Hayri und der SVB mischen die Landesliga auf

05.11.2011   Ort: Forchheim  Von: gernot wildt  Fränkischer Tag

Sportler der Woche Der 20-Jährige Hayri Özdemir schwimmt mit dem SV Buckenhofen weiter auf der Erfolgswelle. Nach der Vorrunde in der Fußball-Landesliga Mitte ist der Neuling Tabellenneunter.


Hayri Özdemir Foto: gw
Was für ein steiler Aufstieg: Als dem SV Buckenhofen in der letzten Saison der Aufstieg in die Fußball-Landesliga gelang, wurde er prompt als der erste Absteiger gehandelt. Nur der neue Trainer Rainer Gerlitz prophezeite, dass die Gegner spätestens nach ihrem Auswärtsspiel wissen würden, wo man auf der Landkarte nach Buckenhofen suchen müsse. Ger litz sollte recht behalten. Auf eigenem Platz blieb der Neuling ohne Niederlage, steht nach der Vorrunde nicht auf einem Abstiegs-, sondern auf dem neunten Platz - noch vor dem Lokalrivalen SpVgg Jahn Forchheim. "Schlüssel zum Erfolg" sind nach Gerlitz´ Einschätzung die eigenen Fans und das Personal, und hier schwört der Trainer auf den Abwehrrecken Hayri Özdemir. Der 20-Jährige hält in Vertretung des langzeitverletzten Mannschaftsführers auch als stellvertretender Kapitän das Team zusammen.

Der verlängerte Arm


Wie wichtig der junge Mann aus Erlangen für die Mannschaft ist, zeigte sich vor kurzem, als er ihr einen Spieltag lang fehlte: Prompt verlor der SVB mit 0:6. Der Spitzname, den sich Hayri Özdemir in der Mannschaft erworben hat, ist Programm: Sie nennen ihn "Vidic", nach dem ebenso eisenharten wie kompromisslosen Defensivmann Nemanja Vidic von Manchester United, der schon so manchen gegnerischen Angreifer das Fürchten gelehrt hat. "Er ist mein verlängerter Arm", sagt Gerlitz über Hayri Özdemir, "er steht für das, wie die Mannschaft agiert. Er ist für mich sehr wichtig - sowohl auf dem Platz als auch im Umfeld." Der vom Trainer gewissermaßen Geadelte sieht das mit aller Bescheidenheit: "Na ja - ich freue mich natürlich darüber, dass meine Leistung eine solche Anerkennung findet."
Hayri Özdemir ist beim ATSV Erlangen groß geworden, dem er sich mit sechs Jahren anschloss: "Ich habe etwa 200 Meter Luftlinie vom ATSV-Gelände gewohnt, da bot sich das an." Bis zur D-Jugend war er beim ATSV, um dann zum FSV Erlangen-Bruck zu wechseln, weil er weiter vorwärts kommen wollte. Zu den Kuriositäten dieser Fußballerkarriere gehört es, dass Hayri Özdemir beim ATSV und in Bruck bis zur C-Jugend noch Offensivspieler war und bei beiden Vereinen Tore am Fließband schoss.
Es war in Bruck, als ihn ein Trainer zu mehr Härte anhalten wollte, sich von ihm wünschte, dass er im Zweikampf kompromissloser sei. "Nur wenn beide voll durchziehen, passiert keinem von beiden was", lautete seine verblüffende Mahnung. Hayri Özdemir nahm sich die Ermahnung seines Trainers zu Herzen und wurde fortan nicht nur ein Mann für die Defensive, sondern auch zum "Vidic". Als er in der B- und A-Jugend zum SC Eltersdorf wechselte, musste er allerdings erfahren, dass es mit dem Merksatz "Wie man´s macht, ist es falsch" durchaus seine Richtigkeit hat. Denn sein dortiger Trainer Yilmaz Kocak hielt ihn dazu an, etwas langsamer zu tun. Mit dem gesunden Mittelweg ist Hayri Özdemir gut gefahren - denn auch "von Yilmaz Kocak konnte ich mir eine Menge abschauen".
Bei den Senioren wollte Hayri in die Landesliga und gab dem SC Eltersdorf vorab eine Zusage. Zuvor hatte er aber bereits mit dem SV Buckenhofen Gespräche geführt. In Buckenhofen ist Tom Jäckel aktiv, mit dem Hayri nicht nur gemeinsam in Eltersdorf gespielt, sondern auch seine Ausbildung bei Adidas absolviert hatte. Als in Buckenhofen dringend ein Defensivspieler benötigte wurde, funkte Tom Jäckel Hayri Özdemir an, ob er sich nicht doch einen Wechsel nach Buckenhofen vorstellen könne. Das war zwar "nur" Bezirksoberliga, aber es war gerade noch das Zeitfenster, um als Vertragsamateur wechseln zu können. Also vollzog Özdemir den Schritt nach Buckenhofen.

Coup unter Trainer Hofmann


Zwei Spielzeiten spielte Hayri danach unter Trainer Norbert Hofmann, dem im zweiten Jahr der große Coup mit dem SVB gelang und die vermeintliche graue Maus zum überlegenen Bezirksoberliga-Meister machte. Hayri kann also recht gut vergleichen: "Norbert Hofmann ist ein Trainer der alten Schule, von dem man eine Menge lernen konnte. Rainer Gerlitz hat einen anderen Trainingsstil und wendet ganz neue Methoden an." Auch mit ihm hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt, dessen Grad an der Tabelle abzulesen ist. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass der SV Buckenhofen Liganeuling ist.
"Bis auf zwei oder drei Spieler war die Landesliga für alle totales Neuland", sagt Hayri Özdemir, "wir sind alle jung und wollen lernen, und zu unserem Trainer haben alle vollstes Vertrauen." Dem Trainer - im Hauptberuf Sportpädagoge - ist die Befriedigung anzuhören: "Jetzt weiß auch der Letzte, wo Buckenhofen liegt." Vor Saisonbeginn habe die Mannschaft als Minimalziel Platz 15 vereinbart, der letzte Tabellenplatz, mit dem man nicht direkt in die neue fünfgleisige Landesliga abgestuft werden kann. Von diesem Minimalziel spricht beim SV Buckenhofen keiner mehr. Hayri Özdemir hat sich längst als flexibel gezeigt: "Mein persönliches Ziel habe ich schon längst angepasst."


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