Lehrer kämpfen mit neuer Rechtschreibung
02.05.2011 Von: Bernward Loheide, dpa
Sprache "Leerer prauchen wier nicht!" So steht es ironisch auf einer Wortliste, die ein Deutschlehrer vor kurzem in der 7. Klasse eines Gymnasiums in Baden-Württemberg ausgeteilt hat. Was er nicht bemerkt hat: Die Liste strotzt auch sonst vor Fehlern. Ein Einzelfall?

"Es ist kein Geheimnis, dass die neue Rechtschreibung und erst recht die seit 2006 gültige nicht in der Schule ankommt und der Rechtschreibunterricht noch immer an vielen Orten vernachlässigt wird", beklagt Eisenberg. "Wir brauchen dringend eine Diskussion um eine Reform der Lehreraus- und -weiterbildung", fordert Ossner. Auch die Leiterin der Wörterbuch-Redaktion Wahrig, Sabine Krome, sieht in der fehlerhaften Wortliste "keinen Einzelfall".
Die missglückte Reform von 1996
Schuld an der Misere ist die Rechtschreibreform von 1996. Sie missglückte und musste zum Teil wieder zurückgenommen werden. Die Kultusministerkonferenz setzte daher den Rat für deutsche Rechtschreibung in Mannheim ein. Dieser sorgte dafür, dass 2006 eine Reform der Reform in Kraft trat. Ein Anliegen war es, bei der Getrennt- und Zusammenschreibung je nach Bedeutung unterscheiden zu können: "Sitzen bleiben" schreibt man auseinander, wenn jemand im wörtlichen Sinne auf einem Stuhl sitzen bleibt. Bei übertragener Bedeutung ("in der Schule sitzenbleiben") ist dagegen Zusammenschreibung möglich.
Bei manchen Lehrern scheinen diese Feinheiten nicht angekommen zu sein. Ossner fordert daher: "In der Lehrerausbildung muss sprachliche Bildung - insbesondere in den Bereichen Grammatik und Orthografie - dringend verstärkt werden." Bei Pisa-Studien und Vergleichsarbeiten werde fast nur über Schülerleistungen und Schulsysteme diskutiert, "so als würden die Lehrkräfte für die Ergebnisse ganz unbedeutend sein. (...) Dabei haben viele Untersuchungen bestätigt, dass auch in der Schule Organisationsfragen nachrangig und die Kriterien für guten Unterricht bei den Lehrern zu suchen sind."
Ossner war Rektor der Pädagogischen Hochschule Weingarten und lehrt jetzt an der PH Rorschach am Bodensee (Schweiz). Er fordert: Wer auf Lehramt studieren will, muss auf seine Eignung getestet werden. "Lehrer, die sich in ihrer Hilflosigkeit nur noch selbst karikieren können ("Leerer prauchen wier nicht!" steht am rechten oberen Seitenrand der Wortliste) brauchen wir nicht. "
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Kommentare
Die Regeln werden ja selbst von den Medien
und in den Schulbüchern nicht alle berücksichtigt, wie soll da der Lehrer es richtig wissen und weitergeben. Außerdem ist es nur in der Grundschule Pflicht, nach den neuen Regeln zu unterrichten, zumindest hier in Bayern, oder hat sich da was geändert.
Aber das Kultusministerium wird schon weiter für das Chaos sorgen, die beschäftigen sich ja lieber mit Klassenzusammenlegungen oder mit der Frage, wie bringe ich noch mehr Lernstoff in weniger Zeit unter.
...
Ich halte es für ziemlich unseriös, einen derartigen Artikel kommentarlos in die Zeitung zu setzen. Es ist wohl wie mein Vorredner vermutet: Die Lehrkräfte beherrschen die alte Rechtschreibreform. Zur neuen Rechtschreibung gab und gibt es v. a. für Nicht-Deutsch-Lehrkräfte meines Wissens nie irgendeine Fortbildung. Dann braucht man sich wohl nicht wundern, dass sich viele Lehrkräfte an die alte Rechtschreibung halten.
Ojeh
Da täuscht du dich aber gewaltig!
Der Sinn dieser "Reform".....
.....ist mir bis heute verborgen geblieben. Sollte eine Vereinfachung herbeigeführt werden? Wenn ja - für wen? Die "alte" Rechtschreibung hat wunderbar funktioniert, die "neue" ist dagegen höchstens SONDERbar. Alleine das Schriftbild der neuen Rechtschreibung vergrätzt meine Augen. Ich persönlich finde die neue Rechtschreibung als so überflüssig wie einen Kropf.
"Wer auf Lehramt studieren will, muss auf seine Eignung getestet werden." - schon mal angedacht, daß ebendiese Lehramtsstudenten eventuell mit der alten Rechtschreibung groß geworden (oder großgeworden?) sind, und diese [alte] möglicherweise hervorragend beherrscht haben könnten? Und nun kommen ein paar alte Pfürze daher, und meinen, ein sinnentleertes Sprachenneutrum schaffen zu müssen, und wer das nicht beherrscht, ist ungeeignet?
Mit der deutschen Rechtschreibung geht es mir persönlich wie mit dem Euro: Ich würde gern den alten Zusatnd wieder herstellen.
Fehler?
Der Autor hat leider nicht bedacht, daß beides richtig ist.
Für auf den Stuhl "Sitzen bleiben" zu schreibgen oder eben auch "Sitzenbleiben" ist beides korrekt.
Mit Einführung der sog. "neuen Rechtschreibung" (die Bezeichnung "Reform" verdient das ja nun wirklich nicht) wurden die bisherigen Rechtschreibregeln keineswegs ungültig oder falsch.
"Ja, aber Schule", wird hier jetzt wohl jemand sagen ... tja ... die neue Rechtschreibung muß verbindlich nur in der Grundschule angewandt werden. An weiterführenden Schulen nicht. Zumindest in Bayern in das so.
Wohl gepennt?
Wer offenbar noch nicht mitbekommen hat, dass "dass" und "muss" nicht mehr mit ß geschrieben werden dürfen, tappt freilich in eine solche Falle und schwingt sich unbedarft zum Deutsch-Oberlehrer auf. Ich kann "AntiGravEinheit" nur raten, sich nicht mehr zu Fragen der Deutschen Sprache zu äußern: Ist doch peinlich, wenn man fast keinen Satz ohne Fehler abliefern kann und sich trotzdem als Sachverständiger aufspielt!
Wie ich schon schrieb:
Die alten Regeln sind keineswegs ungültig geworden.
Wer das noch nicht mitbekommen hat, sollte sich mit Kommentaren zu Kommentaren auch zurückhalten bzw. sich vorher gründlich informieren.
Also sind "daß" und "muß" immer noch richtig. Wer etwas anderes behauptet, lügt.
Schlag nach im Duden
Ich empfehle unter www.duden.de daß und muß einzugeben. Bemerkenswert ist, was unter muß kommt. Viel Spaß!
Ja und?
Das heißt nur, daß der Duden-Online das "daß" nicht kennt. Der Duden hat auch nicht die Rechtshoheit über die Rechtschreibregeln.
Aber wenn wir schon beim Duden sind, in meiner Printausgabe steht, daß "dass" nur die Vorzugsschreibweise von "daß" ist. Kein Sterbenswörtchen davon, daß "daß" ungültig oder falsch sei.
Von daher: What shall's?
Mal weiter so!
Also wenn der Duden in seiner online-Ausgabe, die ja wohl die aktuellste sein dürfte, daß und muß gar nicht mehr als Alternative anbietet, dann sollte man schon einknicken. Im Übrigen: Sie "schreibgen" unter der Überschrift "Fehler?", "in Bayern in das so",dann werden wir uns ja wohl auf Ihre Meinung verlassen können. Und Sie werden in der Schule sicher auch nicht mehr sitzen bleiben oder schreibt man sitzenbleiben - halt mit großem S? Ich bin gespannt auf Ihre nächsten Deutschkorrekturen.
.
Sie haben ganz recht. Ich bleibe in der Schule ganz bestimmt nicht mehr sitzen.
Und ich gehe wohl recht in der Annahme, daß Sie noch niemals einen Dreckfuhler verursacht haben. Ja? Oder etwa doch (siehe Ihre "online-Ausgabe")? Hach, wie schrecklich ...
Fakt ist, der Duden ist bestenfalls als Hilfe in Sachen Rechtschreibung anzusehen, er ist nicht rechtsverbindlich (war er nie, ist er nicht, auch wenn das der Duden-Verlag gerne hätte). Fakt ist weiterhin, daß die alte Rechtschreibung nach wie vor Gültigkeit besitzt. Das können Sie jetzt glauben oder nicht, mir schnurz.
Wenn der Online-Duden "daß" und "muß" nicht mehr anbietet, ist das eher ein Armutszeugnis. Was macht der arme Mongole, der ein altes deutsches Druckwerk vor sich liegen hat und von neuer und alter deutscher Rechtschreibung keine Ahnung hat?
Ich weiß, was in Bayerns Schulen gemacht wird - und das aus erster, zweiter und dritter Hand.
BTW: Auch das altenglische "thy" und "thou" hat nach wie vor Gültigkeit in England. Sogar Ehegelübde werden damit besiegelt. Wenn Sie's nicht glauben, besorgen Sie sich eine Aufnahme vom vergangenen Freitag ...
Was die Rechtschreibung betrifft, verlasse ich mich noch eher auf LEO als auf den Duden.
Jeder darf so schreiben wie er will.
Das gilt aber nur für den Otto Normalo. Lehrer müssen Schüler nach der neuen Rechtschreibreform unterrichten!
Nur in der Grundschule ...
In weiterführenden Schulen kann (also nicht muß :D ) es z.B. bei Deutschaufsätzen (eventuell auch anderen Proben, Klausuren etc.) angestrichen werden, aber es darf nicht in die Bewertung einfließen.
Schtimpt.
Hattu recht.
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