Hier ist das Geld der Sporthilfe bestens angelegt
22.02.2012
Ort: Bad Kissingen Von: Reinhold Nürnberger ![]()
Leichtathletik Einen überragenden Dreisprung-Wettkampf zeigten die Bad Kissinger Ivane und Dimitri Antonov bei den deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften (U-20). Die Brüder knackten im Trikot der LAC Quelle Fürth erstmals die 15-Meter-Marke. Dimitri sprang 15,24 Meter weit und gewann Silber, während für Ivane als Vierten nur zwölf Zentimeter weniger gemessen wurden.

Gewann Silber im Dreisprung bei den Deutschen U-20-Meisterschaften in Sindelfingen: der Kissinger Dimitri Antonov. Foto: Theo Kiefner
Die unmittelbare Wettkampfvorbereitung läuft nach festen Automatismen ab. "Am Tag vor dem Wettkampf war lediglich ein lockeres Training mit Gymnastik, Auflockern und kleinen Sprüngen. Am Wettkampftag wurde um 7.30 Uhr im Hotel gefrühstückt, und bevor es zum Wettkampfort ging, fand noch ein kurzer Spaziergang statt", erzählt Dimitri junior. Um 10.30 Uhr stand bereits der Dreisprung auf dem Zeitplan der zweitägigen Meisterschaften im Sindelfinger Glaspalast. Die Erwärmung begann mit dem allgemeinen Teil bereits eineinhalb Stunden vor dem Wettkampf in einer angrenzenden kleinen Sporthalle.
"Der Einlass in die Leichtathletik-Halle war erst 45 Minuten vor Wettkampfbeginn. Jetzt wurde schnell der Anlauf ausgemessen und einige Anlaufkontrollen durchgeführt", erklärt Ivane. Allerdings waren aufgrund der großen Teilnehmerzahl jedem Springer gerade einmal zwei Anläufe vergönnt. Trainer Dimitri Antonov: "Die Anlaufgenauigkeit ist in der Hallensaison immer ein Problem für uns. Da wir in der kalten Jahreszeit in Bad Kissingen nicht unter Wettkampfbedingungen anlaufen können, haben wir da schon Nachteile gegenüber den Sportlern, die eine Leichtathletik-Halle in der Nähe haben." In der clubeigenen Quelle-Halle in Fürth könnte die Gruppe zwar permanent trainieren, aber die Fahrten in die mittelfränkische Leichtathletik-Hochburg verursachen auf Dauer zu hohe Kosten für den dreifachen Familienvater, der als Streetworker in Wildflecken beschäftigt ist.
Nahezu perfekte Landung
Beide Springer haben einen Anlauf, der aus 16 Schritten besteht und nach einer Beschleunigungsphase bis auf zehn Meter pro Sekunde gesteigert wird. Der Absprung erfolgt möglichst auf dem Absprungbalken, der elf Meter vor der Sandgrube liegt. Dimitri, der Jüngste im gesamten Feld, der vom Deutschen Nachwuchs regelmäßig die höchsten Anlaufgeschwindigkeiten erzielt, landete bei seinem zweiten Anlauf nahezu perfekt in der Grube und riss sofort die Faust nach oben. "Als Springer spürt man sofort, ob der Versuch gelungen ist", äußerte sich der Realschüler zu den phänomenalen 15,24 Metern. Damit verbesserte der letztjährige Deutsche U-18-Meister den 32 Jahre alten Bayerischen U-18-Hallenrekord, den mit Ullrich Wrede (14,87 Meter) ebenfalls ein Springer des LAC Quelle Fürth gehalten hatte. Damit hatte der Youngster die Konkurrenz gehörig geschockt. Dimitri, bei dem sich wieder Rückenschmerzen bemerkbar machten, sprang im dritten Versuch 14,88 Meter, ließ den vierten aus und hatte im fünften Anlauf einen ungültigen Sprung zu verzeichnen.
Als stärkster Konkurrent entpuppte sich Lukas Zechel vom TUS Jena, der mit 15,54 Metern die beste Meldeleistung hatte und im zweiten Versuch auf 15,22 Meter gesprungen war. In seinem letzten Versuch riskierte der Deutsche U-20-Freiluft-Meister alles, traf den Absprungbalken ganz genau und katapultierte sich auf die Siegerweite von 15,26 Metern. Anders als sein Konkurrent wollte Dimitri kein Klatschen der Zuschauer, sondern sich in Ruhe auf seine letzte Chance konzentrieren. Ein schneller Anlauf, ein nahezu perfekter Sprung. Umso größer war die Enttäuschung als "nur" 15,12 Meter gemessen wurden. "Es ist nicht gut gelaufen, ich kann wesentlich weiter springen", haderte der Unterfranke, der sich erst bei der Siegerehrung über seine tolle Leistung freuen konnte. Die Videoanalyse zeigte, dass er bei seinem letzten Versuch rund vierzig Zentimeter verschenkt hatte. Dimitri senior ist sich aber sicher, dass es die Anlaufprobleme im Sommer nicht geben wird. "Wir können bald wieder ganz normales Sprinttraining durchführen, womit sich die Schrittlänge und damit auch die Anlaufgenauigkeit stabilisieren werden."
Ivane erzielte im dritten Versuch mit 14,95 Metern eine persönliche Bestleistung und steigerte diese im folgenden Sprung auf 15,12 Meter. Damit logierte Ivane zwischenzeitlich auf dem Bronzerang. Allerdings musste er diesen wieder an den Erfurter Marcel Kornhardt abgeben, der 15,18 Meter im fünften Durchgang sprang. "Sprungtechnisch war der fünfte Durchgang bei Ivane der beste Versuch. Hätte er die Absprungmarke exakt getroffen, wäre er 40 Zentimeter weiter gewesen als die gemessenen 15,00 Meter", bemerkte der Vater. Den letzten Durchgang der vier Erstplatzierten eröffnete Ivane mit einem nur mäßigen Satz auf 13,93 Meter, womit er Vierter blieb. "Ich war am Ende einfach müde und bin jetzt ein bisschen enttäuscht, dass es nur der vierte Rang wurde. Aber mit der Weite und vor allem mit dem guten fünften Versuch kann ich durchaus positiv in die Sommersaison gehen", zog Ivane sein Resümee.
Lob vom Bundestrainer
Dreisprung-Bundestrainer Carles Friedek sah indes "den besten U-20-Hallenwettkampf der letzten zehn Jahre. Gleich fünf Springer über die 15 Meter, dies ist schon beeindruckend". Bei 15,10 Meter liegt auch die Norm für die Unterstützung der Deutschen Sporthilfe. Für den nicht gerade billigen Sport eine willkommene Zuwendung, über die sich die Brüder Antonov im kommenden Jahr freuen dürfen. Für Dimitri Antonov hatte der Bundestrainer eine weitere erfreuliche Mitteilung in Form einer Nominierung für den Länderkampf Deutschland-Italien-Frankreich parat. Sein Bruder, der mit der U-20-WM in Barcelona liebäugelt, ist für den Länderkampf am 3. März im französischen Val-de-Reuil als Ersatzmann vorgesehen.
Für den Sommer wird sich Ivane, neben ein paar kleinen Sprintwettkämpfen, voll und ganz auf den Dreisprung konzentrieren. Bei 15,65 Metern liegt die WM-Norm der U-20 für Barcelona. Diese Weite muss allerdings schon früh in der Saison erfüllt werden. Dimitri soll sich auch in anderen Disziplinen weiter verbessern und sich bei den Deutschen Freiluft-Meisterschaften zeigen. "Ich denke da an Hürdenlauf, Sprint und vor allem den Weitsprung", so der Vater, der allerdings die Titelverteidigung im Dreisprung der Altersklasse U-18 nicht "verbieten" will.
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