Simone Schramm nimmt Maß
21.01.2012
Ort: Eggolsheim Von: Gernot Wildt ![]()
Sportler der Woche Wenn im Sport von einem "Wunder" gesprochen wird, ist das oft keines, sondern bei näherer Betrachtung eher nur eine faustdicke Überraschung. Im Falle der Keglerinnen vom SKC 67 Eggolsheim fällt es allerdings schwer, das Wort vom Wunder nicht zu strapazieren. Die Damen führen die Bayernliga an, und Simone Schramm ist eine der Stützen des Erfolgsteams.
Dass die Eggolsheimer Keglerinnen als Anwärter auf den Abstieg galten, erwies sich nicht als Handicap, sondern als Waffe. Das hatte nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass eine Topspielerin wie Helga Friede so schwer verletzt war, dass fraglich ist, ob sie ihre sportliche Karriere überhaupt fortsetzen kann. Auch nicht damit, dass eine der besten Eggolsheimer Keglerinnen, Simone Schramm, eine Babypause einlegte und fast eine halbe Saison ausfiel.
Doch die Eggolsheimerinnen wurden nicht zum Abstiegskandidaten Nummer 1, sondern stehen zu Beginn der Rückrunde auf Platz 1. Vor Weihnachten gab es die erste Saisonniederlage gegen den Henger SV, der damit zu den hartnäckigsten Verfolgern des SKC Eggolsheim gehört.
Der Höhenflug ist umso bemerkenswerter, da sich Eggolsheim keineswegs mit Spielerinnen von auswärts verstärkt hat, sondern im Grunde in der gleichen Zusammensetzung antritt wie bisher. "Auch beim Kegeln bist du, wie in anderen Sportarten, von inneren und äußeren Umständen abhängig, die auf die Spielerinnen einwirken", sucht Simone Schramm nach den Ursachen.
Dazu gehört auch die oftmals bemühte Tagesform jeder Einzelnen oder - wie im Fall von Simone Schramm selbst - die erzwungenen Pausen, wenn etwas wesentlich Wichtigeres ansteht. Denn ihr kleiner Sohn ist heute Simone Schramms ganzer Stolz, der sie allerdings auch voll beansprucht.
Simone Schramm war so um die zehn Jahre alt, als sie sich dem örtlichen Kegelverein in Strullendorf anschloss und dort sogar bei der Gründung einer Jugendmannschaft aktiv beteiligt war. Mit 20 Jahren ging sie zum Studium nach Bayreuth, machte ihren Abschluss zur Realschullehrerin - und dann folgte das Schicksal eines jeden Lehramtsabsolventen, der im Schuldienst auf Bayern-Rundreise geschickt wird. Dabei durfte sich Simone Schramm noch glücklich schätzen, dass der Kelch, in München unterrichten zu müssen, an ihr vorüberging.
Festanstellung in Ebermannstadt
Immerhin stand sie im unterfränkischen Karlstadt und im mittelfränkischen Feuchtwangen vor Realschulklassen und schloss sich lokalen Kegelvereinen an - "nur, um in Übung zu bleiben", wie sie betont.
Erst an der Realschule Ebermannstadt erhielt sie endlich ihre erste Festanstellung, was sie in die Lage versetzte, auch im sportlichen Bereich zukunftsorientierte Pläne zu machen. Wohnsitz in Forchheim, in Ebermannstadt den beruflichen Anker ausgeworfen - da ist der SKC 67 Eggolsheim als Spitzen-Kegelverein der Region nicht weit. "Zunächst hatte man wohl nicht viel Zutrauen in meine Fähigkeiten", lacht Simone Schramm.
Daher wurde sie zunächst nur in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Sie unterbrach ihr Engagement vorerst durch die Babypause. Sie musste den größten Teil der Saison untätig zuschauen, wie sich ihre künftigen Mannschaftskolleginnen schlugen. Nun jedoch ist es für sie die erste Vollsaison: Sie hat sich mittlerweile auf Platz 2 der vereinsinternen Rangliste vorgearbeitet . Den ersten Platz hat nach wie vor Andrea Berger inne. Simone Schramm ist aus der ersten Mannschaft nicht mehr wegzudenken, zu der auch Mutter und Tochter Silvia und Selina Bessler gehören, Anna Mürschberger und neuerdings auch die junge Corina Wirsching.
Die laufende Saison begann mit Paukenschlägen. Zunächst gab es einen Sieg über den Henger SV und danach einen Auswärtssieg gegen die SG Siemens München-Ost. Simone Schramm findet: "Die haben überraschend schlecht gespielt." Damit hatten die Eggolsheimerinnen aufgehört, im Verdacht zu stehen, dass sie nun nur noch zum Kanonenfutter taugten. Die 30-Jährige meint: "Danach hatten sie alle Angst vor uns." Das war auch gut so, und erst im Rückspiel gegen den Henger SV am zehnten Spieltag, setzte es die erste Saisonniederlage. "Kegeln ist reine Kopfsache", sagt Simone Schramm, und an diesem Tag hatten wohl alle einen nicht so guten Tag.
Wichtig sei es, mögliche und nie ganz vermeidliche Ausfälle zu kompensieren. Verletzungen kommen im Kegelsport seltener vor, kommen zumeist aus dem häuslichen Bereich. Und da junge Mütter auch Aufpasser für ihren Nachwuchs suchen müssen (Simone Schramm: "Ein Hoch auf die Omas!"), kann auch das zu Ausfällen führen.
Ein Holz fehlt für die 500
Dann muss die "zweite Reihe" stimmen, und das klappt in Eggolsheim bisher hervorragend. "Wenn keiner unter 400 spielt", so die Topspielerin, "ist alles gut." Überragend seien 430 bis 450 Holz, und wer über 500 schaffe, sei reif für die Bundesliga. "Dann muss man aber einen guten Tag haben", schränkt sie ein. Diese 500er-Marke hat sie kürzlich erst knapp verpasst: Bei ihren 499 Punkten habe sie den letzten Schub knapp vergeigt. Die ehrgeizige Simone Schramm wurmt das immer noch.
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