Whisky pur: Museum auf der Burg

01.09.2010   Von: Birgit Reichert, dpa  inFranken.de

Getränke Volle Whisky-Flaschen wohin das Auge schaut: Im Whisky-Museum in Kirn können Besucher in die Welt des edlen Getreidebrands abtauchen. Und bei "Tastings" auf den Geschmack kommen. Der Andrang ist groß, denn Whisky liegt gerade voll im Trend.


Eine kleine Destillerie ist im Whisky-Museum in Kirn zu sehen (Kreis Bad Kreuznach, Foto vom 05.08.2010). Fotos: Harald Tittel/dpa
Horst Kroll sammelt Whisky wie andere Briefmarken oder Münzen. Um die 3500 Flaschen hat der Berufskoch über die Jahre rund um den Globus zusammengetragen. Seine Schätze stellt er im Whisky-Museum auf der Kyrburg in Kirn (Kreis Bad Kreuznach) zur Schau. Und damit Liebhaber des schottischen "Lebenswassers" auch ganz auf ihre Kosten kommen, gibt es im alten Gewölbekeller auch "Tastings", bei denen die edlen Getränke verkostet werden. "Wir haben an die 500 Sorten offen im Ausschank", sagt der 55-Jährige.

In den Regalen reihen sich wahre Raritäten aneinander: Ein Whisky von der Hochzeit von Prinz Charles und Prinzessin Diana mit der Aufschrift "Long Life and Happiness" (Langes Leben und Glück), ein schottischer Macallan-Whisky aus dem Jahr 1886 und ein jüngst aus einem Schiffswrack geborgener alter Tropfen. "Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Single Malt Whiskys aus Schottland", sagt Kroll. In einer Exotenecke gibt es aber auch einen "Schlangenwhisky" aus Laos mit einer eingelegten Kobra und Tropfen aus Thailand, Indien, Kuba und Peru zu bestaunen.


Dudelsack und schottisches Menü


"Whisky ist die meistverkaufte Spirituose der Welt", sagt der Whiskykenner, der seine Leidenschaft als junger Koch in Schottland entdeckte. Krolls "Tastings", bei denen um die acht Edelbrände kredenzt werden, sind über Wochen ausgebucht. Gruppen quer aus Deutschland reisen an, um nach Dudelsackmusik und schottischem Menü in die Welt der bernsteinfarbenen Getränke abzutauchen.

Kein Wunder, liegt Whisky derzeit doch voll im Trend. "Der schottische Single Malt Whisky wird immer stärker nachgefragt", sagt Experte Karl Rudolf in Olching bei München. Wegen "der ungeheuren Vielfalt und Vielzahl". Vom rauchig-salzigen Typ bis zum blumig- fruchtigen. "Was früher eine Spirituose für Individualisten war, die was Besonderes suchten, hat sich zur Trinkmode ausgewachsen", sagt der Fachjournalist für Spirituosen und Buchautor. Auch "eine deutliche Zunahme an jüngeren Konsumenten" sei zu beobachten.

Kroll schenkt auch seltene Whiskys aus, die aus längst geschlossenen Destillerien stammen und eigentlich unbezahlbar sind. Alles im schottischen Kilt-Rock natürlich. Nebenbei weist er ins Whisky-ABC ein: "Man muss Whisky mit ein paar Tropfen stillem Wasser verdünnen. Das Wasser schließt die Aromen erst auf", sagt er und hält seine Nase in ein Glas, ohne es zu schwenken. "Geschwenkt wird nur beim Wein." Und noch etwas ist anders als beim Traubensaft: "Bei unseren Tastings wird nichts weggeschüttet."


Das Fass ist wichtig


80 Prozent des Geschmacks werden von den Fässern bestimmt, in denen die hochprozentige Spirituose mindestens drei Jahre lang reifen muss, sagt Kroll. Für besondere Noten setzten Destillerien in Schottland auch amerikanische Eichenfässer ein oder kauften gebrauchte Sherry-Fässer aus Spanien auf. In Krolls Museum steht auch eine kleine Küferwerkstatt, die er gerade erworben hat. Das Museum sei in Deutschland einzigartig, sagt Kenner Rudolf.

Rund 40 Prozent der weltweiten Whisky-Produktion kommt heute aus Schottland, wo es noch 100 Destillerien gibt. Zu anderen "typischen Whiskyländern" gehörten Irland, Kanada und die USA - das zweitgrößte Produktionsland aber sei inzwischen Indien. "Auf der Welt kommen immer mehr Nationen auf den Whisky-Geschmack", sagt Kroll. Auch in Japan sei das Getränk gerade "in". "Der asiatische Markt ist noch nicht ausgereizt."

Da die Weltnachfrage nach schottischem Whisky steigt, ist die Spirituose auch als Kapitalanlage beliebter geworden. Es gebe immer mehr Whisky-Auktionen, bei denen Anleger vor allem hinter älteren, seltenen Single Malts her seien. Für Kroll bedeutet dies: Es wird schwieriger nachzukaufen. "Zum Glück habe ich noch große alte Bestände", sagt er. Flaschen, die er damals für 90 Mark gekauft hat - und die heute "locker 3000 Euro" wert seien.




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