Teichwirte beklagen zunehmende Bürokratie
06.02.2012
Von: Stephan Herbert Fuchs ![]()
Biber, Fischotter, Kormoran: Diese Fischereischädlinge haben den oberfränkischen Teichwirten in der Vergangenheit schon genug Ärger bereitet. Nun kommt ein weiteres Problem hinzu: die Bürokratie.

Konkret geht es nicht nur um die Lebensmittelhygiene- und Seuchenverordnung, sondern auch um einen zwölfseitigen Fragebogen des statistischen Landesamts. Der muss nach Auskunft von Bernhard Feneis, dem Präsidenten des Verbandes Deutscher Binnenfischer, künftig jährlich ausgefüllt werden, und zwar auch dann, wenn Teichwirte nur für den Eigenbedarf produzieren.
Dabei ist die oberfränkische Teichwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region, der nicht unterschätzt werden sollte. Darauf wiesen bei der Jahresversammlung sämtliche Redner immer wieder hin. Nach den Worten von Iris Fuchs von der Abteilung Veterinärmedizin an der Regierung von Oberfranken gibt es im Regierungsbezirk über 2100 registrierungspflichtige Betriebe, der Großteil davon Landwirte, die im Zu- oder Nebenerwerb eine Teichwirtschaft betreiben. Rund 850 davon sind in der Teichgenossenschaft Oberfranken aktiv. Ihr Ziel ist es, die Fischerei dahingehend zu unterstützen, dass sie ihrem kulturhistorischem und ihrem ökologischen Auftrag gerecht werden kann und dass die Teichwirte hochwertige Nahrungsmittel erzeugen können.
Die kultur- und landschaftsprägende Bedeutung der beinahe unzähligen Teichanlagenstellte Landtagsvizepräsident Peter Meyer in den Vordergrund. Die naturfachliche Arbeit der Teichwirte bezeichnete er als beispielhaft. Teichanlagen sicherten nicht nur den Wasserhaushalt, sondern unterstützen auch ein günstiges Klima, sie gestalten die Landschaft und tragen nicht zuletzt dazu bei, dass die Genussregion Oberfranken eine derart große Bedeutung hat.
Die Teichwirte würden mit ihrer Arbeit aber auch viel zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt beitragen, so Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler. Teiche seien nur deshalb derart bedeutende Natur- und Kulturlandschaften, weil sie von Menschen bewirtschaftet werden. Die Teichwirte haben nach Auffassung Denzlers deshalb auch mehr Verständnis von Seiten des Naturschutzes verdient, als dies derzeit der Fall sei. "Niemand hat ein größeres Interesse, die Natur zu erhalten und zu pflegen als wir", sagte der Himmelkroner Bürgermeister Harald Peetz, der selbst aktiver Landwirt ist.
Ein wichtiges Anliegen der Genossenschaft ist die Teichbauförderung. 2011 seien 21 Anträge mit einer Bausumme von knapp 500 000 Euro gestellt worden, sagte der Vorsitzende. Zwölf Anträge mit einer Summe von rund 200 000 Euro seien bewilligt und 19 Anträge mit einer Summe von rund 240 000 Euro bereits ausbezahlt worden. Auch diese Zahlen zeigten eindrucksvoll, welchen Wirtschaftsfaktor die Teichwirte in Oberfranken ausmachen.
Allerdings beklagte VorsitzenderThoma auch hier die immer stärker um sich greifende Bürokratie. Obwohl es im Regierungsbezirk noch nie Beanstandungen gegeben habe, sei für die Teichbauförderung nicht nur die Digitalisierung der Fläche erforderlich, mittlerweile werde auch die GPS-Vermessung der Fläche untersucht.
Bei der Jahresversammlung der Teichgenossenschaft wurde Otto Norbert Grußka (60) aus Rödental bei Coburg einstimmig zum neuen Geschäftsführer gewählt. Grußka war 25 Jahre lang Bezirksschornsteinfegermeister in Oberfranken und hat im zurückliegenden Jahr die Prüfung zum Fischwirt abgelegt. Neuer Kassenverwalter ist der bisherige Kassenprüfer Georg Fiedler aus Altenkunstadt. Er löst Alexandra Bauernschmitt aus Bindlach ab, die das Amt aus beruflichen Gründen nicht mehr ausüben kann.
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