Ein Hattrick wie Balsam für die Seele

15.10.2011   Ort: Schlaifhausen     Fränkischer Tag

Sportler der Woche André Finze von der DJK/FC Schlaifhausen hatte eine Sternstunde. Bis dahin erzielte er in seiner kurzen Laufbahn als Spieler im Männerfußballteam seines Vereins nach seiner eigenen Erinnerung gerade mal zwei Tore.


André Finze Foto: Gernot Wildt
Doch dann kam die Begegnung der Fußball-A-Klasse 3 ER/PEG gegen den FC Leutenbach, und da wuchs André Finze über sich hinaus. Mit einem Hattrick in der 50., 53. und 84. Minute "erschoss" er den Kreisklassen-Absteiger beim 5:1 fast im Alleingang.
Absteiger sind besonders schwer auszurechnen - das galt vor der Partie auch für die Mannschaft des Schlaifhausner Trainers Wolfgang Auer. Denn Leutenbach hatte sich bis dahin höchst unterschiedlich gebärdet: beim 10:2 gegen den SC Kühlenfels II wie ein ambitionierter Wiederaufsteiger, beim 2:5 gegen den TSV Kirchehrenbach II wie eine Mannschaft, die noch immer nach der Flinte sucht, die sie kürzlich ins Korn geworfen hat.
Auf der anderen Seite zeigte sich aber auch die DJK/FC Schlaifhausen, in der letzten Saison knapp gescheiterter Teilnehmer an der Aufstiegsrelegation, ziemlich "wetterwendisch", wie André Finze das ausdrückt. Da verlor sein Team mit 0:1 gegen den in dieser Saison in der unteren Tabellenhälfte zu suchenden SV Bieberbach, gewann aber mit dem gleichen Ergebnis gegen den Aufstiegskandidaten DJK Weingarts II. Am Spieltag danach hagelte es beim 3:7 in Kirchenbirkig eine saftige Niederlage, die Wolfgang Auer seine Spieler auch einige Tage später noch spüren ließ, als er zum Training erschien. Nach seiner Miene zu schließen, stand der Mannschaft des FCS ein Training der Marke "Quälix" bevor, und da erinnert sich André Finze besonders gern an seine Sternstunde zurück.
"Mutterverein" von André Finze ist der TSV Kirchehrenbach, wo er bis in die B-Jugend hinein gespielt hatte. Doch in seinem letzten Jahr als B-Jugendlicher ereilte ihn der Fluch vieler Fußballer in Gestalt eines Kreuzbandrisses. Das erste Jahr A-Jugend konnte er komplett in die Tonne treten. Als er nach knapp einem Jahr wieder anfing, gab es eine erneute Verletzung. "Es war irgendein falscher Schritt", sagt er heute. Die Folge: ein erneut angegriffenes Kreuzband, Operation, wieder eine längere Zwangspause. "Die A-Jugend konnte ich fast völlig abschreiben", blickt der 20-Jährige zurück.
Jetzt, in seinem ersten Jahr bei den Männern, greift er wieder an: "Ich habe mich entschlossen, weiter unten anzufangen, weil ich in der Kreisliga, in der Kirchehrenbach spielt, wohl keine Spielpraxis bekommen hätte." Das war das Glück der Schlaifhausner, obwohl man sagt, in der Kreisliga werde ein gepflegterer Fußball gespielt als in der A-Klasse.
"In der Jugend habe ich viele Tore geschossen, darunter auch einige Hattricks", erinnert sich André Finze, der aus einer in der Region bekannten Fußballerfamilie stammt. Sein Vater Kurt hat hier gespielt, sein Cousin kickt beim SV Pretzfeld, beide waren bekannte und von den Gegnern gefürchtete Torjäger. Bis André in deren Fußstapfen treten kann, liegt noch eine größere Wegstrecke vor ihm, da er - streng genommen - immer noch Rekonvaleszent ist und sich allmählich aufbauen muss.
Der Hattrick gegen den stärker eingeschätzten Absteiger war für André Finze daher literweise Balsam für die Seele. Wie die Tore in so kurzer Abfolge zustande kamen, schreibt er nicht nur seinen Fähigkeiten zu, sondern auch seinen Mitspielern: "Beim ersten Treffer hat mir einer den Ball durchgesteckt, vor dem zweiten hat mir mein Mitspieler Alin Hatu den Ball quergelegt, so dass ich nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte. Und beim dritten Tor habe ich einen guten Pass bekommen, und da habe ich aus 18 Metern abgezogen."
André Finze ist in seiner Einschätzung zu den diesjährigen Aufstiegschancen eher zurückhaltend. "Die SpVgg Reuth wird es heuer wohl machen", meint er, und auch der SV Kirchenbirkig sei stark, "obwohl sie gegen uns gar nicht so gut waren".
Er wäre schon zufrieden, wenn seine Mannschaft - nach derzeit neun Spielen Tabellensiebter in der 15er-Liga - einen Platz in der oberen Tabellenhälfte erreichte, wenn auch "mit Tuchfühlung zu den Spitzenmannschaften". Für sich selbst hat der nach wie vor gebremste Torjäger nur einen einzigen echten Wunsch: "Hoffentlich gibt es keine Verletzungen mehr."


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