Vier Tore sind wie Medizin
29.10.2011
Ort: Pautzfeld Von: Gernot Wildt ![]()
Sportler der Woche Wenn eine Mannschaft in einem Derby mit 5:1 gewinnt, dient ihr das mit Sicherheit zur Freude und zu der Befriedigung, etwas geleistet zu haben. Für Jonas Haas von der DJK Pautzfeld bleibt dennoch ein bittersüßer Beigeschmack, auch wenn er selbst in diesem Spiel vier der fünf Treffer erzielt hat.
Dieser Frank liegt seitdem im Krankenhaus, und die ganze Mannschaft ist um ihn besorgt. Erst am Montag nach dem Spiel hat ihn Jonas in der Klinik besucht und ihm von dem deutlichen Sieg in der Fußball-A-Klasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund gegen die DJK Weigelshofen berichtet - gewissermaßen als Trostpflästerchen: Denn Frank hatte in dieser Zeit andere Sorgen, als sich um ein Fußball-Ergebnis Gedanken zu machen. Gefreut habe er sich aber trotzdem, berichtet Jonas. Und die Tatsache, dass die ganze Pautzfelder Mannschaft für ihn gespielt hat, zeigt, welcher Geist in dem Team herrscht. Selbst im Unglück bleibt ein Mitspieler nicht allein. Das heilt zwar keine Brüche und hilft auch nicht über Wirbelstauchungen oder sonstige Verletzungsfolgen hinweg, aber es kann eine Art virtuelles Wundpflaster sein, das dem Betroffenen zeigt: Wir denken an dich, auch wenn es vielleicht noch einige Zeit dauert, bis du wieder mit uns auf dem Fußballplatz stehen und Siege erringen kannst.
Die DJK Pautzfeld ist ein Dorfverein im besten Sinne des Wortes. Die Spieler kommen aus dem Ort selbst, die Möglichkeiten zur Blutauffrischung von außerhalb sind überschaubar. Fünf Fußballvereine in der Gemeinde Hallerndorf, zu der Pautzfeld gehört, bedeuten, dass man kein unerschöpfliches Reservoir verfügbar hat, um junge Spieler zu begeistern und an sich zu binden. Und es spricht für alle diese Vereine, dass sie es dennoch schaffen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Jugendarbeit zu betreiben. Auch die DJK Pautzfeld bildet da keine Ausnahme.
Anfänge in Röbersdorf
Für die Möglichkeiten, die sich zur Überregionalität bieten, scheint allerdings Jonas Haas selbst ein Beleg zu sein. Seine ersten fußballerischen Schritte tat er nämlich in Röbersdorf, einem Gemeindeteil von Hirschaid, aus dem sein Vater stammt. Die F- und die E-Jugend absolvierte er dort. "Wir waren damals eine ziemlich gute Truppe", erinnert er sich, "von den Spielern, die damals dabei waren, spielen heute fast alle in der Ersten Mannschaft."
Danach setzte Jonas ein halbes Jahr komplett aus, aus Gründen, wie sie in diesem Alter immer einmal vorkommen können: Er durfte nicht dort spielen, wo er spielen wollte, und er erklärte kategorisch, nicht mehr weitermachen zu wollen. Er ging dann nach Neuses. Der Trainer Gottlieb Wirth sorgte für einen beachtlichen Zulauf bei den Jugendlichen der folgenden Altersklassen, der die Jugendarbeit des SC Neuses nachhaltig belebte. Bis zur B-Jugend blieb Jonas in Neuses.
Es war Gottlieb Wirth selbst, der von einem Sichtungstraining erzählte, das beim TSV Hirschaid stattfinden solle. Jonas wollte schon immer in einer höheren Klasse spielen, und auch Wirths Sohn hatte ähnliche Ambitionen. Gemeinsam mit ihm nahm Jonas an dem Training teil - und wurde gemeinsam mit ihm genommen.
Im zweiten Jahr B-Jugend wechselte Jonas zur JFG Franken Forchheim, wo er allerdings nur ein halbes Jahr spielte, weil er mit dem damaligen Trainer dort Probleme bekam. Im Sommer 2009 wechselte er dann zur DJK Pautzfeld, was sich auch deshalb anbot, weil sein Vater in Pautzfeld einen Handwerksbetrieb hat. Auch alle seine Kumpels wollten in Pautzfeld spielen.
In dieser Zeit hatte die DJK wirklich zu kämpfen. Der Trainer verließ den Verein. Ein Nachfolger kam und wurde zu einem Glücksfall: Denn es gelang, den früheren Bayernligaspieler Christian Böhm aus dem benachbarten Forchheimer Stadtteil Burk für die Pautzfelder zu interessieren.
Ein halbes Jahr in Forchheim
Der sah sich mehr als reiner Banktrainer, schnürt nun aber gelegentlich selbst die Fußballstiefel, wenn Not am Mann ist. Nunmehr ist Böhm im dritten Jahr in Pautzfeld, und es ist ihm gelungen, Struktur in eine bis dahin eher unstrukturierte Mannschaft zu bringen. Wenn ein namhafter Mann die Schalthebel bewegt, kann das auch dazu führen, dass sich Jugendliche dem Verein anschließen, zu denen man ansonsten weniger Zugang findet.
Bis dahin war die DJK Pautzfeld eher in den Niederungen der Tabelle zu finden, doch schon im ersten Jahr mit Christian Böhm änderte sich das Bild. In der Saison 2009/10 musste sich Pautzfeld gegen eine Übermacht an Reservemannschaften durchsetzen und wurde Neunter. Es war ein ganz neues Gefühl, auf die Tabelle zu blicken, vor allem, da Pautzfeld mit Weigelshofen und Drügendorf auch erste Mannschaften hinter sich ließ. In der letzten Saison galt es, nach der Einführung von B-Klassen nicht schlechter als auf dem achten Platz abzuschließen, um nicht abzusteigen.
Mit dem 5:1-Sieg vom letzten Wochenende haben sich die Spieler von Christian Böhm in dieser Saison auf Platz 6 befördert - der weitere Aufwärtstrend zeichnet sich also ab. Mit seinen vier Treffern hat Jonas Haas also auch für seinen Stürmer-Freund Frank einen kleinen Beitrag zur Gesundung geleistet.
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