Gebäudesicherheit ist Thema an allen Schulen

10.03.2010     inFranken.de

1 Jahr nach Winnenden Am 11. März 2009 richtete ein 17-Jähriger in Winnenden an seiner Schule ein Blutbad an. Sieht man seither genauer hin, wenn Schüler auffällig sind? Welche Konsequenzen muss man ziehen? Rund 100 Vertreter von Schulen im Raum Coburg-Kronach-Lichtenfels besprachen in Lichtenfels Sicherheitsfragen.

Kann man sich überhaupt für so einen Fall wappnen? Rund 100 Vertreter der Regionalen schulischen Krisenteams (ReSKITs) aus allen Schularten in Coburg, Kronach und Lichtenfels erörterten diese Frage bei einer Fortbildung zur Sicherheit an Schulen an der Herzog-Otto-Schule in Lichtenfels.

Präventionsmöglichkeiten und Sicherheitsfragen sind mittlerweile zu einer der zusätzlichen Dienstaufgaben der Lehrer geworden. Sensibilität und soziales Miteinander allein reichen aber nicht aus, um Gewalttaten zu verhindern. Um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, müssten Maßnahmen der Gebäudesicherheit umgesetzt werden, die in Firmen und Behörden längst gang und gäbe sind. Eugen Hügle von der Kriminalpolizei Coburg machte anhand der Kriminalstatistik deutlich, dass eine Beschäftigung mit Sicherheitstechnik an Schulen kein Luxus ist. Unbefugtes Betreten von Schulhäusern, Randalieren, Vandalismus, sowie das Mitführen von Gegenständen, die als Waffe taugen, verlangten ein Umdenken. Kommissar Hügle appellierte zudem an die Teilnehmer, grundsätzlich jede Ankündigung einer Amoktat, ob über das Internet, ob in schriftlicher Form oder mündlich geäußert, ernst zu nehmen und die Polizei bei Drohungen sofort zu verständigen. Auch die Schüler müssten wissen, dass dies kein Petzen ist, wenn sie entsprechende Informationen an Lehrkräfte weitergeben, sondern die Verhinderung einer Straftat und vielleicht der erste Schritt zur Hilfe, vor allem, wenn hinter der Drohung eigentlich Verzweiflung und Lebensüberdruss stehen.


Sachaufwandsträger in der Pflicht


Mit Unterstützung ihrer Sachaufwandsträger und der Experten der Polizei sollten Schulen baldmöglichst über veränderte Zugangsregelungen, spezielle Schließsysteme der Klassenzimmertüren, interne Alarmsysteme oder auch die Verlegung der Verwaltungsräume nachdenken. "Manchmal sind es einfache Mittel", so Hügle, "die mögliche Täter abhalten und lebensrettend sein können." So habe etwa ein spezieller Handy-Alarm bei der jüngsten Gewalttat an einer Berufsschule in Ludwigshafen vermutlich Schlimmeres verhindert, indem die Lehrkräfte schnell gewarnt wurden.

Manche Schulen im Raum Coburg-Kronach-Lichtenfels haben bereits die Eingänge reduziert, damit Unbefugte nicht so leicht und unbeobachtet hineinkommen. Manche öffnen nur vor Schulbeginn und zu den Pausen unter Beobachtung des Hausmeisters. Andere haben ein spezielles Alarmsystem mit Codewörtern, manche eine Gegensprechanlage, mit der der Lehrer jede Auffälligkeit sofort an das Sekretariat melden kann. Wieder andere haben bereits die Verbarrikadierung geübt oder im Kollegium besprochen.


Hilfe bei konkreten Fragen


Die Polizei unterstützt die Schulen seit einigen Jahren tatkräftig bei den Programmen gegen Mobbing, Gewalt, Diebstahl und Drogenmissbrauch mit den Jugendkontaktbeamten, die direkt in die Klassen kommen. Eugen Hügle sicherte allen weiterhin die volle Unterstützung der Polizei zu. Die Schulen könnten konkrete Fragen und Bedürfnisse äußern und Polizisten anfordern, beispielsweise, um die Gebäudesicherheit checken zu lassen. Polizeibeamte würde Tipps geben oder in Lehrerkonferenzen über richtiges Verhalten in einer Notsituation referieren.

Nach reger Diskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass für die Unversehrtheit der ihnen anvertrauten Schüler alles getan werden müsse – freilich ohne eine Atmosphäre der Angst zu erzeugen.



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