Eine fantasievoll erweiterte Welt

30.12.2010     Fränkischer Tag

Literatur Die 20-jährige Gabriela Bieber aus Ebensfeld hat ihren ersten Roman geschrieben. "Die weitere Welt" lautet der Titel ihrer psychologisch-philosophischen Erzählung. Darin lässt sie Realität und Imagination ineinander fließen.


Gabriela Bieber beim Signieren ihres Romans "Die weitere Welt". Fotos: Matthias Einwag
Gabriela Bieber ist ein heiterer Mensch. Jedenfalls lacht sie gerne. Und sie hat viel Sinn für Humor. Deshalb überrascht der Stoff ihres ersten Romans ein wenig, denn darin geht es um Selbstzweifel und um Gedanken an Suizid. Doch Gabriela Bieber nimmt diesem düsteren Gedanken die Schwere. Indem sie der Realität mit viel Kreativität und Fantasie eine zweite Welt zur Seite stellt, gelingt der Balanceakt zwischen Himmel und Hölle, zwischen Heiterkeit und Düsternis, zwischen Leben und Tod.
Die 20-jährige Lehramtsstudentin (Englisch und Deutsch) hat immer schon gern geschrieben. Bisher meist für die Schublade. Doch das muss ja kein Makel sein in einer Welt, in der Talkmaster, Tennisspieler und Formel-1-Piloten sich als Autoren berufen fühlen. Außer Gedichten und Kurzgeschichten in Anthologien hat sie bisher nichts veröffentlicht.

Buchdruck auf Bestellung


Bis Anfang Dezember ihr erster Roman "Die weitere Welt" erschien. Über den Verlag "Eichenblatt Literatur", der junge Autoren fördern möchte, wird das Buch auf Bestellung gedruckt (books on demand). Eine zählbare Erstauflage gibt es also nicht. Das machen viele Verlage heute so, die sich Lagerkosten sparen wollen. Die Bücher werden erst gedruckt, wenn sie bestellt werden.
Auf dem Klappentext des Buches steht dieser Satz: "Wenn du dein Leben nicht leben kannst, du dich gefangen fühlst, verfolgt, dich niemand liebt, am wenigsten du dich selbst, ist es Zeit, diese Welt zu verlassen." Auf die Frage, wie sie dazu komme, ein derart ernstes Thema aufzugreifen, lächelt Gabriela Bieber: "Ich suche die Ideen nicht; die Ideen kommen eigentlich zu mir." Jeder Mensch habe Tiefpunkte erlebt, mit denen er zurecht kommen musste. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die meisten Menschen schon einmal mit dem Gedanken der Selbsttötung gespielt haben.
In ihrem Buch geht sie der Frage nach, ob man aus einem momentanen Tief wieder heraus kommen kann - und, wenn ja, wie. Ein halbes Jahr hat sie an dem Buch geschrieben. Sie machte sich dafür mit den Problemen von Magersüchtigen und Borderlinern vertraut und sie schrieb über Mobbing - leider beinahe alltägliche Krankheitsbilder unserer Gesellschaft. Gleichwohl gibt es in solchen Lebenslagen stets Auswege, Pfade der Fantasie, die in eine weitere Welt führen.
Das Schreiben sei für sie ein wunderschöner Schöpfungsakt gewesen: "Wenn man etwas schreibt, ist es fast so, als würde man es erleben", sagt die 20-Jährige, man achte auf jedes Detail "und man kann alles erleben, was man möchte, man kann beim Schreiben seine Gedanken sichtbar machen und festhalten." Eine weitere Welt entsteht.
Ihre Erzählung ist deshalb nicht an einen Ort gebunden, der auf der Landkarte existiert. Mit ihrem Roman auf psychologisch-philosophischer Ebene möchte sie Denkanstöße geben, die Imagination mit der Realität zusammenzuführen. Ein echter Fantasyroman sei ihr Buch nicht, eher ein Zwischending, "halb Fantasy, aber den Bezug zur Realität nicht verlierend".
Der Begriff der "weiteren Welt" sei nicht nur im Sinne einer zweiten Welt zu verstehen, konkretisiert sie. Vielmehr bezeichne die "weitere Welt" vor allem das Innenleben, "das sich durch die Freiheit, die die Fantasie eröffnet, auszeichnet". Kurzum: Es gibt immer eine andere Möglichkeit. Selbst in scheinbar aussichtslosen Lebenslagen gibt es einen Ausweg.

Ein Faible für die Lyrik


Welche Schriftsteller sie selbst gern liest? Gabriela Bieber lacht und antwortet schlagfertig: "Ich lese Lyrik, das dauert nicht so lange." Nach kurzem Nachdenken fügt sie hinzu, dass sie am liebsten Texte von Autoren lese, die sie persönlich kennt: Robert Eben und Florian Zach. Also keine Nobelpreisträger. Aber wer weiß, vielleicht werden sie's ja noch - Thomas Mann und Heinrich Böll waren schließlich auch irgendwann einmal Unbekannte.
Beim Schreiben ihres ersten Romans kamen Gabriela Bieber jede Menge Ideen für neue Bücher, für Kurzgeschichten und Gedichte. Auf jeden Fall möchte sie einen weiteren Roman schreiben. Halb scherzhaft, halb im Ernst ergänzt sie: "Der Fernseher kann dich reich machen - wenn du ihn nicht einschaltest."
Wie das Buch bei den Lesern ankommt? Gabriela Bieber lächelt und sagt, das wisse sie noch nicht so genau. Sie habe ihren Roman an Weihnachten erst an Freunde und Verwandte verschenkt. Auf deren Rückmeldungen warte sie noch.


Lesung Die erste Lesung aus dem Roman "Die weitere Welt" steht bereits fest: Sie findet statt am Sonntag, 16. Januar, im Café Herolds in Lichtenfels.



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