Linux als Lebensstil

06.03.2009   Ort: Importartikel  Von: Natalie Schalk  inFranken.de

Computer Linux ist ein Betriebssystem wie Windows - und doch völlig anders: Entwickelt wird es von einem selbstorganisierten Haufen aus Profis und Freaks und jeder Nutzer pickt sich das heraus, was ihm gefällt.


Fachinformatiker Dominik Sennfelder von der LUG Bamberg-Forchheim zeigt im Großraumbüro der Redaktion das Bildbearbeitungsprogramm Gimp. Foto: Barbara Herbst
Hinter jedem Linuxrechner sitzt ein Linuxnutzer. Er bestimmt, wie sein System aussehen soll; er richtet es ein wie seine Wohnung. Wenn einer meint, die Fenster müssten auf der Oberfläche wabern oder zu einem dreidimensionalen Würfel angeordnet werden, dann stattet er seinen Computer eben mit diesem dekorativen Schnickschnack aus. Ihm muss es gefallen. Linux macht alles mit. Es kann sogar aussehen wie Windows Vista. Trotzdem bleibt es auch dann ein Linuxsystem und damit stabil, sicher und kostenlos. Ohne Lizenzgebühren, ohne zwielichtige Registrierungszwänge und „Problembericht senden“-Aufforderungen.
Die Sprache der Computer
Als Dominik Sennfelder vor über zehn Jahren begann, mit dem Betriebssystem „herumzuspielen“, war die Linuxwelt noch nicht so bunt und bewegt wie heute. Der Ebelsbacher schaute meist auf einen weißen Bildschirm mit blinkendem Cursor und steuerte sein System, indem er Befehle tippte. Um den Rechner so direkt anzusprechen, muss der Nutzer Computersprache beherrschen. Grafische Elemente wie Icons und Menüs übernehmen heute die Rolle eines Dolmetschers, aber viele Linuxnutzer schreiben trotzdem lieber ein Kommando als sich mit der Maus durch mehrere Ebenen zu klicken.
Bei Open Source Software wie Linux spielt Computersprache eine große Rolle. Wie der Name Open Source bereits sagt, liegt der Quelltext der Software offen. Jeder kann ihn lesen und umschreiben. Nicht nur die Entwickler in den Computerfirmen, sondern auch Hobbyprogrammierer in der ganzen Welt basteln ständig an Linux herum, suchen Fehler, schließen Sicherheitslücken. Es wurden Tausende Programme für alle möglichen Spezialinteressen und Abertausende Varianten geschrieben. „Zum Beispiel Linux auf schwäbisch“, sagt Sennfelder.
Der 32-Jährige ist Fachinformatiker und gehört der Linux User Group (LUG) Bamberg-Forchheim an, einem Club, wie es ihn in vielen Städten gibt: in Kronach, Coburg, Bayreuth, Nürnberg. Die Nutzer treffen sich, um über Probleme und neue Entwicklungen zu sprechen – allerdings kennt keiner alle aktuellen Entwicklungen. Die meisten Anwender installieren eine so genannte Linux-Distribution, eine Grundausstattung an Software, die zusammen ein Betriebssystem ergibt. Zusätzliche Programme von der Planetarium-Software bis zur mehrsprachigen Bibel installiert der Nutzer nach Geschmack. Dafür muss er nur ein Häkchen in der so genannten „Paketverwaltung“ setzen. Sie ist in jeder Distribution enthalten und listet Tausende Programme auf, die für die Distribution gepflegt werden.
Allerdings ist nicht alle Software über die Paketverwaltung verfügbar. Manchmal muss der Nutzer selbst ein Programm im Internet suchen und installieren. Er wird sich dann ein wenig mit seinem System beschäftigen müssen. Anwender helfen sich gegenseitig in Internetforen, aber auch die Tüftler der Linux User Groups interessieren sich für Probleme. Wann das nächste Treffen stattfindet, geben sie auf ihrer jeweiligen Homepage bekannt. Sennfelder betont, dass auch Linux-Newbies willkommen sind. „Durch die Neuen bekommt man mal eine andere Sicht – in Anfänger kann man sich sonst ja nicht so reindenken.“
Hier lesen Sie mehr über die Linux-Software

Hier lesen Sie mehr über die Geschichte von Linux

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