Von minus 20 auf plus 30 Grad

09.02.2012   Ort: Weismain     Fränkischer Tag

Kältetechnik Gerd Knorr ist Sachverständiger in einem Arbeitsfeld, mit dem fast jeder irgendwie zu tun hat, über das aber nur wenige Bescheid wissen. Hauptsache, die Kühlung, Klimaanlage oder Wärmepumpe funktioniert einwandfrei.


Gerd Knorr überprüft die Klimaanlage einer Firma, mit deren Hilfe auch im Winter die Temperatur in deren Serverraum konstant gehalten wird. Mit der Monteurhilfe, die er gerade bedient, kann er den Druck und Temperatur des Kältemittels prüfen.
Man möchte meinen, in diesen Tagen mit strengem Frost braucht kein Mensch Kältetechnik, aber das stimmt nicht. Kühlräume oder -theken in der Gastronomie und im Bäcker- oder Metzgerhandwerk müssen konstant die vorgegebene Temperatur halten, in Firmen werden Serveranlagen klimatisiert, um sichere Abläufe zu gewährleisten. Ein Computerausfall würde viele Unternehmen heutzutage lahm legen. Im Idealfall wird die Abwärme solcher Anlagen im Gebäude anderweitig genutzt. Zwischen Kühl- und den dazugehörigen Maschinenräumen herrschen mitunter Temperaturunterschiede von minus 20 auf plus 30 Grad Celsius. In diesem Arbeitsfeld bewegt sich Gerd Knorr. "Daran kann man sich gewöhnen", sagt er. Zugluft, etwa beim Autofahren mit offenem Fenster, mache ihm mehr aus. Seit 1. Dezember 2011 ist der Weismainer Sachverständiger im Kälteanlagenbauerhandwerk, einer von ganz wenigen in Bayern. Pro Regierungsbezirk gibt es maximal zwei. Hoher Sachverstand - der durch eine Prüfung bezeugt werden muss - und persönliche Integrität sind Voraussetzungen dazu, für diese Aufgabe bestellt zu werden. Das Besondere an Gerd Knorr ist vielleicht, dass er sich mit dem qualifizierenden Hauptschulabschluss bis zu dieser Position hochgearbeitet hat. Durch Fleiß und Ehrgeiz; vor allem aber hätten ihn Neugier und Wissensdurst angetrieben, meint er. Der Junge aus Kleinziegenfeld ging bei einer Altenkunstadter Firma in die Lehre zum Kälteanlagenbauer. Zu diesem Tätigkeitsfeld hatte er anfangs keinen konkreten Bezugspunkt. Er habe sich einen technischen Beruf gewünscht und insofern "hat es gepasst". Von da an hat er sich die Kältetechnik immer weiter erschlossen. Er war bei drei Firmen beschäftigt, hat den Meistertitel erworben, sich selbstständig gemacht, Zusatzqualifikationen erworben und wurde Fachlehrer an der Berufsschule Kulmbach - zunächst nebenberuflich, jetzt in Vollzeit. Seine Firma führt er immer noch, widmet sich den Problemen der Kunden in der Regel nach Dienstschluss und am Wochenende. "Das ist fast wie ein Hobby für mich", erzählt er. "Wenn ich eine Kühlung reparieren muss, schalte ich vom Alltag ab." Seine Familie weiß er hinter sich - sonst wäre es wohl kaum möglich gewesen, das alles zu erreichen. Und sonst wäre es wohl kaum ein friedlicher Urlaub geworden, damals, nachdem er das bereits startklare Auto erst wieder ausgeladen hatte, um den Hilferuf eines Kunden zu erhören. Für ihn selbstverständlich. "Man muss mit Leib und Seele dabei sein", betont er. Leistung zu erbringen, die andere zufrieden macht, macht ihn auch selbst zufrieden. Die Begeisterung für sein Handwerk möchte er seinen Schülern an der Berufsschule vermitteln. Wenn er von Wärmepumpen, Entfeuchtungs- oder Kälteanlagen spricht ("alles das selbe Prinzip"), merkt man ihm diese Begeisterung an.
Für die Lehrtätigkeit ist es ein Vorteil, beruflich immer am Ball zu bleiben. "Die Schüler merken sofort, ob der Mann, der da vorne steht, eine Ahnung hat", sagt Knorr. Fragen bringen ihn nicht aus der Ruhe. "Ich möchte, dass die Schüler an meine Wissensgrenze hinstoßen. Dann sind sie gut gerüstet für den Beruf." Diejenigen, die da im Unterricht vor ihm sitzen, sind zwischen 15 und 35 Jahre alt. Was er ihnen unbedingt mit auf den Weg geben will, ist der Appell, sich nicht mit Halbwissen und einem "Hauptsache die Prüfung bestanden" zufrieden zu geben. "Wenn ich etwas anfange, will ich immer 100 Prozent erreichen", sagt Knorr über sich selbst. Knorr hat viel erreicht. Als Sachverständiger hört man auf sein Urteil. Als Handwerker erwartet man von ihm Analysen und Problemlösungen, dafür erfährt er Anerkennung. Es ist ihm wichtig, offen zu sagen, dass er das alles mit dem Quali geschafft hat. "Man kann eigentlich alles werden, was man möchte", betont er, "wenn Familie und Umfeld passen." Die handwerkliche Ausbildung sollte aufgewertet werden, findet der 42-Jährige. Händeringend würden Azubis gesucht. Und Kindern könne man doch nur wünschen, dass sie ihr Leben selbstständig meistern und glücklich werden.

Berufsfeld Kältetechnik


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