenen Saison rief ihn Kress sogar an, um in einem Vorbereitungsspiel einzuspringen - nachdem er gerade erst eine mehrere 100 Kilometer lange Autofahrt aus dem Urlaub hinter sich hatte.

Aber nicht nur im fortgeschrittenen Fußballeralter kann man vor Verletzungen sicher sein, also tat sich Kress nach einem Mann um, der ebenfalls Libero spielen konnte und auch sonst das Anforderungsprofil Krippners erfüllte. Er fand ihn in Klaus Hopfengärtner. Dessen Problem jedoch darin bestand, dass sein Spielerpass noch beim SC Egloffstein lag. Erst zur Rückrunde konnte sich dieser den Pretzfeldern anschließen.

Gegen die Idee, im Wechsel auf dem Platz zu stehen, wehrte sich jedoch Reimund Krippner, der die Vorbereitung für die Rückrunde nicht mehr so intensiv angehen konnte und froh war, aus beruflichen und familiären Gründen Pause machen zu dürfen. In der Vorrunde spielte Krippner gespielt, in der Rückrunde Hopfengärtner.

Ganz unterschiedliche Karrieren


Obwohl beide auf der gleichen Position spielen, haben sie höchst unterschiedliche Karrieren hinter sich. Reimund Krippner war stets der bodenständige Fußballer, dem es nie in den Sinn gekommen wäre, den Verein, für den er sich einmal entschieden hatte, zu verlassen. Der sportliche Weg von Klaus Hopfengärtner liest sich hingegen wie eine Rundreise durch Ober- und Mittelfranken. Er hatte kürzlich festgestellt, dass er bei 20 Vereinen aktiv gewesen war - als er sie aufzählen soll, kommt er jedoch nur auf 19. Den 20. Verein hat er schlichtweg vergessen ...

Ursprünglich aus dem Oberland stammend, spielte Hopfengärtner als Jugendlicher in mehreren Igensdorfer Vereinen. Wenn er auf so viele Vereine kommt, hat das etwas damit zu tun, dass er mehrfach umgezog war und sich daher sportlich verändern musste. So landete er beim damaligen Kreisligisten TSV Cadolzburg und bei der SpVgg Fürth (als Bezirksober- bzw. Bayernligist damals noch ohne Zusatz "Greuther"), war in der Bezirks- und Bezirksoberliga beim ASV Forth und musste mit dem TSV Geschwand aus der Kreisliga in die Kreisklasse absteigen. Als Spielertrainer war er beim damaligen B-Klassisten (Kreisklasse) SpVgg Neunkirchen am Sand und in der C-Klasse (heute A-Klasse) bei der SpVgg Obertrubach.

Und er scheut sich auch nicht, für seine Person das bestgehütete Geheimnis im Amateurfußball zu lüften, wo ja alle vollmundig behaupten, nie irgend einem Spieler Geld gezahlt zu haben. Natürlich, so Hopfengärtner, habe er bei einigen Vereinen Geld bekommen, bei einem Verein sogar ein Auto. Es war nicht gerade ein Lamborghini, aber er habe gerade eines gebraucht. Einen Zusammenhang mit der Tatsache herzustellen, dass dieser Verein heute nicht mehr existiert, wäre jedoch böswillig.

Dass die beiden auf ihre alten Tage noch einmal an einem Aufstieg beteiligt sein würden, zu dem sie einen Beitrag geleistet haben, hätten sie sich wohl beide nicht träumen lassen. Für Reimund Krippner tritt wohl auch noch der besondere emotionale Gesichtspunkt hinzu: Denn obwohl er heute im benachbarten Kirchehrenbach lebt, ist er doch ein "Fußball-Pretzfelder" durch und durch, der nie etwas anderes getragen hat als die Farben Blau und Weiß.

Miteinander auch nach dem Spiel


Wenn Männer in Krippners und Hopfengärtners Alter mit 18- oder 19-Jährigen auf dem Platz stehen, besteht die Gefahr, dass sich mit der Zeit ein Generationenkonflikt anbahnt. Für den SV Pretzfeld stellte sich dieses Problem nicht. "'Hopfi' und ich sind von Anfang an in das Team integriert gewesen", so Reimund Krippner. Es gab keine Reibereien, keine Eifersüchteleien, und sie waren auch immer dabei, wenn die Jungen nach dem Spiel miteinander fortgehen wollten. Diese Harmonie setzte sich auch auf dem Platz fort, wobei Krippner als Hauptstützen des Teams Trainer Christian Kress, Co-Trainer Markus Gubitz, den "überragenden Torwart" Rene Rackelmann und Torjäger Timo Finze nennt, dazu noch Kapitän Harald Streibl als kämpferisches Vorbild. Doch eigentlich, fügt Klaus Hopfengärtner hinzu, müsste man hier das gesamte Team nennen: "Diese Mannschaft ist voll intakt." Das sei nicht zuletzt ein Verdienst des Trainergespanns, das in seinem ersten Jahr in Pretzfeld ein "absoluter Treffer" war.

Der Jugendstil in der Aufstiegsmannschaft ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, Jugendmannschaften von Anbeginn an aufzubauen, nachdem es in Pretzfeld lange keine Jugendarbeit gegeben hatte. Es gab Rückschläge und auch Spielzeiten, in denen man sich abstrampeln musste, um zu überleben. Der SV Pretzfeld stand in dem Ruf einer "Fahrstuhlmannschaft". Eigentlich müsste also die Aufgabe, die Reimund Krippner und Klaus Hopfengärtner erfüllt haben, nun beendet, die Mission erfüllt sein. Doch dem ist nicht so.

Das Angebot steht


Das Angebot Reimund Krippners steht, nur noch einzuspringen, wenn Not am Mann ist. Auf eine Urlaubssaison sollte er sich aber besser nicht einrichten: Denn auch die Jungen sind nicht immun gegen Verletzungen. Und Klaus Hopfengärtner verschwendet an das Ende seiner Karriere ohnehin keinen einzigen Gedanken: "Solange es geht, geht es eben. Wenn ein Junger an mir vorbeirennt, und ich kann nicht mehr mithalten, sollte ich mir Gedanken machen. Aber noch geht es."

Beide "Altmeister", Reimund Krippner wie auch Klaus Hopfengärtner, fühlen sich auch für die Kreisklasse noch fit. Es bleibt abzuwarten, ob die Trainer Christian Kress und Markus Gubitz die nachdrängenden Jungen für reif genug halten, die beiden erfahrenen "Oldies" gleichwertig zu ersetzen. Und auch der Spaß am Fußball ist bei beiden ungebrochen.

Kurzporträts


Klaus Hopfengärtner

Geburtsdatum 10. März 1960
Geburtsort Hiltpoltstein
Familienstand "Lebensgefährtin"
Wohnort Unterzaunsbach
Beruf Fischwirt
Hobbys Fußball, Schlagzeug
Spitzname Klausi, Hopfi
Vorbild -
Vereine SV Pretzfeld, SC Egloffstein, FC Thuisbrunn, FC Wichsenstein, SpVgg Obertrubach, TSV Geschwand, SC Neuhaus, ASV Aufseß, SpVgg Neunkirchen/Sand, FC Büg, ASV Forth, SC Eckenhaid, SC Herzogenaurach-Nord, TSV Wachendorf, SpVgg Fürth, TSV Cadolzburg; in der Jugend: FC Stöckach, SG Rüsselbach, ASV Pettensiedel
Schönster Erfolg alle Aufstiege
Schlimmste Niederlage einmal abgestiegen

Reimund Krippner

Geburtsdatum 10. Oktober 1962
Geburtsort Ebermannstadt
Familienstand verheiratet, ein Kind (Tochter Alina, 7 Jahre)
Wohnort Kirchehrenbach
Beruf Mechatroniker
Hobby Fußball
Spitzname Altmeister, Koal
Vorbild ...
Verein SV Pretzfeld
Schönster Erfolg alle Aufstiege (vier)
Schlimmste Niederlage: "Jede Niederlage ist schlimm."



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