Weißbier-Dekade: Weizen mischt Biermarkt auf
10.09.2009
Ort: Importartikel Von: Gregor Tholl, dpa ![]()
Getränke Franzosen trinken Wein, Russen Wodka und die Deutschen ganz viel Bier. Das stimmt immer weniger. Die Deutschen und ihr Nationalgetränk scheinen sich zu entfremden. 2008 trank jeder Deutsche nur noch 111 Liter Bier, 1990 waren es noch mehr als 140.
In Sachen Weizenbier ist für viele der 6. September 2003 unvergessen. „Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken“, schnauzte der damalige Bundestrainer Rudi Völler den Sportreporter Waldemar Hartmann im Fernsehstudio an. Völler wehrte sich wütend gegen überzogene Kritik, nachdem die Nationalelf 0:0 gegen Island gespielt hatte. Für „Waldi“ keine schlechte Sache. Er bekam kurz danach einen Weißbier-Werbevertrag. Pils mit sinkendem Marktanteil
Nach den neuesten Zahlen des Deutschen Brauer-Bunds, der sich auf die Marktforscher von Nielsen bezieht, nimmt Weizenbier im bundesweiten Biermarkt den dritten Platz ein - mit einem Anteil von 8,3 Prozent. Ansonsten sieht der Bierabsatz (Lebensmitteleinzelhandel und Abholmärkte) wie folgt aus: 55,2 Prozent Pils, 9,8 Prozent Export, 6,5 Prozent Biermischgetränke. Es folgen Helles (4,7), Alkoholfreies (2,9), Schwarzbier (1,7), Kölsch (1,6), Alt (1,4) und einige kleinere Sorten. Zum Vergleich: 2001 lag Pils noch bei fast 67 Prozent Marktanteil, Weizen dagegen bei nur 6 Prozent.
„Der Anteil von Weizenbier hat in den vergangenen Jahren ein kontinuierliches Wachstum erfahren“, sagt Günther Guder vom Bundesverband des Deutschen Getränke-Fachgroßhandels. Weizen werde immer beliebter. Inzwischen haben sogar traditionelle Pils-Brauereien die Sorte im Angebot. „Traditionell wurde Weizenbier vor allem in Bayern und Baden-Württemberg getrunken. Seit einigen Jahren beobachten wir jedoch in ganz Deutschland einen deutlichen Trend zum Weizenbier“, sagt Marcus Strobl, Getränke-Experte bei Nielsen. Weizen vor allem Sommergetränk
In TV-Spots wird Weizen meist unter schattenspendenden Bäumen getrunken. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bestätigt das Klischee. „Weizenbier spielt vor allem im Sommer in der Gastronomie eine große Rolle. Und das bereits seit den 80er Jahren“, sagt Sprecherin Stefanie Heckel. „Sicherlich trägt auch die boomende Außengastronomie - ob Biergarten oder Terrasse - in allen Teilen der Republik zum Siegeszug des Weizenbiers bei.“
Doch die Deutschen sind nach wie vor kein einheitliches Bier-Volk. In Süddeutschland wird immer noch mehr Weizen als im Rest der Republik getrunken - vergangenes Jahr kam es in Bayern auf 18,6 Prozent Marktanteil, in Baden-Württemberg auf 15 und in Hessen immerhin auf 10,8 Prozent. In Nordrhein-Westfalen sind dagegen natürlich Kölsch (7,7) und Alt (6,6) tiefer verwurzelt. In den ostdeutschen Ländern hat Schwarzbier mehr Marktanteil - fast überall um die 3 Prozent. Bayerns Weizen triumphiert über Preußens Weiße
Nahezu vom Markt verdrängt ist übrigens das Weizenbier aus Berlin. Die Berliner Weiße, oft mit einem Schuss Waldmeister- oder Himbeer- Sirup getrunken, kommt gegen das alkoholhaltigere Weizenbier aus Bayern nicht an. Die Bayern erzeugen für ihr Bier offensichtlich ein besseres Image als die Preußen. Das Magazin „Der Feinschmecker“ gab einem Artikel über das süddeutsche Weizen kürzlich den hochtrabenden Titel „Champagner aus Bayern“.
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