Arcade Fire: Überwältigende Rock-Hymnen

01.09.2010     inFranken.de

Musik  Mitreißend, berauschend, überwältigend ­ ihrem Ruf als Konzertattraktion ist die kanadische Indierock-Band Arcade Fire am Dienstagabend in Berlin mehr als gerecht geworden. Der seit langem ausverkaufte Auftritt im Tempodrom ließ keinen Zweifel: Ihre vielstimmig geschmetterten Hymnen voller Pracht und Pathos gehören auch live zum Besten, was die Popmusik zu bieten hat.


Der Sänger Win Butler der kanadischen Indierock-Band Arcade Fire steht am Dienstag (31.08.2010) im ausverkauften Tempodrom in Berlin auf der Bühne. Fotos: Britta Pedersen/dpa
Zwar irritierte zunächst das eher matschige Klangbild, doch nach wenigen Songs hatten Band und Sound-Mixer die Probleme im Griff. Die Virtuosität und Spielfreude des neunköpfigen Bühnenkollektivs um den Sänger und Songschreiber Win Butler hinterließen nach gut 90 schweißtreibenden Minuten ein euphorisches Publikum.

Arcade Fire stellten bei ihrem einzigen Deutschland-Auftritt dieses Sommers ihr Ende Juli erschienenes drittes Album "The Suburbs" (City Slang) vor, das in den USA und Großbritannien an die Spitze der Charts schoss, in Deutschland immerhin Platz 4 erreichte. Mit dem monumentalen Werk lässt Butler seine Jugend in einer texanischen Vorstadt Revue passieren. Zu den düster-melancholischen Texten sind ihm erneut Melodien von beeindruckender Raffinesse eingefallen.

Neben neuen Songs wie dem treibenden "Month Of May" oder "We Used To Wait" widmete sich die Band auch ausgiebig den älteren Alben "Funeral" (2005) und "Neon Bible" (2007). Beide sind längst Referenzwerke des amerikanischen Folkrocks der "Nuller-Jahre", gleichermaßen verehrt von David Bowie, Bruce Springsteen, Peter Gabriel und Bono (U2).

Zwar wurde diesmal nicht wie bei früheren Tourneen eine Kirchenorgel auf die Bühne gewuchtet, um den mächtigen Studiosound nachzubauen. Mit drei Streichern, Akkordeon, Glockenspiel, Megafon, Riesentrommel, Banjo und jeder Menge Gitarren bestand freilich kein Mangel an Klangeffekten ­ zumal alle neun Musiker munter die Instrumente tauschten und auf der Bühne für unterhaltsames Gewusel sorgten.

Ein besonderes Kompliment verdiente sich an diesem herausragenden Konzertabend Drummer Jeremy Gara für die unerbittliche, präzise Wucht seines Schlagzeugspiels - ein kraftvoller Motor für die innovativen Rock-Songs von Arcade Fire.


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