Reuth, Nordkorea und nun Berlin

24.09.2011   Ort: Forchheim  Von: Gernot Wildt  Fränkischer Tag

Sportler der Woche Der aus der Lutherstadt Eisleben stammende Forchheimer Ingolf Franke startet am Sonntag in der Hauptstadt. Es ist erst der zweite Marathonlauf des 44-Jährigen.


Ingolf Franke Foto: gw
Die Fotos, die Ingolf Franke seiner Mail anfügt, zeigen eine menschenleere Strecke im Nirgendwo. Die Straße ist schnurgerade wie am Lineal gezogen, und man sieht, dass hier wirklich viele Kilometer weit keine Menschenseele unterwegs ist. Sie ist schadhaft, also muss hier auf jeden Fall einmal jemand gefahren sein. Aus den Begleittexten wird deutlich, dass dies eine durchaus ungewöhnliche Straße ist, nämlich eine Autobahn in Nordkorea.
Wie aber kommt ein Teilnehmer am Fränkische-Schweiz-Halbmarathon vor ein paar Wochen auf diese gottverlassene Piste im betonkommunistischen Niemandsland? Wohl, weil Ingolf Frank der Meinung ist, dass man im Gelände überall laufen kann, im wahrsten Sinne des Wortes überall. Der Forchheimer aus dem Stadtteil Reuth kennt die Qualität solcher Straßen von früher. Denn er stammt aus der damaligen DDR, und dort waren die Straßen fast ebenso schadhaft.

Schon in Australien


In seinem neuen Leben ist er schon an vielen Orten gelaufen. Im australischen Adelaide, im amerikanischen Philadelphia hat er Halbmarathons absolviert, auch an anderen Orten, wohin ihn seine Reisen beruflich führen.
"Die Laufausrüstung ist immer dabei", sagt er. Und vor etwa einem Jahr eben auch in Nordkorea. Er ließ sich zur "Jugendweihe" seiner damals 14-jährigen Tochter etwas Besonderes einfallen: Er schenkte ihr eine Reise nach Nordkorea. Die Reisevorbereitungen sind mit mehr Arbeit verbunden, als würde man mal eben nach Südtirol hinüberrutschen. Man muss Visaanträge stellen, und es dauert seine Zeit, bis man einreisen darf - um dann auf Schritt und Tritt überwacht zu werden. Auf einer Autobahn laufen, auf der sowieso fast niemand fährt, entspricht in einem Land, in dem es so gut wie keine westlichen Ausländer gibt, den Vorstellungen der ansonsten sehr freundlichen, aber bettelarmen Nordkoreaner: Diese westlichen Ausländer sind irgendwie nicht ganz zurechnungsfähig. Vielleicht sind sie sogar ein bisschen verrückt ...
In der DDR hat Ingolf Franke viele Sportarten betrieben - Fußball, auch Tischtennis, Crosslauf, Handball, sogar Leistungsschwimmen - was eben so im selbst ernannten "Staat der Arbeiter und Bauern" möglich war. Nach einer Zeit des Leerlaufs begann er das Laufen 2004. "Das war, als ich merkte, dass ich etwas unternehmen musste, um die ersten Anzeichen des Zipperleins zu bekämpfen", sagt er, "und das hat auch geholfen - seitdem habe ich keine Rückenschmerzen mehr."

Mit Beharrlichkeit


Dazu gehört eine gewisse Beharrlichkeit, manchmal auch ein Kampf gegen den "inneren Schweinehund". In den Wäldern um Reuth ist der "Running Man" bekannt wie ein laufender Keiler: "Ich bin der Einzige, der im Winter auch bei zehn Grad minus läuft." Erst im Frühjahr erwachen mach andere Laufkollegen aus dem Winterschlaf.
"Man sagt, wenn man mit Anfang 40 beginnt, kann man sich noch verbessern", ist Ingolf Franke überzeugt. Seine eigene Erfahrung gibt ihm recht: Schon zum dritten Mal hat er beim Fränkische-Schweiz-Marathon am 16-Kilometer-Lauf teilgenommen - und sich jedes Mal um rund acht Minuten verbessert.

Premiere bei Oberelbe-Marathon


Im Mai hat sich Ingolf Franke zum ersten Mal an einen Vollmarathon gewagt: Der Oberelbe-Marathon führt von Bad Schandau durch die Sächsische Schweiz bis Dresden. Er hat seine Familie mitgenommen, die ihn auf einem Elbdampfer begleiten konnte. Am Sonntag, 25. September, soll es nun der zweite Marathon in diesem Jahr sein, und da gleich der größte der Welt: der Berlin-Marathon. "Das ist für einen Läufer ein echtes Erlebnis", schwärmt er, "gestartet wird er von Berlins Bürgermeister Wowereit und der Box-Legende Henry Maske, und dann setzen sich 40 000 Menschen in Bewegung."

Den Weltrekordlern nahe


Für den Läufer aus Forchheim es ist "ein besonderes Gefühl, mit Weltrekordlern zu laufen." Denn der äthiopische Weltrekordhalter Haile Gebrselassie, der die Bestmarke 2008 an gleicher Stelle aufgestellt hat (2:03:59 Stunden), hat schon im Juni seine Teilnahme zugesagt, ebenso wie vor kurzem die schnellste Frau auf dieser Strecke, die Britin Paula Radcliffe (2:17:18). Auch die Deutsche Meisterin Irina Mikitenko vom SC Gelnhausen wird am Start sein.
"Treffen werde ich sie aber alle drei nicht", bedauert Ingolf Franke jetzt schon, "denn die mit den besten Zeiten werden als Erste auf die Strecke geschickt, und wenn ich irgendwo unter den 40 000 starten darf, sind diese Läufer schon fast am Ziel."

Mehr im Fränkischen Tag


Den Bericht mit Info-Box "Zur Person" finden Sie im Fränkischen Tag vom 24. September 2011.


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