Schuldenberg des FC Schweinfurt 05 wächst
20.12.2011
Ort: Schweinfurt ![]()
Jahreshauptversammlung Der alte Vorstand wird nicht entlastet. Das neue Team um Markus Wolf fühlt sich getäuscht und erwägt Schadenersatzansprüche.

Der Vorstand des FC Schweinfurt 05 mit von links Schatzmeister Bruno Rath, Markus Wolf, Jürgen Menninger und Schriftführer Gerald Straub hatte wenig Erfreuliches zu berichten. Foto: stt
"Man wird für gute Arbeit belohnt, also muss man für schlechte auch bestraft werden", fasste der seit 10. Mai 2010 verantwortliche Vorsitzende Markus Wolf seine Sichtweise zusammen. Von ernüchternden Zahlen sprach Wolf, der erklären durfte, warum diese Zahlen so spät aufgearbeitet werden konnten. Das Steuerbüro musste gewechselt werden, den alten Vorstandt habe man trotz steter Nachfragen immer wieder nur schlecht erreicht. Immer wieder fehlten Belege. Und dann - so Jürgen Menninger, der schon etwas deutlicher wurde - verwendeten die alten Vorstände Spendengelder für die Finanzierung des Spielbetriebes. Das führte dazu, dass das Finanzamt dem Verein die mittlerweile wieder zurückgewonnene Gemeinnützigkeit aberkannte. Von "negativen Hinterlassenschaften", sprach der stellvertretende Vorsitzende Menninger. Um die 40 000 Euro an anlaufenden Schulden nannte der alte Vorstand dem neuen beim Wechsel. "Das aber hat sich als Beschönigung erwiesen!" Rund 115 000 waren es eben, 52 000 Euro an Verbindlichkeiten musste der Verein aktuell begleichen. Auf 393 506,77 Euro summierten sich somit die Schulden zum 30. Juni 2010. Rund 245 000 Euro sind davon noch immer durch ein zinsloses Darlehen unbekannter Privatpersonen abgedeckt. Der Rest soll, so zumindest laut Pressemeldung und Menninger, "mittlerweile beglichen" sein.
"Die schwarze Null steht", so kündigte damals der alte Vorstand an. "Wir sind belogen worden", sagt Markus Wolf ganz deutlich und kündigte an, "nicht beide Augen zudrücken" zu wollen. Man werde intern diskutieren, ob man Jonas und Löhnert in Haftung nimmt. "Der Verein ist rechtlich in der Lage, Schadensersatzansprüche geltend zu machen", weiß Jürgen Menninger. Gesunkene Beiträge der nur noch 970 Vereinsmitglieder (im Vergleich zu 1017 bei der letzten Versammlung), weniger Spenden, generell eine schlechtere Einnahmensituation lassen die Zukunft nicht viel rosiger erscheinen. In dieser Saison ist der FC 05 dank einer nun laufenden Buchführung zwar bei einem Plus von 2220 Euro angelangt. Doch nun kommen ja die drei einnahmefreien Monate bei laufenden Kosten für die Fußballer. Die lockten diese Runde im Schnitt 600 statt der kalkulierten 1000 Zuschauer an. Mit 30 000 Euro weniger als geplant rechnet Wolf vorsichtshalber und sagt: "Wir arbeiten daran, den Verlust möglichst gering zu halten."
Natürlich war die Situation der Fußballer wie immer Hauptbestandteil der Versammlung. Die erste und zweite Mannschaft sind die Sorgenkinder, weshalb der sportliche Leiter Rüdiger Mauder "das Fußballjahr 2011 so schnell wie möglich vergessen" möchte. Dafür gab's Applaus, noch lauteren, als Mauder vom "geilsten Verein der gesamten Region" sprach. Zumindest im Jugendbereich sieht es gut aus, hat der FC 05 doch seinen Status als Nachwuchsleistungszentrum, ebenso zwischenzeitlich aberkannt, doch wieder zurückgewonnen und stehen nahezu alle Mannschaften weit oben. Auch im Frauenfußball läuft es gut, die Leichtathleten sorgen ebenso für positive Schlagzeilen. Faustball und Badminton laufen eher nebenher, von den Abteilungen Football, Rugby oder Futsal, damals vom alten Vorstand als Ersatz für die verloren gegangenen Handballer geholt, ist schon lange nicht mehr die Rede.
Bürgermeister Otto Wirth bekam an seinem vorletzten Amtstag von Markus Wolf einen Trainingsanzug überreicht. Danach sprach der Vereinsvorsitzende einige grundsätzliche Dinge an. "Das ein oder andere Tabellenplätzchen" sollte die erste Mannschaft in der Rückrunde noch gut machen. Einen Lizenzantrag für die Regionalliga wird der FC 05 zwar stellen. Ein Aufstieg aber mache nur dann Sinn, "wenn die sportliche und auch die wirtschaftliche Basis stimmt". Mit einem Platz im Tabellenkeller würde der FC 05 "die Leute weiter verärgern". Und ohne die Großindustrie im Boot könne es der Verein eh nicht schaffen. "Ich fühle mich als Hauptsponsor alleine gelassen", gab Markus Wolf zu.
Auch die Stadt Schweinfurt müsse helfen. Aus finanziellen Gründen lehnte sie für den Haushalt 2012 den vom FC 05 beantragten neuen Kunstrasenplatz der neuesten Generation ab. Eine neue Beschallung des Hauptfeldes (Wolf: "Das Gekrächze regt mich auf!") dürfte aber Formsache sein, weil sich Schweinfurt ja nicht blamieren will, wenn nächsten Sommer im Willy-Sachs-Stadion die Faustball-EM steigt. Für 2015 zum 110-Jährigen hat sich der FC 05 für die Ausrichtung der Stadtmeisterschaften beworben. Darauf legt Wolf wieder großen Wert, genauso auf das Antreten bei den Hallenturnieren diesen Winter "mit keiner Hustentruppe, sondern mit der bestmöglichen Mannschaft".
Am 22. Januar nehmen die Fußballer das Training wieder auf. In Gochsheim (4.2.), Bad Kissingen (11.2.), Abtswind (12.2.) Aubstadt (18.2.), Rimpar (22.2.) und gegen Bamberg (25.2.) wird dann getestet, ehe Anfang März der Würzburger FV zum ersten Pflichtspiel nach Schweinfurt kommt.
Nach exakt zweieinhalb Stunden endete die Jahreshauptversammlung. Zum Schluss wurde ganz heftig diskutiert. Eben darüber, ob es Sinn macht, Schadensersatzforderungen an den alten Vorstand zu richten.
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