Firma Fortuna: Zurück zu alter Stärke
23.03.2011
Ort: Bad Staffelstein ![]()
Porträt Die Firma Fortuna überwand die Insolvenz und bekam nun sogar den Ausbildungslöwen. Die Maschinenbau-Fabrik erhielt diese Auszeichnung des Landkreises Lichtenfels in der Kategorie Betriebe mit über 50 Beschäftigten. Der Betrieb mit seinen 129 Beschäftigten hat eine Ausbildungsquote von 12,3 Prozent.

Tobias kindermann
Als die Einladung kam, wussten die Mitarbeiter der Firma Fortuna Maschinenbau noch gar nicht, dass es einen Preis geben würde. Produktionsleiter Jürgen Schulte nahm Ausbildungsleiter Norbert Haas mit und ging ins Stadtschloss zur Festveranstaltung, und beide kamen mit einem Ausbildungslöwen zurück. "Damit haben wir gar nicht gerechnet", sagt Schulte.
Doch man hätte wohl kaum eine andere Firma finden können, die den Preis heuer mehr verdient hätte: Mit 16 Auszubildenden beschäftigt man momentan deutlich mehr Auszubildende als in den vergangenen Jahren. Damit hat der Betrieb mit seinen 129 Beschäftigten eine Ausbildungsquote von 12,3 Prozent, fast doppelt so hoch wie der Bundesschnitt in Industrieunternehmen. "So viele Auszubildende hatten wir sicher die vergangenen zehn Jahre nicht mehr", sagt Personalleiter Udo Jakob.
Betrieb mit Tradition
Fortuna ist insgesamt zu alter Stärke zurückgekehrt - und noch ein bisschen mehr. 2006 ging der Hersteller von Bäckereimaschinen insolvent - bei praktisch vollen Auftragsbüchern, wie sich Norbert Haas erinnert. Das Unternehmen bestand seit 1887; damals wurden Backöfen hergestellt, ab 1900 auch Backmaschinen. Von etwa 120 Mitarbeitern 2006 konnten unter dem neuen Besitzer zunächst nur 70 Beschäftigte weitermachen. In diesem Jahr will man zum Jahreswechsel fast 140 Personen beschäftigen.
Auch bei den Lehrlingen hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Bildete Fortuna früher nur Industriekaufleute und Industriemechaniker aus, gibt es seit drei Jahren auch den Bereich Mechatronik sowie seit 2010 auch technische Zeichner. "Wir haben seit kurzem einen Multifunktionsraum für die Ausbildung, um Pneumatik, Mechatronik und Theorie unterrichten zu können", sagt Haas. Dazu kommt seit Herbst vergangenen Jahres eine eigene Jugendvertretung.
Und wer sich im Unternehmen durch besondere Leistungen hervortut, wird "Auszubildender des Jahres" und erhält einen Preis. Seit 2006 bekam jeder Auszubildende nach seiner Lehrzeit einen Arbeitsplatz im Unternehmen angeboten. "Und alle sind bis heute geblieben", betont Udo Jakob.
Tim Horn (16) aus Döringstadt arbeitet momentan an einer Drehmaschine. Er ist Mechatroniker im ersten Lehrjahr und hat den ersten Ausbildungs teil schon hinter sich: den allgemeinen Umgang mit Bohrmaschinen, Feilen und anderen Bearbeitungsgerätschaften. "In welchem Tempo an einer Drehmaschine die Teile entstehen, ist schon faszinierend. Wenn man sich überlegt, wie lange man dagegen dafür mit der Hand brauchen würde."
Sein Kollege Kevin Stenglein (18) aus Schwürbitz ist im ersten Lehrjahr als Industriemechaniker: "Es ist schon ein toller Schritt, wenn man von den Lehrübungen dann in den Automatenbau kommt", sagt er.
Dort entstehen die Klassiker der Modellpalette, die Fortuna-Halb- und -Vollautomaten, mit denen Brötchen vor dem Backen geformt werden. Die ersten Maschinen dieser Art brachte Fortuna 1927 auf den Markt. "Das ist, wenn man so will, eigentlich eine Manufaktur", meint Norbert Haas über diese Abteilung des Unternehmens.
Es geht auf die Kart-Bahn
Wie schon im vergangenen Jahr sollen auch heuer die Lehrlinge von Fortuna einen Ausflug in den Banzer Klettergarten machen. Und vom Preisgeld für den Ausbildungslöwen, 1000 Euro, geht es demnächst auf eine Kartbahn.
Und nächstes Mal wird bei Fortuna für die Verleihung des Ausbildungslöwen eine schöne Rede vorbereitet, wie sie der Kollege Gerd Pfaff von Scherer und Trier, den er seit seiner Ausbildung kennt, gehalten habe, meint Norbert Haas: "Und natürlich wollen wir einmal, wie er, den Qualitätspreis erhalten."
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