Menschliche Wärme

02.02.2012   Ort: Schweinfurt/Bad Kissingen     Saale-Zeitung

Eishockey Die Schweinfurter Mighty Dogs erwarten zum Spitzenspiel gegen Sonthofen bis zu 2000 Zuschauer im Icedome. Die Kissinger Wölfe wollen sich unbedingt vor Haßfurt platzieren.


Mit Benjamin Dirksen (rechts) haben die Schweinfurter Mighty Dogs den statistisch besten Goalie der Liga. Dessen Fangkünste sind am Wochenende besonders gefragt. Foto: Horling
Mehr Spannung geht nicht. Am finalen Wochenende der Hauptrunde der Eishockey-Bayernliga erwarten die Mighty Dogs (1./68 Punkte) als Tabellenführer zunächst am Freitag, 3. Februar, ab 20 Uhr den Verfolger aus Sonthofen (2./67), um zwei Tage später (18 Uhr) zum Dritten nach Bayreuth (3./66) zu müssen. Mit einem Drei-Punkte-Sieg würden die Schweinfurter am Freitagabend die Bulls auf Distanz halten und könnten bei einem Bayreuther Ausrutscher in Miesbach womöglich schon den Platz an der Sonne feiern. Ansonsten kommt es am Sonntag zu einem fränkischen Endspiel. Parallel dürfte Sonthofen gegen Waldkraiburg wohl nichts anbrennen lassen.

Die Fakten vor dem Wochenende sind beeindruckend. 28 Punkte aus 14 Partien holte der amtierende Meister Sonthofen auswärts, ist hinter Schweinfurt und Memmingen in der Fremde das beste Team. Zuhause sind die Allgäuer noch stärker als die Mighty Dogs, beide Teams werden aber getoppt von Bayreuth, das alle seine 14 Heimspiele gewann. Sonthofen stellt mit Ron Newhook (56 Punkte) den Topscorer der Liga, Bayreuth mit Josef Potac (38) den offensiv stärksten Verteidiger. Dafür hat Schweinfurt mit Mikhail Nemirovsky (40 Punkte) den besten Vorlagengeber und mit Benjamin Dirksen (1,91 Gegentore im Schnitt) den Top-Goalie.

Als Siebter mit sechs Toren und 17 Assists steht Mark Dunlop ebenso in den Top-Ten bei den Defensivkräften. "Auf so ein Spiel um Platz eins freut man sich natürlich. Wenn wir das schaffen, wäre es ein großer Erfolg", sagt der 27-Jährige, der als gebürtiger Selber natürlich eine ganz besondere Beziehung zu den Wagnerstädtern hat. "Die Duelle gegen Bayreuth waren immer heiß. Dort kennt man mich noch, dort mag man mich nicht so sehr", weiß Dunlop, dessen Vater Tim einst Topspieler in Selb war. Als er drei Jahre alt war, ging die Familie aber nach Kanada zurück ins Heimatland des Vaters. Alte Verbindungen nach Selb sorgten für Marks Rückkehr, als er 18 war. Ein Jahr spielte er bei den Hochfranken, ging dann wieder nach Hause, machte seinen Schulabschluss und die Ausbildung in einer Polizeischule, um mit 23 wieder nach Deutschland zu kommen.

"Ein Angebot aus dem Nichts" sei es gewesen, das ihn über seinen Agenten aus Neu-Ulm erreichte. Dorthin wechselte er, ehe Dunlop die Schattenseiten des Eishockeys erlebte. In Ulm gingen die Lichter aus. Eigentlich wollte er damals wieder nach Selb zurück, doch die Vertragsgespräche scheiterten. Stattdessen ging er nach Hügelsheim, erlebte auch dort einen finanziellen Schiffbruch, ebenso später in Bergisch-Gladbach, wo er landete, weil er bei der zwischenzeitlich in Köln arbeitenden Mutter (die Eltern hatten sich getrennt) Station machte. Danach stand Höchstadt auf dem Programm. Als bei den Alligators 50 Prozent der Gehälter eingefroren wurden, stand letzte Saison der Wechsel nach Schweinfurt an.

Mit Ole Swolensky teilt sich Mark Dunlop eine Wohnung. Freundin Rebecca wohnt in Toronto. Künftig sehen sich beide vielleicht öfters. "Ich glaube, ich spiele nächstes Jahr in Amerika, um näher an Zuhause zu sein und langsam anzufangen mit einem richtigen Beruf", sagt der Verteidiger. Bei den Mighty Dogs ist er als Nachwuchstrainer tätig, unterstützt Steffen Reiser ab und an auf der Geschäftsstelle. "Ich mag Deuschland sehr gerne, will aber den Rest meines Lebens in Kanada verbringen", sagt Dunlop. Im Laufe des Gesprächs freilich wird klar: Noch eine Runde Bayernliga würde er sich in Schweinfurt wohl nicht antun. Im Falle eines Aufstiegs könnte sich der 27-Jährige vielleicht nochmal überreden lassen.

Aktuell besteht die Gefahr, dass der oft sehr hart spielende Verteidiger bald mal wieder gesperrt sein könnte. Fünf "Zehner"-Strafen hat er bereits angesammelt, nach der nächsten "Diszi" wäre eine Pause angesagt. Gegen Sonthofen sollte nichts passieren, denn in Bayreuth will Mark Dunlop unbedingt an Bord sein.
Die kalten Abende sollten die Fans am Wochenende nicht stören. "Das ist doch Eishockeywetter. Und im Icedome ist's auch wärmer als draußen", sagt Sportdirektor Steffen Reiser. "Wenn dann bis zu 2000 Leute drin sind, wird's doch sogar richtig angenehm." Schon bis Dienstag waren rund 600 Tickets im Vorverkauf weg, für die Tribüne gibt's gar keine Karten mehr.

Weiter an einer guten Endplatzierung arbeiten derweil die Kissinger Wölfe in der Landesliga. Die Steilvorlage lieferte der Tabellenführer. Die weiter verlustpunktfreien Moosburger siegten in Haßfurt vor Wochenfrist überdeutlich mit 14:3. Womit die Mainstädter (4./31:15) nur einen Pluspunkt mehr haben als die Kissinger Wölfe (5./30:16). "Unser Ziel ist, vor Haßfurt in der Tabelle zu stehen, dafür werden wir jetzt alles tun", kündigte Wölfe-Manager Andreas Görke unmittelbar nach dem 7:6-Erfolg über Amberg an. Im drittletzten Spiel der Saison empfangen die Kurstädter am Samstag (18 Uhr) den ERC Regen (10./16:20), der im Hinspiel von Franek und Co. deutlich mit 10:3 bezwungen worden war. Eine ähnlich gute Defensivleistung wird Spielertrainer Marc Hemmerich auch diesmal fordern, denn 19 Gegentreffer in den Spielen gegen Gebensbach (11:6), Freising (2:7) und Amberg (7:6) sind eines Spitzenteams nicht würdig. Im vorletzten Heimspiel dieser Landesliga-Saison erhoffen sich die Verantwortlichen um Vorsitzenden Christian Keul die Unterstützung der Fans im Fernduell mit Haßfurt.


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