Für mehr Wachstum braucht es neue Betten

07.02.2012   Ort: Bad Staffelstein     Fränkischer Tag

Tourismus In Bad Staffelstein verzeichnet man steigende Übernachtungszahlen, doch ein Blick nach Bamberg zeigt, wo es in der Stadt am Obermain noch hakt. Dabei können Vermieter für Projekte sogar Geld vom Staat bekommen.


Karin Krause richtet ein Zimmer im Berggasthof in Unnersdorf her.
Karin Krause trägt ein zweites Kopfkissen und Zudeckbett herein. Sie ist Zimmerchefin im Berggasthof in Unnersdorf und bereitet den Raum vor, Gäste werden erwartet. Trotz Nebensaison, das Haus ist gut gebucht - und manchmal gehen auch um diese Jahreszeit Zimmer spontan weg, wie vor ein paar Tagen, als plötzlich zwei Vertreter an der Rezeption standen, sagt Besitzer Frank Klarmann. Vor rund drei Jahren hat er angebaut und gleichzeitig das Konzept seines Hauses verändert. Aus einem Haus mit einfachen Fremdenzimmern ist ein Betrieb geworden, dem die Klassifizierung als Drei-Sterne-Plus-Hotel bevorsteht.
Frank Klarmann hat beim Umbau Unterstützung vom Staat bekommen. Diese Möglichkeiten kennen bislang viel zu wenig Vermieter im Staffelsteiner Raum - dabei würden sie in Bayreuth offene Türen einrennen, wenn man mit förderfähigen Projekten an die Regierung herantreten würde. Im Landkreis Lichtenfels werden diese Mittel praktisch nicht genutzt. Im Jahr 2010 verteilte die Regierung im Bereich Tourismus in Oberfranken 1,05 Millionen Euro Fördermittel, davon flossen in den Landkreis Lichtenfels gerade einmal 25 000 Euro. 2011 sah es aus regionaler Sicht noch schlechter aus. Keinen einzigen Euro riefen die Vermieter aus dem Raum für Projekte ab, dabei stieg die oberfrankenweit ausgereichte Summe sogar auf 1,26 Millionen Euro. "Uns wäre sehr daran gelegen, wenn unsere Fördermöglichkeiten bekannter werden", sagt Doris Herold von der Beratungsstelle in Bayreuth. In den vergangenen Tagen hat der Kur- und Tourismusservice Schreiben an Vermieter und Gastronomen verschickt, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. Es gibt ein paar Rahmenbedingungen: Man muss die Vermietungen gewerblich betreiben und als ausschließliche Einkommensquelle haben. Dazu müssen mindestens 50 000 Euro innerhalb von drei Jahren investiert werden. Doch sonst lässt sich vieles darstellen, etwa ein Umbau vorhandener Wohnungen, oder Erweiterungen in einem stark gefragten Segment.
Wie so etwas ablaufen kann, zeigt das Beispiel von Frank Klarmann, der eigentlich eher zufällig auf das Angebot stieß. "Ich war bei einem Beratungstag am Landratsamt und sprach mit dem Vertreter der KfW-Bank." Doch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hatte kein für ihn passendes Angebot. "Da habe ich den Berater gefragt, was es noch gibt, und er hat mich einfach ein Zimmer weiter geschickt", sagt er und lacht. Als er den Berggasthof übernahm, besaß das Haus zwölf einfach ausgestattete Zimmer. Der 38-Jährige wollte erweitern - und zeitgemäße Zimmer einrichten. 1,5 Millionen Euro investierte er in einen Erweiterungsbau und kann nun 26 Zimmer anbieten. Die Regierung Oberfranken unterstützte das Vorhaben mit 200 000 Euro Fördermitteln. "Durch den Neubau konnte ich auch daran gehen, die einfachen Zimmer im Altbau zu renovieren." Den Schritt bereut Klarmann nicht, die Auslastung liege durchschnittlich bei 80 Prozent - und selbst im Winter noch bei über 50 Prozent.

Großer Nachholbedarf


Das überrascht nicht, denn im Bereich Hotelbetten hat die Region noch Nachholbedarf, bestätigt auch Anne Schneider, die Leiterin des Kur- und Tourismusservice, die auch auf die Entwicklung im wenig entfernten Bamberg verweist. Dort stieg die Zahl der Übernachtungen zwischen 2000 und 2010 von 300 000 auf 450 000, um 50 Prozent. Doch die Bettenkapazitäten wuchsen in dieser Zeit auch von rund 2000 auf 3000 Betten, führt Schneider an, vor allem durch neue Hotels. In Bad Staffelstein gingen die Übernachtungszahlen im selben Zeitraum ebenfalls in die Höhe, von 494 000 auf 581 000. Das sind 17,6 Prozent. Die Zahl der Betten wuchs dagegen kaum, von 3573 auf 3750. Das sind gerade einmal knapp fünf Prozent. Rechnet man die Kurkliniken sowie die Gästehäuser in Banz und Vierzehnheiligen heraus, bleiben aktuell 2650 Betten übrig. "Und davon steht fast jedes zweite in einer Ferienwohnung."
Klarmanns Erweiterungsbau, der 14 neue Zimmer brachte, war in den vergangenen Jahren das größte Projekt - ansonsten stagniert es in dem Segment. Bemühungen der Stadt, einen Investor für ein Hotel auf einem Grundstück an der Obermain-Therme zu finden, blieben bisher ohne Erfolg. "Doch wir brauchen in dem Hotel-Bereich unbedingt mehr Betten", betont Schneider.

Kontakt An der zentralen Anlaufstelle für Fördermöglichkeiten in Bayreuth sitzt Doris Herold. Sie ist unter Telefon 0921/604-1299 zu erreichen.





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