14 Mann beliebig ein- und auswechseln

27.07.2010   Von: Martin Rehm  inFranken.de

Fußball Die Neuregelung des Rückwechselns auf Kreisebene der Erwachsenen sorgt für Gesprächsstoff. Ein Trainer darf wie bisher drei Mann einwechseln, dann aber alle 14 am Spiel beteiligten Akteure munter tauschen. Der Schiedsrichter soll auf Zeitspiel achten.


Spielerwechsel können künftig häufig in einer Partie vorkommen. Foto: herzopress
Am Montagabend hat der Bayerische Fußball-Verband die am Verbandstag beschlossene neue Regel des Rückwechselns im Amateurbereich auf Kreisebene eingeführt. Drei Ersatzspieler dürfen künftig nahezu beliebig oft ein- und ausgewechselt werden (siehe Info-Kasten), wie es im Jugendbereich analog mit vier Spielern läuft. Dahinter verbergen sich womöglich revolutionäre Auswirkungen mit viel Diskussionsbedarf. Denn im Klartext heißt dies: Eine Mannschaft hat wie bisher elf Mann plus drei Auswechselspieler, aber diese 14 Mann "dürfen x-beliebig ein- und ausgewechselt werden", wie der Bezirksschiedsrichterobmann des Fußball-Bezirkes Mittelfranken, Gerhard Pech, verdeutlicht.

Horst Höhn, ehemaliger Landesliga-Torwart der SpVgg Jahn Forchheim und seit der neuen Saison Trainer des Kreisligisten VfB Forchheim, meint: "Ich halte nicht viel davon, ich hätte mit der alten Variante weitergemacht. In den unteren Klassen kann ein Schiedsrichter ohne Assistenten schnell den Überblick verlieren: wer kommt, wer geht?"

Vor allem die Klausel, dass der Unparteiische eine Einwechslung verweigern kann, wenn er eine absichtliche Spielverzögerung erkennt, hält Höhn für sehr bedenklich, da könnten Schiedsrichter schnell überfordert sein: "Das gibt Chaos! Das ist immer so eine Sache, wenn etwas im Ermessen des Schiedsrichters liegt. Es kann ja sein, dass ich kurz vor Schluss angeschlagene Spieler habe und dann gehandicapt werde, weil der Schiedsrichter mich nicht wechseln lässt, was vorher aber gegangen ist."

Der Kreisspielleiter Erlangen/Pegnitzgrund, Max Habermann, meint grundsätzlich: "Ich weiß nicht, ob das die Ideallösung ist. Wenn es nicht klappt, kann man es ja wieder abschaffen. Aber man muss es jetzt probieren. Denn die große Mehrheit der Vereine ist bei allen außer einem Kreistag dafür gewesen. Was ich nicht verstehe: Auf den Kreistagen waren circa 80 Prozent der Abstimmenden Vereinsvertreter, und jetzt kommt das große Geschrei."

Habermann, ehemaliger Obmann der SR-Gruppe Fränkische Schweiz, sieht die Wechselmodalitäten "nicht so problematisch". Wenn drei Spieler ausgewechselt worden sind, könne der Schiedsrichter diese an eine bestimmte Stelle der Ersatzbank setzten lassen oder anders kleiden lassen, um sie nicht mit anderen zu verwechseln. "Im Normalfall", so Habermann, "denke ich, dass sich die neue Regel schon einbürgert und nicht nur ausgenutzt wird. Ein Wechsel bringt ja nichts, wenn einer nicht ganz so stark ist."

Obwohl er nicht dafür ist, kann sich Horst Höhn schon vorstellen, die Regel für sich zu nutzen: "Für mich ist das gar nicht so schlecht, da ich einen dünnen Kader habe. Wenn einer nicht ganz fit ist, kann ihn mal rausnehmen." Allerdings werde er nicht wild wechseln, denn: "Ich bin auf meine guten Spieler schon angewiesen." Aber gerade für einen Freistoß oder Elfmeter einen Spezialisten von außen zu bringen, ist für ihn eine Option. Höhn gibt jedoch zweierlei Maßstab zu bedenken: "Gegen Ende des Spiels ist das aber unter Umständen nicht mehr möglich, weil der Schiedsrichter Zeitspiel unterstellt."

Max Habermann meint, dass es gerade für Mannschaften, die nur mit zwölf oder 13 Mann antreten, gar keine so schlechte Sache sei, um den Spielbetrieb aufrechtzuhalten, "bevor sie ganz aufhören muss". Für Leistungsklassen wie die Kreisliga könne man aber schon diskutieren, ob dies nötig sei. Für die in der A-Klasse antretende zweite Mannschaft des VfB Forchheim ist die neue Regel laut Horst Höhn nicht notwendig, "denn wir haben da viele Leute". Allerdings seien einige Fußballer unter der Woche berufsbedingt nicht beim Training, da könne es im Spiel schon von Vorteil sein, wenn man Leuten Verschnaufpausen verschaffen könne.

Max Habermann weist im Hinblick auf mögliches Zeitspiel bei Einwechslungen auf einen Aspekt hin, der auch bisher schon zum Tragen kam: "Es liegt immer noch im Ermessen des Schiedsrichters, wann er auswechseln lässt. Bisher mussten die Ersatzspieler auch schon mal warten."

Höhn selbst hat sich wie offenbar viele andere mit dem Thema erst befasst, nachdem der Verbandstag darüber schon beschlossen hatte. Er meint: "Die Einführung ist schon sehr kurzfristig. Es ist verwunderlich, dass das jetzt so schnell ging. Man hätte das für nächste Saison vorbereiten sollen."

Beschluss


Nachdem das Rückwechseln im Juniorenbereich bereits seit Jahren praktiziert wird, ist dies nun auch im Erwachsenenbereich möglich. Der entsprechende Antrag wurde beim 23. Ordentlichen Verbandstag in Bad Gögging gestellt und mehrheitlich von den Vereinsvertretern verabschiedet. Bei den Kreistagen gab es mehrheitlich Zustimmung, im Kreis ER/PEG 51:40 Prozent, im Kreis BA/BT 71:25 Prozent.

Regel


Drei Auswechselspieler (bzw. vier bei Frauen und nicht aufstiegsberechtigten Reserven) können beliebig oft ein- und ausgewechselt werden. Es dürfen aber immer nur die gleichen Spieler ein- oder ausgewechselt werden.

Beispiel


Hat ein Trainer zum Beispiel die Spieler mit der Nr. 12, 13, 14 für die Nr. 2, 3 und 4 eingewechselt, so darf er fortan alle Spieler von 1 bis 14 beliebig wechseln. Nur etwaige Spieler mit der Nr. 15, 16 usw. dürfen dann (wie auch bisher) in diesem Spiel nicht eingesetzt werden. Die in unserem Beispiel ausgewechselten Nr. 2, 3, 4 können eingewechselt werden für einen beliebigen Spieler Nr. 1, 5 bis 14. Es muss also nicht Nr. 2 für Nr. 12 (oder 13 und 14) zurückgetauscht werden, sondern kann etwa für Nr. 7 aufs Feld kommen. Die dann ausgewechselte Nr. 7 kann wieder beliebig etwa für Nr. 9 oder 13 zurückkommen. Ausgewechselte Spieler müssen sich in der "Technischen Zone" aufhalten.

Geltungsbereich


Bei Punktspielen der Herren ist das Rückwechseln nur auf Kreisebene erlaubt, also von der Kreisliga bis B-Klasse. Bei den Frauen gilt dies bis einschließlich Bezirksebene. Im DFB-Toto-Pokal der Herren gilt die Regelung bis einschließlich Kreisfinale, ist dort also auch für Bezirks- und Bezirksoberligisten erlaubt.

Privatspiele


Die Anzahl der erlaubten Rückwechsel legen die beteiligten Vereine im Vorfeld der Partie fest und ist dem Schiedsrichter mitzuteilen.

Prozedur


Der Wechsel muss grundsätzlich in einer Spielunterbrechung und mit Zustimmung des Schiedsrichters vollzogen werden. Wenn der Schiedsrichter meint, dass der Wechsel nur der Spielverzögerung dient (etwa kurz vor Schluss), hat er die Möglichkeit, den Wechsel abzulehnen bzw. dann ist diese Zeit unbedingt nachzuspielen.

Verletzungen/Platzverweis


Wird ein Spieler wegen Verletzung ausgewechselt und kann an der Partie nicht mehr teilnehmen, so verringert sich entsprechend die Anzahl der Spieler dieser Mannschaft, die im weiteren Verlauf zurückgewechselt werden können. Dies gilt auch, wenn ein Spieler mit Roter oder Gelb-Roter Karte
des Feldes verwiesen wird.

Sonderfall


Bei einem Strafstoßschießen (Pokal) sind nur die Spieler zugelassen, die beim Schlusspfiff auf dem Platz waren. Für einen Freistoß oder Elfmeter im regulären Spiel dagegen kann ein Akteur gezielt eingewechselt werden - aber nur mit Zustimmung des Referees.

Umsetzung


Gerhard Pech, Bezirksschiedsrichterobmann in Mittelfranken, erklärt: "Es wurden von mir alle Obleute in den Schiedsrichtergruppen über die Neuregelung informiert mit der Bitte, dies an die Lehrwarte weiterzugeben." Die Anwendung der Regel sollte laut Pech den Schiedsrichtern vertraut sein aus dem Jugendbereich, wo das Rückwechseln (von vier Spielern) bereits Usus ist. Damit ein Schiedsrichter nicht kurz vor Spielende zum Buhmann werde, weil er eine Einwechslung wegen vermeintlicher Spielverzögerung verweigerte, habe er die andere Möglichkeit, nachspielen zu lassen. Pech sagt: "Dann dauert eben ein Spiel öfter einmal 97 oder 98 Minuten." rm




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