Alex Ghebreigziabiher - der Name ist Programm

28.01.2012   Ort: Weingarts  Von: Gernot Wildt  Fränkischer Tag

Sportler der Woche An seinem Namen hat sich schon so mancher Platz- oder Stadionsprecher die Zähne ausgebissen und sein ganz persönliches Waterloo erfahren. Doch darüber ist sich Alexander Ghebreigziabiher im klaren, schließlich muss er ihn der Fußballer des Kreisligisten DJK Weingarts bei jeder Gelegenheit, seinen Namen auszusprechen, buchstabieren.


Alexander Ghebreigziabiher Foto: Gernot Wildt
Der Einfachheit halber und um Zungenverletzungen vorzubeugen, nennen wir ihn einfach Alex, was ohnehin sein Rufname ist. Alex ist trotz seines in unseren Breiten komplizierten Namens und seiner dunklen Hautfarbe Deutscher ohne Wenn und Aber. Als er drei Jahre alt war, kam er mit seinen Eltern aus dem vom Bürgerkrieg mit dem benachbarten Äthiopien heimgesuchten Eritrea nach Deutschland und kann sich kaum mehr an das Land erinnern, aus dem er ursprünglich stammt. "Ich spreche Deutsch, ich denke deutsch", sagt er. Und da er aus dem dortigen christlichen Bevölkerungsteil stammt, trägt er auch die Werte in sich, die in unserem Land immer noch bestimmend sind.

Geburtsstadt ist Asmara


Seinen Nachnamen übersetzt der 33-Jährige - sehr frei - mit einem Angehörigen der ländlichen, aber auch gottesfürchtigen Bevölkerung, und wenn man ihn auszusprechen versucht, klingt er wesentlich kürzer, wenn auch nicht gerade unkomplizierter. Dieser Name ist Programm, denn Alex hat es stets ins ländliche Umfeld gezogen, obwohl er in Nürnberg wohnt und auch seine Geburtsstadt Asmara, die Hauptstadt von Eritrea, nicht gerade als dörflich gilt.
Als Fußballer ist er - und auch darin ist er wohl sehr deutsch - strikt leistungsorientiert. Das hat aber auch damit zu tun, dass seine sportliche Heimat der 1. FC Nürnberg ist, wo er in der E-Jugend erstmals die Sportstiefel schnürte und dort eine ganz andere Ausbildung genoss als andere Kinder mit Fußball-Ambitionen. Die Disziplin war nötig, denn beim "Club" gehören auch internationale Begegnungen schon in jungen Jahren zum Alltag, und das prägt. "Es war eine tolle Zeit", sagt Alex in der Rückschau.

In der Landesliga


Während der A-Jugend hatte er keine Lust, vorrangig Kondition zu "bolzen", und hatte darum für kurze Zeit ganz mit dem Fußball aufgehört. Aber wenn man das Fußball-Gen in sich trägt, kann das nie von langer Dauer sein. Alex wandte sich der SG Nürnberg/Fürth zu, die damals in der Kreisliga spielte, mit der er aber zweimal aufstieg und somit in der Bezirksoberliga landete. Trainer war dort ein ehemaliger Spieler der SpVgg Fürth namens Norbert Hütter. Zwei Jahre lang blieb er dort und wechselte dann zum ASV Zirndorf, um sechs Jahre lang in der Landesliga tätig zu sein: zwei Jahre in Zirndorf, danach beim FC Amberg, weil ihn sein Zirndorfer Trainer unbedingt mitnehmen wollte, dann noch ein Jahr beim ASV Vach.

"Da geh ich lieber"


Dass er schließlich beim ASV Forth landete, hatte etwas mit dem Forther Spielertrainer und Torwart Florian Beck zu tun, der später in Kornburg anheuerte. Dort lief alles gut, bis dann nach einer Saison eine Reihe von Spielern den Verein verlassen wollte. Alex sah in Forth keine Perspektive mehr, denn: "Ich denke immer leistungsorientiert, und wenn sich absehen lässt, dass ich in einer Mannschaft herumkicken muss, mit der nicht viel Staat zu machen ist, gehe ich lieber."
In Weingarts war damals Jens Zweck Spielertrainer, mit dem Alex eine Saison lang in der Landesliga gespielt hatte. "Jens als Stoßstürmer, ich selbst als Spielmacher in der zweiten Angriffsreihe - das wär´s gewesen." Den Aufstieg verpassten beide nur knapp, wurden mit der DJK Weingarts Dritter. Zweck ging daraufhin im letzten Jahr nach Gößweinstein - und dann kam Trainer Norbert Hofmann von Buckenhofen nach Weingarts.
Was nun kam, war wohl das, was sich Alex wirklich unter einem leistungsorientierten Spiel vorgestellt hatte. Er erklärt: "Norbert Hofmann merkt man seine Bundesligaerfahrung an, er kann hervorragend mit jungen Spielern umgehen, und oft merkt erst man am Ende eines Trainingstages, dass man überhaupt gelaufen ist. Daran erkennt man die Qualität eines Trainers. Sogar ich als landesliga-erprobter Spieler kann von Norbert Hofmann noch so einiges lernen."
In der laufenden Saison hatte die DJK Weingarts ein kleines Tief, hauptsächlich bedingt durch Verletzungen, die sich dadurch auch auf die Zweite Mannschaft auswirkten. In den letzten sieben Spielen vor der Winterpause fing sich das Team jedoch wieder, und es gab sechs Siege, so dass die DJK momentan auf dem fünften Platz liegt. Der Aufwärtstrend machte sich auch in der Halle spürbar, weil die DJK Weingarts - für viele überraschend - in die Endrunde der Kreismeisterschaft einzog und sich gemeinsam mit dem neuen Kreismeister ASV Pegnitz für die Bezirksmeisterschaft qualifizierte.
"Ich hoffe, dass der Rest der Rückrunde ohne Verletzungen abgeht", spricht der angehende Realschullehrer für die gesamte Mannschaft, die zeitweise auf den achten Platz zurückgefallen war. "Es ist eine tolle Mannschaft, das Umfeld ist vorbildlich, und sie haben es nicht verdient, noch einmal in so ein tiefes Loch zu fallen", meint Alexander Ghebreigziabiher. Und er setzt noch eine weitere Hoffnung hinzu: "Ich hoffe, dass die gerade begonnene Serie weiter anhält."

Zur Person


Weitere Infos über Alexander Ghebreigziabiher finden Sie im Fränkischen Tag vom Samstag, 28. Januar 2012.



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