"Kakses" dreht schwindelig

29.10.2011   Ort: Herzogenaurach     Fränkischer Tag

Sportler der Woche Seit etwa 23 Jahren wirbelt der quirlige Peter Kares durch die bayerischen Handballhallen. Mit seinen 34 Jahren zählt der trickreiche Flügelspieler zu den absoluten Leistungsträgern der Turnerschaft Herzogenaurach.


Peter Kares setzt zu seinem Drehwurf an. Foto: Max Kaltenhäuser
Peter Kares räumt auf. Er räumt auf mit dem Vorurteil, dass Handballer immer zwei Meter groß und drei Meter breit sein müssen. Der quirlige Rechtsaußen der Turnerschaft Herzogenaurach zählt mit seinen 1,72 Metern Körpergröße zu den großen Leistungsträgern der ersten Herrenmannschaft - und das seit geraumer Zeit. Immerhin ging der 34-Jährige schon als Minis für die TSH auf Torejagd.

Umgang mit dem runden Leder


Vor etwa 28 Jahren folgte der sechsjährige Peter seinem großen Bruder Rudi ins Handballtraining. Schnell fand sich der flinke Ballwerfer in der Handballhalle zurecht; Kares blickt sehr gerne darauf zurück: "Ich bin damals in eine Jugendmannschaft mit nur acht oder neun Spielern gekommen. Dort habe ich dann mit Leuten wie Ingo Kundmüller oder Bernd Schech zusammengespielt." Ans Aufhören dachte "Kakses", wie er von seinen Kollegen gerne genannt wird, trotz des dünn besetzten Jahrgangs damals nicht.
Doch als Peter in den Herrenbereich kam, entdeckte er seine Leidenschaft zum größeren runden Leder: Mit 18 Jahren schnürte Kares erstmals die Fußballschuhe für den ASV Herzogenaurach, ehe er nach kurzer Zeit zum SC Nord und zum 1. FCH wechselte. "Ich bin mit dem damaligen Handballtrainer nicht zurechtgekommen. Daher habe ich meine Priorität auf Fußball gesetzt", erzählt Kares. Jedoch brach der Kontakt zu den TSHlern in diesen fünf Jahren nie ab. Erst als er vom damaligen Turnerschafts-Coach Bernhard Müller gefragt wurde, ob er wieder bei der Ersten einsteigen möchte, stimmte "Kakses" zu. Sofort gelang der Aufstieg in die Landesliga. Ein Erfolg, der den Flügelflitzer prägte: "Müller war sicherlich der ehrgeizigste Trainer. Die Spiele damals mit Rudi und Ingo waren einfach nur sensationell."

Vereinstreue


Aber nicht nur die gute Stimmung lotste Kares nach fünfjähriger Abstinenz zurück zu den Handballern. Auch der besondere Reiz der Sportart spielte eine wichtige Rolle: "Handball ist einfach schneller und vielseitiger als Fußball. Man kann schneller reagieren und hat damit mehr Möglichkeiten." Die Möglichkeit zu einem höherklassigen Verein zu wechseln, nahm Peter jedoch nie wahr.
Selbst nach dem Abstieg aus der Landesliga in der Saison 2008/09 hielt er als einer der wenigen Leistungsträger seinem Verein die Treue. Auch ein Wechsel zum neu formierten Handballverein Herzogenaurach steht für den ehrgeizigen 34-Jährigen nicht zur Debatte. "In meinen Augen ist das HVH-Projekt Schwachsinn. Letztlich nehmen wir uns gegenseitig die Ressourcen weg. Dort spielen viele alte TSHler, deren Gründe für den Wechsel ich überhaupt nicht verstehen kann."
TSH-Trainer Ben Ljevar wollte den erfahrenen Leistungsträger Kares unbedingt halten: "Anfangs gab es die Überlegung, ob Peter eher in der Reservemannschaft spielen sollte, da er beruflich viel unterwegs ist. Aber er gibt immer hundert Prozent und ist für jedes Team eine absolute Bereicherung." Dies stellte "Kakses" gleich in der ersten Partie dieser Saison unter Beweis. Nach seiner Einwechslung zehn Minuten vor Schluss drehte er das Auswärtsspiel in Auerbach und führte die erste Herrenmannschaft zum knappen Sieg. Coach Ljevar erzählt: "Peter hat gleich für ordentlich Schwung gesorgt. Ich kenne keinen Rechtshänder, der aus solchen unmöglichen Positionen trifft."

Der "Kaksendreher"


Gerade diese schwierigen Würfe zählen zu den absoluten Spezialitäten des 34-Jährigen. Er perfektionierte seinen eigenen Trickwurf, der regelmäßig Torhüter zur Verzweiflung bringt. Seine Mitspieler gaben dem Drehschuss sogar einen eigenen Namen: So entschied der "Kaksendreher", der sich beim Bodenkontakt wie von magischer Hand um den Keeper windet, schon einige Partien für die Turnerschaft: Zum Beispiel das Spiel gegen eine Gastmannschaft aus Sainte Luce. Kares blickt voller Stolz darauf zurück: "Damals habe ich 15 oder 16 Tore gemacht. Ich hatte eine Wurfquote von hundert Prozent und das vor so einer großen Kulisse. Das war unbeschreiblich."

Comeback-Fähigkeit


Es folgten jedoch schlimme Verletzungen, die das Talent zu Auszeiten zwangen. Kreuzbandrisse, Knöchelschäden und weitere Bänderrisse machten "Kakses" das Leben schwer. "Handball ist ein harter Kontaktsport mit vielen versteckten Fouls. Jedoch habe ich mir fast alle Verletzungen beim Fußball geholt." Nichtsdestotrotz gelang ihm immer wieder der Sprung zurück in den Stammkader. Dies hat Kares vor allem seinem schnellen Konterspiel zu verdanken. Trainer Ljevar ist froh, auf einen derartigen Routinier zurückgreifen zu können.
In diesem Jahr möchte Kares verletzungsfrei bleiben und möglichst weit oben in der BOL mitmischen. Ob er im Falle eines Aufstieges, weiterspielen würde, macht er von seiner körperlichen Verfassung abhängig. Fakt ist: Sogar in der Landesliga hat "Kakses" seine Gegner schon schwindelig gespielt, obwohl er keine zwei Meter groß ist.


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