Léon beschenkt sich zum 16. Geburtstag

08.10.2011   Ort: Forchheim     Fränkischer Tag

Sportler der Woche Der Deutsche Meister Léon Mons vom Schachclub Forchheim nimmt im November an der Jugend-Weltmeisterschaft in Brasilien teil. Statt Copacabana heißt das Reiseziel Caldas Novas.


Léon Mons sitzt mit Spaß und Erfolg am Schachbrett. Foto: Gernot Wildt
Die Haartolle von Léon Mons ist deutlich windschnittiger geworden, und das hat etwas damit zu tun, dass er sich das vielleicht schönste Geburtstagsgeschenk selbst gemacht hat. Am 10. September beging der frischgebackene Deutsche Jugendschachmeister seinen 16. Geburtstag, doch das Geschenk hat er bereits kurz zuvor errungen. Als Jugendmeister fliegt er im November zur WM nach Brasilien, und dort ist es um diese Zeit recht heiß. Ein guter Anlass, um sich zumindest vorübergehend von seiner prachtvollen Mähne zu trennen!
Doch wer dabei von der Copacabana und von der Gesellschaft brauner Schönheiten träumt, wird enttäuscht. Denn die Jugend-Weltmeisterschaft im Schach wird vom 17. bis 27. November in Caldas Novas ausgetragen, und das liegt weit entfernt von den Bikiniparaden von Rio de Janeiro oder São Paulo, wenn auch nur bedingt im tiefsten Landesinneren.
Caldas Novas findet man im Bundesstaat Goiás, in dem auch die Hauptstadt Brasilia liegt, und ist nicht durch heiße Mädchen, sondern durch heiße Thermalquellen bekannt. Die Hauptquelle entspringt bei Temperaturen um 58 Grad im Stadtgebiet in der "Lagoa Quente de Caldas Novas" und macht die hierzulande eher unbekannte Gemeinde im Süden des Landes von etwa 70 000 Einwohnern zu einem landesweit bekannten Ort für Heilquellen, Tourismus und Vergnügungsparks. Dieses Caldas Novas wurde 1777 gegründet, als die Siedler heiße Quellen entdeckten und deren hohen therapeutischen Wert erkannten. Auch wenn die Girls von Ipanema recht weit weg sind, gibt es für Léon Mons also viel zu sehen, was gerade bei einem 16-Jährigen sein Leben lang im Gedächtnis haften bleibt.

Seit dem achten Lebensjahr


Léon Mons betreibt den Schachsport seit seinem achten Lebensjahr - zunächst ohne Verein, also zum Spaß. Doch dann bekam er doch Anschluss an den Schachclub Forchheim, "und da habe ich eben ein bisschen reingeschnuppert". Das Schnuppern war von Erfolg gekrönt, er fand rasch Gleichgesinnte und in Udo Güldner einen sehr aktiven Jugendleiter. Ein paar Wochen später wurde er Mitglied.
Über die Altersklasse U8 war er bereits knapp hinausgewachsen, aber danach nahm alles seinen normalen Gang - wie das im Schach üblich ist, in zweijährigen Schritten, also von der U10 bis jetzt U16. Auch die U18 gibt es noch, aber das ist wohl eher akademisch. Denn Schachspieler unterliegen nicht zwangsweise einer Alterseinteilung, die vor allem dem Zweck dient, jüngere und damit oft unerfahrene Spieler vor den "alten Hasen" zu schützen. Theoretisch könnte auch ein U8-Spieler gegen einen Seniorenspieler antreten, ohne dass jemand einschreiten würde - schließlich kommt es beim Schach nicht auf körperliche, sondern nur auf geistige Überlegenheit an. Aus diesem Grund können auch Mädchen gegen Männer antreten.

Training mit einem Großmeister


Mittlerweile trainiert Léon mit dem Erlanger Großmeister Michail Prusikin. Mit ihm gemeinsam analysiert er Schachszenen, eigene wie fremde, und kann von dem Großmeister eine Menge lernen. "Das beste Training ist es aber, selbst zu spielen", schwört er auf die berühmten drei Worte, um im Schachsport zur Vollkommenheit zu gelangen: "Üben, üben, üben."
Denn der sportliche Charakter besteht für ihn beim Schach im positiven Stress, in der geistigen Anstrengung. Es gibt durchaus - nennen wir das Kind beim Namen - auch ziemlich dicke Schachspieler, aber wenn man sich fit hält, ist das nicht gerade ein Nachteil. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich auf andere Gegner kaum einstellen kann. Nur bei größeren Turnieren wie dem, zu dem Léon im November fliegt, gibt es Hilfsmittel - Datenbanken, ein wenig vergleichbar denen, die mancher Fußballtorwart vor dem Spiel studiert, etwa um herauszufinden, in welche Ecke ein gegnerischer Stürmer vorzugsweise seine Elfmeter schießt. Manchmal klappt es auch, sich auf die Eigenheiten eines solchen Kontrahenten einzustellen.

Erster unter 30


Für Léon Mons ist es die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Um sich zu qualifizieren, musste er sich unter rund 30 Spielern aus ganz Deutschland einen Platz unter den ersten vier erkämpfen, die dann zur Jugend-WM dürfen. Problem ist, dass nur für den Ersten vom Verband die vollen Kosten übernommen werden.
Pro Sieg erhält der Teilnehmer einen Punkt, für ein Unentschieden 0,5 Punkte. Maximal neun Punkte kann man erreichen, und nach Abschluss von neun Spielen lag Léon mit 7,5 Punkten auf Platz 1. Das berechtigt ihn zur vollen Kostenübernahme durch den Verein. Die weite Reise zu den heißen Quellen von Caldas Novas kann Léon also gelassen antreten - in der Erwartung, dort möglichst erfolgreich abzuschneiden.


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