Am Anfang ist das große Schweigen
01.09.2010
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Azubis Wie sieht das Innenleben der Neu-Azubis aus? Wir begleiteten einen Vormittag lang Berufseinsteiger in der Schneyer Werkzeugbau-Firma Hofmann und fand dabei heraus: Ihr anfängliches Schweigen ist ganz normal.

Ausbildungsleiter Reinhard Hühnlein (links) überreicht Neu-Azubi Tim Hallermeier einen Chip für den Zugang zur Firma. Fotos: Markus Häggberg
Bewusste Entscheidung
Als sie die große Halle mit all den Maschinen drin betreten, warten schon Reinhard Hühnlein und Rainhard Meixner auf sie. Der eine ist Ausbildungsleiter und Sicherheitsfachkraft, hat vor 40 Jahren seine Lehre begonnen und schon über 250 Lehrlinge auf den Weg gebracht, der andere ist sein Assistent und startete vor 39 Jahren ins Berufsleben. Die beiden Herren stellen sich vor und bitten die ruhigen Männer freundlich, ihnen in den gläsernen Nebenraum zu folgen. Als alle Platz genommen haben und brav, höflich und fast stereotyp von sich und ihren Hobbys zu erzählen beginnen, erwacht das Leben hinter der Scheibe: Lehrlinge des zweiten Lehrjahres tragen eifrig Kartons umher und stellen sie auf die Tische zu den Namensschildern der Neuankömmlinge. Die meisten der hier sitzenden Jungs haben schon durch ein Praktikum bei Hofmann hineingeschnuppert und einer kann sogar den Vergleich zu einer Versicherung ziehen und von sich behaupten, dass er den Beruf des Mechatronikers einem rein sitzenden Beruf vorziehe. Eine bewusste Entscheidung, wie er sagt. Noch 20 Minuten bis zur Kleiderausgabe. Passen die Schuhe? Das muss sofort beantwortet werden, denn späterer Umtausch ist problematisch. Passt die Latzhose, der Pulli? Leichtes Amüsement bei den Neu-Azubis und angesichts deren nun sehr ähnlichem Aussehen entspringt dem Ausbildungsleiter ein nicht ernst gemeintes: "Oje, die Gleichschaltung hat begonnen." Die Neuankömmlinge wirken einfach noch nicht entspannt und wenn sich Hühnlein den angehenden Mechatronikern und Feinwerkmechanikern gegenüber auch kumpelhaft zeigt, darf er nicht immer auf mehr als ein ziemlich gleichgeschaltetes "mmhh" hoffen. Tag 1 von dreieinhalb Jahren Lehrzeit fühlt sich für Sebastian Hetzel aus Lichtenfels trotzdem "relativ" gut an. Das frühe Aufstehen sei ungewohnt gewesen, "aber es geht". Bei Hofmann stehen nach bestandener Lehre die Chancen auf eine Übernahme gut. Daher die Frage: Können Sie sich vorstellen bis zur Rente hier zu bleiben? "Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Auf jeden Fall!", antwortet Hetzel entschlossen. Im Blaumann (der grau ist) setzt man sich wieder an den Tisch im wenige Meter entfernten gläsernen Nebenraum. Immer noch sind die jungen Männer nicht sonderlich ausgelassen, was sie mit Nervosität in Verbindung bringen. Die Freude darüber, den Ausbildungsplatz zugesichert bekommen zu haben, ist zwar nicht verflogen, liegt aber nun doch schon zumindest so weit zurück, dass man sich an den Gedanken der Anstellung gewöhnen konnte. "Diese Ruhe am ersten Tag ist völlig normal", bestätigt Rainhard Meixner und schiebt ein "Ich wäre am ersten Tag auch bald gestorben" nach. Und man solle auch bedenken, dass die Jungs sich gegenseitig auch noch nicht kennen. Die erste gemeinsame Frühstückspause wird auch eher schweigend verbracht. Was die Firma so darstellt, darüber klärt ein Vortrag über die Niederlassungen, die Kunden und die Märkte auf. Wie sieht Sicherheit am Arbeitsplatz aus, speziell bei Maschinen mit rotierenden Wellen? Die jungen Männer lernen, dass sie keinen Schmuck wie Ringe und Halsketten oder Kapuzen tragen sollen. Sie erfahren durch einen Filmvortrag auch, wie es um Brandschutz bestellt ist, welche Gefahren im Umgang mit Gestellen und Leitern auf sie lauern. Sie bleiben ernst und aufmerksam dabei. Es wird am Nachmittag noch eine Betriebsführung geben und für den Folgetag war eigentlich ein Bootsausflug geplant. Mit gemeinsamem Grillfest. Für das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Strecke der Bootsfahrt ist mit Kreide auf eine Tafel gemalt worden. Ein schlingernder Kurs. Daneben, ebenso schlingernd und ebenfalls in Kreide: Der Weg eines Lehrlings zum Gesellen mit all seinen angedeuteten Höhen und Tiefen. Diesen Weg will man gemeinsam gehen. Der Ausflug mit dem Boot muss aber leider warten. Er kann wegen des Hochwassers nicht stattfinden.
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